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Terrorpläne in der Frühphase?

von Florian Flade

Was steckt hinter dem Terroralarm in Berlin? Und welche Rolle spielt ein Asylbewerber in Attendorn?

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Das Foto soll Farid A. in den Reihen des IS in Syrien zeigen (Quelle: Berliner Polizei)

Im Herbst vergangenen Jahres, kurz nach den Terroranschlägen von Paris, rückte ein 30-jähriger Mann in Berlin in den Fokus der deutschen Sicherheitsbehörden. Der Algerier Fayssal B. kam im Frühjahr 2004 nach Deutschland und besitzt seitdem eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Nach außen wirkte er unauffällig, lebt mit Frau und Kind im Ortsteil Tempelhof. Am S-Bahnhof Alexanderplatz und am Checkpoint Charlie arbeitete er in zwei Backshops als Verkäufer.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) kam jedoch zur Einschätzung, dass es sich bei Fayssal B. um einen radikalen Islamisten, einen Unterstützer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) handeln könnte. Die Agenten nahmen ihn daraufhin genauer ins Visier.

Dabei stellten die Verfassungsschützer fest, dass Fayssal B. einige interessante Kontakte pflegte, unter anderem zu “Abdelsalam N.”, einem 49-jährigen Algerier der mit richtigem Namen Nardine F. heißen soll, geboren im französischen Nancy. Er lebte seit dem Jahr 2000 mit unterschiedlichen Identitäten in Berlin und wohnt in einem unscheinbaren Hinterhof-Wohnblock in Berlin Kreuzberg lebt. F. soll vor zwei Jahren kurzzeitig verschwunden sein, und kehrte anschließend mit gefälschten französischen Personaldokumenten zurück.

Fayssal B. stand nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch in Kontakt mit einem Mann, der erst im Dezember nach Deutschland eingereist war – getarnt als Flüchtling aus dem syrischen Aleppo, mit falschen Namensangaben. Der 34-jährige Farid A. kam offenbar mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern über die sogenannte Balkan-Route zunächst nach Bayern, wo er sich am 28. Dezember 2015 erstmals als Asylbewerber registrieren ließ. Im Januar schließlich bezog er eine Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn.

Die Kommunikation zwischen Fayssal B. in Berlin und Farid A. im Asylbewerberheim sei „hoch konspirativ“ abgelaufen, berichten Ermittler. Die Männer hätten Verschlüsselungssoftware und Chatprogramme benutzt, die für Sicherheitsbehörden kaum zu knacken sind. Mehrfach hätten sie Mobiltelefone und SIM-Karten gewechselt.

Das Kontaktprofil des mutmaßlichen Islamisten Fayssal B. machte die Verfassungsschützer stutzig. Sie intensivierten die Observationen, Telefone wurden abgehört. Dabei wurde noch eine weitere Verbindung von Faisal B. bekannt: Zu einem 25-jährigen algerischen Asylbewerber aus Isernhagen bei Hannover. Der Mann soll vor kurzem eine Reise unternommen haben. In den Brüsseler Stadtteil Molenbeek – einer salafistischen Hochburg und Heimat einiger Attentäter der Anschläge von Paris im November 2015.

Was genau planten Fayssal B., Farid A. und die beiden anderen Männer? Bereiteten sie einen Terroranschlag in Deutschland vor? Womöglich in Berlin? Vielleicht am Checkpoint Charlie oder am Alexanderplatz, wo Faisal B. zur Arbeit ging?

Wirklich konkret wurden die Hinweise nicht, die deutsche Sicherheitsbehörden rund im Januar generieren konnten. Aber es gelang ihnen schließlich die wahre Identität des angeblichen Flüchtlings Farid A. in Attendorn zu klären: Er ist kein Syrer, sondern Algerier. Und wird von den algerischen Behörden mit einem internationalen Haftbefehl gesucht, weil er für die Terrorgruppe IS in Syrien tätig gewesen sein soll.

Ein als Flüchtling getarnter IS-Dschihadist, ein Algerier mit Kontakten nach Belgien und zwei mutmaßliche Islamisten in Berlin – davon einer mit offensichtlich gefälschtem Pass. Die Gemengelage schien für die Ermittler zu riskant, um sie nicht weiter zu verfolgen. Zumal auch Fotoaufnahmen auftauchten, die den Asylbewerber Farid A. in Kampfmontur, mit Pistole in der Hand in Syrien zeigen, teilweise mit Leichen posierend und beim Abendessen mit einem mutmaßlichen Kontaktmann der Paris-Attentäter.

Am 10. Januar schließlich gab das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) seine Erkenntnisse über die algerische Islamisten-Zelle an die Berliner Staatsanwaltschaft ab. In deren Auftrag übernahm die Sonderkommission „Frost“ des Landeskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen. Was folgte waren drei Wochen intensive Observationsarbeit durch Mobile Einsatzkommandos (MEK) in Berlin und Attendorn.

In den frühen Morgenstunden folgte am Donnerstag schließlich der Zugriff. Rund 450 Polizisten, davon alleine rund 300 Beamte in Berlin, rückten in Attendorn, Hannover und der Hauptstadt an. Sie nahmen Farid A. und seine Frau fest. Und auch Nardine F. in Berlin-Kreuzberg wurde wegen des Verdachts der Urkundenfälschung kurzzeitig festgenommen. Für Fayssal B., der in seiner Wohnung in Berlin-Tempelhof angetroffen wurde, und für den Algerier in Hannover reichte es offenbar nicht für Haftbefehle. Sie wurden lediglich befragt.

„Bei den richterlich angeordneten Durchsuchungen der Wohnungen und Arbeitsstätten stellten die Ermittler Datenträger in großer Menge, Dokumente, Unterlagen sowie Mobiltelefone sicher“, teilte die Berliner Polizei am Freitag mit. „Zur Unterstützung der Maßnahmen wurden Sprengstoffspürhunde eingesetzt. Gefährliche Gegenstände wie Sprengstoff oder Waffen wurden dabei nicht gefunden.“

Falls es Anschlagspläne des algerischen Quartetts gab, dann befanden sie sich noch in der „Frühphase“, ist aus Sicherheitskreisen zu vernehmen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen erklärte im ZDF-Morgenmagazin, es sei die Aufgabe seiner Behörde derartige Planungen frühzeitig aufzuklären und zu vereiteln.

 

Dschihad-Rückkehrer Teil 6 – Der Jäger

von Florian Flade

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Die “Lohberger Brigade” des IS

Samstag, 10. Januar 2015, im Gewerbegebiet von Dinslaken. Es ist etwa 19.40 Uhr als ein silberfarbener VW-Polo vom McDonald´s in der Krengelstraße zur nahegelegnenen Shell-Tankstelle fährt. Am Steuer sitzt ein stämmiger junger Mann. Nils D., 24 Jahre alt. Er ahnte wohl nicht, dass er beobachtet wurde.

Ein mehrköpfiges Observationsteam der Polizei, ein sogenanntes Mobiles Einsatzkommando (MEK), folgte Nils D. bereits seit Tagen. Die Beamten hielten den jungen Mann “unter Wind”, wie es im Fachjargon heißt. An jenem Abend sollte der Zugriff erfolgen.

Kaum war Nils D. aus dem Auto gestiegen, griffen die Polizisten zu. Die Zivilfahnder rasten in ihren Autos heran, hielten mit quietschenden Reifen und stürzten sich auf D.. Sie drückten ihn zu Boden und legtem ihm Handschellen an. Tags darauf wurde der 24-jährige einem Haftrichter bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vorgeführt.

Die Festnahme erfolgte in turbulenten Zeiten. Wenige Tage zuvor hatten drei islamistische Terroristen in Paris siebzehn Menschen ermordet, darunter Redakteure und Zeichner des Satiremagazins “Charlie Hebdo”. In deutschen Sicherheitskreisen war man nervös. Und wollte kein unnötiges Risiko eingehen.

Nils D. stellte aus Sicht der Ermittler zumindest ein potenzielles Risiko dar. Der Islam-Konvertit ist einer von mehreren Dutzend Islamisten, die nach Syrien und in den Irak in den Dschihad gezogen waren und nun wieder in Deutschland leben. Wochenlang observierten ihn Verfassungsschutz und Polizei. Sie sammelten Belege für seine Mitgliedschaft in der Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS).

Begonnen hat die terroristische Karriere des Dinslakener Konvertiten im Oktober 2013. Da verschwand Nils D. irgendwann aus dem heimischen Stadtteil Lohberg. Er reiste mit Hilfe von Mittelsmännern über die Türkei nach Syrien. Und gelangte schließlich in ein Ausbildungslager des IS, wo er im Umgang mit Waffen geschult wurde.

Schon Monate zuvor hatte ein Verwandter des Islamisten dieselbe Reise angetreten – sein Cousin Philip B., ein ebenfalls zum Islam konvertierter Dinslakener. Der ehemalige Pizza-Lieferant trat im Dezember 2013 als “Abu Usamah al-Almani” in einem IS-Video auf. Er schwor darin dem IS-Anführer den Treueeid und rief Muslime in Deutschland dazu auf nach Syrien zu kommen.

Nils D. soll schon früh unter dem Einfluss seines älteren Cousins gestanden haben. Philip sei eine Art Vorbild für ihn gewesen, berichten Bekannte. Und derjenige, der ihn offenbar mit dem radikalen Islam vertraut machte. In der Schule sei Nils D. oft gehänselt worden, habe dann aggressiv reagiert, heißt es. Mit 15 Jahren sei er bereits Vater geworden, habe früh Drogenprobleme gehabt, später keinen Job gefunden. Der Salafismus hat dem jungen Mann wohl zunächst Halt gegeben.

Und einen neuen Freundeskreis. Rund 25 Männer und Jugendliche aus dem Dinslakener Stadtteil Lohberg sollen sich in den vergangenen Jahren zu gewaltbereiten Islamisten radikalisiert haben, so die Erkenntnis der Sicherheitsbehörden. Mindestens 13 von ihnen sollen nach Syrien ausgereist sein und sich dem IS angeschlossen haben.

Die “Lohberger Gruppe” nennen nordrhein-westfälische Staatsschützer diese Clique. “Lohberger Brigade” nennen sich die Dschihadisten selbst und posten Fotos bei Facebook, die sie in martialischen Posen, mit Gewehren und Messern bewaffnet zeigen. Einer aus der Gruppe, Mustafa K., veröffentlichte ein Bild, auf dem er mit dem abgeschlagenen Kopf eines mutmaßlich syrischen Regierungssoldaten posiert. Mehr als 40 “Gefällt Mir”-Klicks erhielt der Extremist dafür.

Inzwischen sollen mindestens sechs Dinslakener Dschihadisten getötet worden sein. Mustafa K., Hassan  D., Yunus E. und der Konvertit Marcel L. sollen im Dezember 2014 bei einem Luftangriff nahe der syrischen Stadt Kobane ums Leben gekommen sein. Philip B., der Cousin von Nils D., wurde nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden bei einem Gefecht schwer verletzt worden sein. Er habe nicht mehr richtig gehen können, erzählen Ermittler. Sein Unterkiefer sei zerfetzt worden, er konnte wohl kaum noch sprechen.

Dies sei wohl der Grund gewesen, weshalb sich der ehemalige Berufsschüler Philip B. schließlich freiwillig für ein Selbstmordattentat meldete. Im August 2014 soll sich der 27-jährige mit einer Autobombe an einem Stützpunkt der kurdischen Peshmerga-Miliz nahe der irakischen Stadt Mossul in die Luft gejagt haben. Bis zu 20 Menschen sollen bei dem Anschlag ums Leben gekommen sein.

Vier Islamisten aus Dinslaken haben die Reise in den Krieg überlebt und sind wieder in Deutschland. Nils D. ist einer von ihnen. In Syrien diente Konvertit nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in einer Spezialeinheit des IS, die damit beauftragt war, Deserteure zu jagen. In mindestens drei Fällen soll Nils D. bei solchen Festnahmen mitgewirkt haben.

Vom IS erhielt der deutsche Dschihadist dafür ein eigenes Auto. Sowie ein AK-47 Sturmgewehr, ein amerikanisches M-16 Sturmgewehr und eine Pistole Marke “Browning”, Kaliber 9mm. Mit einem speziellen Ausweis, der ihn als Mitglied der Fahndungseinheit kenntlich machte, soll Nils D. so auf die Jagd nach geflohenen IS-Kämpfern gegangen sein. Aber auch bei Krankentransporten von der Front soll er geholfen haben.

Anfang November 2014 war plötzlich Schluss mit seiner Zeit beim IS. Nils D. reiste zurück in die Türkei und bestieg dort einen Bus, der ihn wieder nach Deutschland, genauer nach Dortmund, bringen sollte. Auf der Durchreise in Bulgarien kontrollierten Grenzbeamte die Personalien der Insassen des Reisebusses. Die Polizisten bemerkten, dass Nils D. im Schengener Informationssystem SIS zur verdeckten Fahndung ausgeschrieben war. Sie benachrichtigten umgehend die deutschen Kollegen, ließen den Islamisten jedoch weiterreisen.

Wieder in Deutschland quartierte sich Nils D. bei seiner Mutter in einer Wohnung in einem Reihenhaus in Dinslaken ein. Der Verfassungsschutz nahm ihn daraufhin verstärkt ins Visier. Kehrt ein radikaler Islamist aus Syrien zurück, dann greift bei den Islamismus-Experten des Inlandsgeheimdienstes eine Art Checkliste. Sie versuchen den Rückkehrer auf seine Gefährlichkeit einzuschätzen. Was hat der Islamist in Syrien gemacht? Hat er gekämpft und womöglich getötet? Sucht er in Deutschland wieder Kontakt zur Szene? Verhält sich die Person besonders vorsichtig und konspirativ?

Bei Nils D. kamen die Ermittler schnell zu dem Schluss, dass es sich vermutlich nicht um einen Syrien-Rückkehrer handelt, der einen Anschlag in Deutschland begehen will. Der Tod des Cousins Philip B., so mutmaßten die Ermittler, war womöglich der Auslöser für seine Rückreise.

Dennoch wollten die Behörden sichergehen. Sie präparierten daher das Auto von Nils D. unbemerkt mit Abhörtechnik. So konnten sie mithören wie der Islamist über seine Zeit beim “Dawla” sprach, beim “Islamischen Staat”, über die Spezialeinheit und die Jagd auf Deserteure.

Bei seiner Festnahme beschlagte die Polizei auch das Mobiltelefon von Nils D.. Darauf fanden sie mehrere Kontaktdaten, die sie Personen aus der islamistischen Szene zuordnen konnten. Zahlreiche Fotos hatte der Islamist zwar gelöscht, die Aufnahmen waren jedoch – ein Glücksfall für die Ermittler – noch als Miniaturbilder auf der Festplatte des Mobiltelefons gespeichert und konnten so rekonstruiert werden. Zu sehen ist darauf Nils D. mit Waffen im Kriegsgebiet posierend.

Noch in diesem Monat will die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den Dinslakener Dschihadisten erheben.

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Lesen Sie hier:

Dschihad-Rückkehrer Teil 1 – “Du Blödmann!”

Dschihad-Rückkehrer Teil 2 – Auf Shoppingtour

Dschihad-Rückkehrer Teil 3 – “Etwas erledigen”

Dschihad-Rückkehrer Teil 4 – Kämpfer im Sturm

Dschihad-Rückkehrer Teil 5 – Liebe im “Heiligen Krieg”

“Der Dschihad ist Urlaub für uns”

von Florian Flade

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Seinen Kollegen bei der Deutschen Telekom fiel Yamin A.-Z. vor allem als wissbegierig und engagiert auf. Der 28-jährige Kaufmännische Auszubildende sei als “vielversprechender und sehr höflicher Mitarbeiter” gestartet, sagte mir ein Telekom-Sprecher. Doch irgendwann trat eine Veränderung bei A.-Z. ein. Der gebürtige Stuttgarter, der im Telekom-Standort in Bonn arbeitete, steigerte sich offenbar zunehmend in den Islamismus hinein. Und wurde so ein Fall für die Sicherheitsabteilung des Konzerns.

“Wir haben versucht ihn von unseren Werten zu überzeugen”, so ein Unternehmenssprecher. “Als er offen Sympathien für den Islamischen Staat bekundete, haben wir die Sicherheitsbehörden informiert.” Yamin A.-Z. sei schließlich nicht mehr zur Arbeit erschienen. Und habe damit seine Kündigung bewirkt.

Vor zwei Wochen tauchte der zuletzt in Königswinter bei Bonn wohnhafte Islamist wieder auf. In einem Propagandavideo des “Islamischen Staates” (IS), aufgenommen in der syrischen Ruinenstadt Palmyra. Als “Abu Umar al-Almani” tritt Yamin A.-Z. darin auf, trägt einen dichten Vollbart, Kampfmontur und Sturmgewehr.

Muslime sollten die “Hijrah” machen, so A.-Z., die Auswanderung nach Syrien und in den Irak. Sie sollten sich dem IS anschließen. “Der Dschihad ist tatsächlich der Urlaub für uns”, sagt der Islamist. Und ruft zu Gewalttaten in Deutschland auf. “Greift die Kuffar (Ungläubigen) an, in ihren eigenen Häusern! Tötet sie dort, wo ihr sie findet!”, fordert der Ex-Telekom-Azubi.

In der nächsten Szene ist Yamin A.-Z. neben dem Österreicher Mohamed Mahmoud alias “Abu Usamah al-Gharib” zu sehen. Vor den Terroristen auf dem Boden knien zwei gefesselte syrische Regierungssoldaten. “Meine Geschwister, entweder schließt ihr euch hier den Mujaheddin an”, sagt Mahmoud. “Oder ihr führt den Dschihad in Deutschland und Österreich durch! Du brauchst nicht viel: Nimm ein großes Messer und schlachte jeden Kafir (Ungläubigen)!”

Was dann folgt ist aus Sicht der deutschen Sicherheitsbehörden eine Premiere. Mohamed Mahmoud und Yamin A.-Z. laden ihre Sturmgewehre durch, legen an und exekutieren die Gefangenen zu ihren Füßen. Mehrere Salven schießen sie in die Körper der syrischen Soldaten, sie lachen, strecken dann ihre Gewehre gen Himmel und schreien “Allahu akbar!”.

Ein deutscher Islamist erschießt Gefangene. Das gab es bislang nicht. Hunderte Männer und Frauen aus Deutschland sollen sich dem IS inzwischen angeschlossen haben. Einige traten in Videos auf, drohten mit Anschlägen, riefen Muslime zur Auswanderung auf. Aber einen Mord vor laufender Kamera, ohne Maske, hat bislang noch keiner begangen.

Es dauerte einige Tage bis Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt (BKA) die Identität von “Abu Umar al-Almani” geklärt hatten. Inzwischen aber sind sich die Ermittler sicher, dass es sich um Yamin A.-Z. aus Königswinter handelt. Samt Ehefrau soll der Islamist vor wenigen Monaten über die Türkei nach Syrien ausgereist sein.

Die Bundesanwaltschaft führt nach meinen Informationen mittlerweile ein Verfahren gegen den 28-jährigen IS-Terroristen. Und zwar nicht nur wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129 a /b StGB), sondern auch wegen des Verdachts der Begehung von Kriegsverbrechen (§ 8 VStGB).

Im Februar hatte ich darüber berichtet, dass in Karlsruhe bereits geprüft wird, ob einige deutsche Dschihadisten nicht vor Ort auch an Kriegsverbrechen oder sogar Völkermord beteiligt sind. So etwa der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert oder der Deutsch-Algerier Fared S. aus Bonn.

Yamin A.-Z. ist nun wohl der erste Fall, in dem ein Nachweis für ein entsprechendes Verbrechen leichter zu erbringen sein dürfte. Immerhin begeht er den Mord unmaskiert vor laufender Kamera. Ob sich der Islamist jemals seine Tat vor einem deutschen Gericht verantworten muss, ist allerdings fraglich. “Er gehört zu denen, die wohl kein Rückflugticket haben”, sagt ein Verfassungsschutz.

In Österreich haben die Behörden das IS-Tötungsvideo inzwischen geprüft und für echt befunden. Die Staatsanwaltschaft Wien hat daher Ermittlungen wegen des Mordverdachts gegen Mohamed Mahmoud eingeleitet.