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IS-Magazin „Rumiyah“: Töten als Pflicht

von Florian Flade

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Stephen Leyland sagt, er habe keine Angst. Etwas beunruhigt sei er allerdings schon, gibt der 64-jährige Brite zu. Immerhin tauchte ein Foto von ihm vor kurzem in einem neuen Propagandamagazin der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) auf. Es dient als Illustration eines Artikels mit dem Titel: „Das Blut des Kafirs (Ungläubigen) ist halal für euch. So vergießt es“. Leyland ist ein einfacher Blumenhändler aus der Grafschaft Cheshire, der auf Wochenmärkten seine Ware anbietet. Der IS präsentiert ihn als ein legitimes Anschlagsziel – als Paradebeispiel für die Willkürlichkeit der Opfer-Auswahl.

Das neue IS-Onlinemagazin, in dem zum Mord am britischen Blumenhändler aufgerufen wird, heißt „Rumiyah“. Der Name beruht auf der der arabischen Bezeichnung für Rom und steht sinnbildlich für den Untergang des Römischen Reiches nach dem Fall von Konstantinopel. Seit September sind bereits zwei Ausgaben des Magazins erschienen – jeweils verbreitet über Download-Links in den Social-Media-Kanälen des IS.

Das Heft ist nicht die erste Propaganda-Publikation des IS – und dennoch ist „Rumiyah“ etwas besonderes. Bislang produzierten die IS-Medienabteilungen ihre digitalen Blätter vorrangig für eine bestimmte linguistische Zielgruppe. „Dabiq“ erschien zunächst in englischer Sprache, wurde dann unter anderem auch ins Russische oder Deutsche übersetzt. Hinzu kommen das französischsprachige „Dar al-Islam“, das russischsprachige Magazin „Istok“, das türkischsprachige „Konstantiniyye“ und der arabische Newsletter „An-Naba“.

„Rumiyah“ – veröffentlicht von der Al-Hayat Medienstelle, die sich auf multilinguale Veröffentlichungen spezialisiert ist – erscheint gleich in mehreren Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Türkisch, Uigurisch, Paschtu und Indonesisch. Und nicht nur das. Die jeweilige „Rumiyah“-Ausgaben unterscheiden sich nicht nur in der Sprache, sondern auch in Textgestaltung, Illustration sowie Inhalt und Umfang. 

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Etwa finden sich in den bislang erschienen Ausgaben die Kurzbiografien von unterschiedlichen „Märtyrer“ des IS. In der aktuellen Ausgabe in deutscher Sprache wird die Geschichte des getöteten Dschihadisten Nader H. alias „Abu Bilal al-Maghribi“ aus Frankfurt am Main („Die Karawane der Schuhada“) erzählt. In der englischen Ausgabe wird hingegen jenes IS-Terrorkommando („The Shuhada of the Gulshan Attack“) erwähnt, das im Juli Anschlägen in Bangladesch verübt hatte. Darunter der in Kanada geborene Dschihadist Tamim Ahmed Chowdhury.

Das englische „Rumiyah“ beginnt außerdem mit einem Vorwort über die Situation der Dschihadisten in Ostafrika („A Message from East Africa“), während sich in der französischen („Avant-Propos – Tuez les Associateurs où Que Vous les Trouviez“) und in der deutschen Ausgabe („So tötete die Muschrikin, wo auch immer ihr sie findet!“) an dieser Stelle ein direkter Aufruf zum Mord an sogenannten „Abtrünnigen“ finden.

Auffällig bei „Rumiyah“ ist zudem der inhaltliche Unterschied zum IS-Magazin „Dabiq“, das bislang in 15 Ausgaben erschien und augenscheinlich mit einem wesentlich höheren Aufwand erstellt wurde – und einen anderen Ansatz verfolgte. In „Dabiq“ geht es vorrangig darum, die Utopie des Islamischen Staates möglichst umfassend, detailliert, in unterschiedlichen Facetten darzustellen. Die Bandbreite der Artikel reicht von ideologischen und theologischen Fragen, über das alltägliche Leben im IS-Gebiet und nachrichtlichen Berichten über aktuelle Kriegshandlungen bis zur Erläuterung der IS-Rechtsprechung.

Anders sieht es bei „Rumiyah“ aus. Auf gerade einmal der Hälfte oder sogar nur einem Drittel der Länge von „Dabiq“ geht es vernehmlich um ein Thema: Töten von Nicht-Muslimen im Westen. In seitenlangen Essays erläutern die IS-Dschihadisten, weshalb der Hass auf die „Ungläubigen“, die „Abtrünnigen“ und „Götzendiener“ angeblich von Allah befohlen sei und darauf auch brutalste Taten folgen müssten – auch gegen Zivilisten in Europa und Nordamerika. Vermittelt wird dabei eine geradezu wahnhafte Verpflichtung und Legitimation zum Morden. Begleitet von Beschreibungen über die Vorzüge des Märtyrertodes.

Hinzu kommen Durchhalteparolen an die IS-Anhängerschaft. Ein Propagandamittel um die bereits stattfindenden und noch bevorstehenden Verlusten und Rückschlägen der Terrororganisation herunterzuspielen.  Beispielsweise heißt es in der deutschen „Rumiyah“-Ausgabe unter der Überschrift „Verkünde den Geduldigen: Allahs Sieg ist nahe!“: „Wahrlich, wir nehmen den Geruch unserer gesegneten Chilafah (Kalifat) wahr, wie sie sich im Osten und Westen der Erde ausbreitet, auch wenn manche uns bezichtigen Unsinn zu reden. So gilt es schöne Geduld zu üben und Allah ist derjenige, bei Dem die Hilfe zu suchen ist.“

Was ist die Intention von „Rumiyah“?

Die IS-Anhänger im Westen werden gezielt in ihrer jeweiligen Muttersprache angesprochen und zu Gewalttaten animiert. Anders als bei „Dabiq“ geht es nicht mehr um die Auswanderung in das IS-Territorium, und es geht auch nicht darum, den Aufbau des IS-Staatswesens zu vermitteln. Es geht nur noch um die Indoktrinierung und Verhaltensschulung von zukünftigen Attentätern. Mit der unmissverständlichen Botschaften: Das (möglichst grausame und wahllose) Töten von Nicht-Muslimen sei eine religiöse Pflicht.

Sicherlich nicht zufällig ist auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe von „Rumiyah“ ein bis dato unbekanntes Foto des IS-Propagandachefs Taha Sobhi Falaha alias „Abu Mohammed al-Adnani“ zu sehen. Der IS-Ideologe prägte eine fast schon anarchistische Strategie des führerlosen Dschihad im Westen, bei der die Opferauswahl beliebig und die Wahl der Mittel völlig frei ist. Al-Adnani kam am 30. August 2016 wohl bei einem US-Luftangriff unweit von Aleppo ums Leben. Nur wenige Tage später erschien erstmals „Rumiyah“. Das Magazin wirkt wie eine verschriftliche Form der Adnani-Doktrin. 

Fraglich ist weiterhin, ob das neue Online-Magazin des IS eine Ergänzung zu „Dabiq“ darstellt, oder eben jenes ersetzen soll. Die letzte „Dabiq“-Ausgabe erschien am 31. Juli 2016.  

Frankreich und die dschihadistische Hydra

von Florian Flade

In Frankreich wollten vier Islamistinnen offenbar einen Anschlag für die Terrormiliz IS verüben. Der Vorfall verdeutlicht wie hoch die Terrorgefahr im Land weiterhin ist – und vermutlich noch Jahre bleiben wird.

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Quelle: Google Maps

Patrick Calvar, Direktor des französischen Inlandsnachrichtendienstes DGSI, hatte eine Vorahnung, was da noch so kommen würde. „Ich bin sicher, dass sie Autobomben und Sprengsätze einsetzen werden“, sagte Calvar im Mai bei einer Befragung im Unterhaus des französischen Parlaments zum Anti-Terror-Kampf. Der dschihadistische Terrorismus, so prophezeite Frankreichs ranghöchster Geheimdienstler, werde die Nation wohl noch in den kommenden Jahren beschäftigen.

Am vergangenen Donnerstag wäre Calvars Vorhersage beinahe Realität geworden. Einige hundert Meter von der Kathedrale Notre-Dame in Paris entfernt, wurden Passanten auf ein Auto aufmerksam, das ohne Kennzeichen in der Nähe von Bars und Cafés abgestellt worden war. Polizisten rückten an und untersuchten den Wagen. Im Kofferraum und auf den Rücksitzen des Peugeot 607 entdeckten sie sechs Gasflaschen und drei mit Diesel gefüllte Kanister. Darüber lag eine mit Benzin getränkte Decke. Mit einer angerauchte Zigarette sollte die explosive Ladung wohl gezündet werden – was glücklicherweise misslang.

Schon kurze Zeit später erfolgten die ersten Festnahmen. In Boussy-Saint-Antoine, rund 40 Autominuten südöstlich von Paris, nahmen Polizeieinheiten insgesamt vier Frauen und eine Jugendliche fest. Es soll sich um radikale Islamistinnen handeln, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sympathisiert haben sollen. Bei den Verdächtigen handelt es sich um:

Sarah H., 23 Jahre
Ornella G., 29 Jahre – ihre Fingerabdrücke waren in der Autobombe gefunden worden
Inès M., 19 Jahre – die Tochter des Fahrzeughalters
Amel S., 39 Jahre – sie wurde gemeinsam mit ihrer 15-jährigen Tochter festgenommen

Als die Polizei bei den Wohnungen der Terrorverdächtigen anrückte, griffen Inès M. und Sarah H. die Beamten mit Küchenmessern an. Ein Polizist erlitt dabei Verletzungen am Bauch. Inès M. wurde anschließend durch Schüsse eines anderen Polizisten an der Hüfte und am Knöchel verletzt. In ihrer Handtasche entdeckten die Beamten einen Brief, in dem sie der Terrormiliz IS die Treue schwören soll. „Ich greife euch auf eurem Boden an (…) um euch zu terrorisieren“, soll sie geschrieben haben.

Frankreichs oberster Staatsanwalt, Francois Molins, erklärte bei einer Pressekonferenz die islamistische Terrorzelle habe im Auftrag des IS gehandelt und einen Autobombenanschlag verüben wollen. Der IS benutze „Frauen als Kombattantinnen“, so Molins. Und weise diese aus der Ferne an Attentate zu begehen.

Molins gab außerdem noch weitere Details zu den Islamistinnen bekannt, die verdeutlichen, dass es offenbar weitverzweigte Kennverhältnisse und Verflechtungen in die dschihadistische Szene gibt. Inès M. und Sarah H. beispielsweise waren den französischen Behörden als gewaltbereite Extremistinnen bekannt. Über die Frauen wurde eine sogenannte „Fiche S“ geführt, eine Akte für Personen, die eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen.

Sarah H. war eine Verlobte von Larossi Abballa, jenem Attentäter der im Juni in Magnanville bei Paris einem Polizisten vor dessen Haus auflauerte, zuerst ihn und dann seine Lebensgefährtin mit einem Messer tötete bevor ihn die Polizei erschoss. Abballa hatte kurz nach der Bluttat per Livestream über Facebook erklärt im Namen es IS gehandelt zu haben.

Nach dem Tod Abballas soll Sarah H. einem weiteren islamistischen Gewalttäter die Ehe versprochen haben: Adel Kermiche, der im Juli in der nordfranzösischen Kleinstadt Saint-Étienne-du-Rouvray während eines Gottesdienstes mit einem Komplizen in eine Kirche eindrang und dort einem 85 Jahre alten Priester die Kehle durchschnitt. Anrückende Polizeeinheiten erschossen die beiden Terroristen anschließend, die per Videobotschaft dem IS den Treueeid geschworen hatten.

Der aktuelle Verlobte von Sarah H., der 22-jährige Salafist Mohamed Lamine A., der ebenfalls am Donnerstag festgenommen wurde, gilt auch als radikaler Islamist, der bereits in Anti-Terror-Ermittlungen eine Rolle spielte.

Und noch eine Verbindung führt ins terroristische Milieu: Mindestens eine der festgenommen Frauen kannte nach Informationen der französischen Geheimdienste Hayat Boummedienne, die Witwe des Terroristen Amedy Coulibaly, der im Januar 2015 kurz nach dem Anschlag auf die Redaktion des Satire-Magazines Charlie Hebdo, einen jüdischen Supermarkt in Paris angriff und mehrere Menschen ermordete. Boummedienne soll sich in Syrien aufhalten und sich dort dem IS angeschlossen haben.

Tatsächlich verfolgen die Ermittler derzeit auch eine Spur nach Syrien. Von dort, so heißt es, soll die weibliche Terrorzelle „ferngesteuert“ worden sein. Als möglicher Kontaktmann gilt Rachid Kassim, ein 29-jähriger Dschihadist aus dem südfranzösischen Roanne. Kassim war bereits in IS-Propagandavideos zu sehen, unter anderem auch bei einer Enthauptung. Über seinen Telegram-Kanal soll Kassim seit Monaten mit IS-Sympathisanten in Frankreich in Verbindung stehen und auch direkt zu Anschlägen auf Zivilisten aufrufen – auch mit Autobomben.

„Füllt Autos mit Gasfalschen, gießt Benzin drüber, parkt das Auto in einer belebten Gegend und…BOOM“ – Aufruf von Rachid Kassim über Telegram

Französische Ermittler gehen davon aus, dass auch der Magnanville-Attentäter Larossi Abballa und die Priester-Mörder Adel Kermiche und Abdel Malik Petijean mit Rachid Kassim kommunizierten. Möglicherweise verschickten sie sogar an ihn die Bekennervideos, die später von der IS-Propagandaagentur Amaq Agency veröffentlicht wurden.

Auch bei einer weiteren Festnahme am Samstag soll es eine Verbindung zu IS-Rekrutierer Rachid Kassim geben. Ein 15-jähriger Schüler wurde in Paris verhaftet, weil er einen Anschlag geplant haben soll. Reuters berichtet, der Junge habe in Kontakt zu Kassim gestanden.

In Frankreich machen sich Sicherheitsbehörden, Justiz und Politik derweil wenig Illusionen: Die islamistische Terrorgefahr bleibt auch rund ein Jahr nach den Anschlägen von Paris vom 13. November 2015 mit 130 Toten hoch. „Eine Gruppe wurde neutralisiert“, sagte Staatspräsident Francois Hollande am Freitag nach der Festnahme der IS-Terrorzelle um Sarah H. und Inès M.. „Andere sind noch da draußen.“

Wie groß das terroristische Potenzial in Frankreich tatsächlich ist, vermag wohl niemand seriös zu beziffern. Angesichts der hohen Zahl von radikalen Islamisten gelten weitere Attentate in den kommenden Jahren allerdings als wahrscheinlich: Rund 12.000 Personen sollen inzwischen mit einer „Fiche S“ eingestuft worden sein, gelten also als gefährlich und gewaltbereit. 2165 Islamisten sind mit Bezug zum Konflikt in Syrien und im Irak bekannt, davon sollen sich 689 noch in der Region aufhalten, 203 Rückkehrer wurden gezählt, 193 Extremisten gelten als tot, 180 sind noch auf der Reise in das Kriegsgebiet oder bereits auf dem Heimweg und 900 Ausreisen wurden bislang verhindert.

Wohnzimmer-Prediger im Visier

von Florian Flade

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Hildesheimer Prediger „Abu Walaa“ – Quelle: Youtube Screenshot

Eine Razzia in einem Reisebüro gibt es nicht oft. Und wenn, dann meist eher wegen Wirtschafts- oder Schleuserkriminalität. Am Mittwochmorgen aber rückte die Polizei in Duisburg-Rheinhausen wegen etwas anderem an. Es ging nicht um das Türkei-Reisen spezialisierte Reisebüro an sich, sondern um ein Hinterzimmer. Und die Aktivitäten dort. 

Der Besitzer des Reisebüros, Hasan C., ein Mann mit hoher Stirn, langem dunklem Haar und Vollbart, soll ein salafistischer Prediger sein, glaubt der Staatsschutz. Jemand der junge Muslime in privaten Sitzungen mit extremistischem Gedankengut indoktriniert. Es gibt keine Youtube-Videos von ihm, er hat auch keine Facebook-Seite wie andere Prediger der radikalislamischen Szene. Hasan C. ist unauffällig. Im Hinterzimmer seines Reisebüros soll er regelmäßig Arabisch- und Koranunterricht gegeben haben. Junge Salafisten aus dem Ruhrgebiet sollen dafür zu ihm gekommen sein.

Jetzt rückte die Staatsmacht an. Mehr als 150 Polizisten waren an den Razzien am Mittwoch beteiligt. Durchsucht wurde im Auftrag der Bundesanwaltschaft nicht nur das Duisburger Reisebüro von Hasan C., sondern auch Wohnungen in Dortmund, Düsseldorf, Tönisvorst und Hildesheim. Die Aktion richtete sich gegen drei mutmaßliche islamistische Hassprediger. Männer, von denen Sicherheitsbehörden glauben, dass sie für die Radikalisierung von Muslimen verantwortlich sind – und vielleicht sogar für die Terrororganisation IS anwerben. Haftbefehle allerdings gab es keine.

„Wer meint, hier unbehelligt hetzen und junge Männer für den bewaffneten Kampf in Syrien und im Irak rekrutieren zu können, liegt daneben“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach der Polizeiaktion.

Im April verübten Yusuf T. und Mohamed B., zwei jugendliche Salafisten, mit einem selbstgebastelten Sprengsatz einen Anschlag auf einen Tempel der Sikh-Religionsgemeinschaft in Essen. Drei Menschen wurden bei der Explosion verletzt. Die Bombenleger sollen regelmäßig an den religiösen Unterrichten von Hasan C. in Duisburg teilgenommen und sich durch die Vorträge maßgeblich radikalisiert haben, heißt es aus Sicherheitskreisen.

In einem Fall, so glauben die Ermittler, soll der Koran-Lehrer Hasan C. einem Islamisten, der zuvor zur Terrormiliz IS in den Irak ausgereist war, Geld geschickt haben. Der Reisebüro-Inhaber wird daher der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verdächtigt.

In Dortmund durchsuchten Polizisten am Mittwoch die Wohnung von Boban S. alias „Abdurrahman“, einem serbisch-stämmigen Islam-Konvertit und Chemieingenieur, der ebenfalls in seiner Privatwohnung religiöse Unterrichte erteilt haben soll. Von „islamistischen Verhaltenskursen“ ist in Ermittlerkreisen die Rede.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen bekam der Hildesheimer Salafisten-Prediger Ahmad Abdulaziz A. von der Polizei Besuch. Der gebürtige Iraker, der in der salafistischen Szene als „Abu Walaa“ bekannt ist, predigt laut Sicherheitsbehörden einen fundamentalistischen Islam. Er ist sowohl in der Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim e.V.“ (DIK) als auch über Youtube, Facebook und einen eigenen Telegram-Kanal aktiv. Manchmal predigt er sogar per Live-Unterrichte per Audioübertragung im Internet. Sein Gesicht zeigt der Salafist nie.

Ende Juli durchsuchte die niedersächsische Polizei den salafistischen Moscheeverein in Hildesheim, in dem Ahmad Abdulaziz A. regelmäßig predigte. Dabei wurden Unterlagen, Laptops, Telefone und mehr als 20.000 Euro in Bar beschlagnahmt. Auch die Wohnungen führender Vereinsmitglieder wurden durchsucht. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), der ein Vereinsverbot anstrebt, nannte die Hildesheimer Moschee einen „Hotspot“ der salafistischen Szene. Mehr als 20 Personen aus dem Umfeld des DIK-Vereins sollen in den vergangenen Jahren nach Syrien und in den Irak gereist sein. Viele schlossen sich vor Ort dem IS an. Mit den IS-Terroristen will Prediger „Abu Walaa“ offiziell nichts zu tun haben, immer wieder wehrte er sich gegen den Vorwurf, die Gruppierung zu unterstützen.