Schlagwort-Archive: Jabhat al Nusrah

Gotteskrieger und Stubentiger

von Florian Flade

pic230615Moner Mohammad Abusalha – erster amerikanischer Selbstmordattentäter in Syrien. Und „Vater des Kätzchens“

Die gute Nachricht zuerst. Nein, Katzen sind nicht das Symbol für den Dschihad. Wer sich mit islamischem Extremismus befasst und insbesondere die Internet-Veröffentlichungen von Terrororganisationen und ihrer Mitglieder verfolgt, dem fällt jedoch auf: Mit kaum einem Tier posieren echte und Möchtegern-Dschihadisten lieber als mit der Katze.

Beispiel Moner Mohammad Abusalha aus dem US-Bundesstaat Florida. Der 22-jährige Amerikaner sorgte im Mai für Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass er sich offenbar in Syrien als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte. Auf einem Foto, das den Islamisten vor seiner Tat zeigt, hält Abusalha ein Kätzchen im Arm.

Und er ist nicht der einzige Dschihadist in Syrien, der wohl Gefallen an den pelzigen Stubentigern gefunden hat. Zahlreiche Fotos, die auf Twitter und Instagram kursieren, zeigen islamistische Kämpfer, mal vermummt, mal unvermummt, die mit Katzen posieren.

Warum ist das so?

Im Gegensatz zu Hunden, die im Islam als unrein gelten, gibt es mehrere Berichte über den Propheten Mohammed und seine Zuneigung zu Katzen. Etwa die Geschichte, als Mohammed mit einem Mantel zum Gebet erschien, dessen Ärmel abgeschnitten war. Auf die Frage, weshalb seine Robe zerrissen sei, antwortete er angeblich, dass eine Katze auf dem Ärmel geschlafen habe und er ihn, anstatt das Tier zu wecken, lieber abgeschnitten habe.

In anderen Aussagen soll der Prophet es verboten haben, Katzen gegen Geld zu verkaufen oder mit ihnen zu handeln. Auch Katzen zu essen, soll Mohammed seiner Gemeinde untersagt haben. Falls sich beim Gebet eine Katze in der Nähe befände, sei dies kein Problem, so lautet eine weitere angebliche Aussage von Mohammed. Eine Katze störe oder entkräfte das Gebet nicht. Sie sei gut für das Haus.

Abdel Rahman Ibn Sakhr Al-Azdi war eine der engsten Gefährten („Sahaba“) des Propheten Mohammed. Drei Jahre verbrachte der im heutigen Jemen geborene Gefolgsmann mit ihm. Weil Al-Azdi seit seiner Jugend immer eine Katze bei sich gehabt haben soll, und mit ihr angeblich sogar das Essen teilte, bekam er den Spitznamen „Abu Hurairah“, Vater des Kätzchens.

Moderne Dschihadisten mischen ihre Ideologie häufig mit den historischen Erzählungen und Anekdoten aus der Zeit des Propheten. So wundert es nicht, dass der amerikanische Selbstmordattentäter Moner Mohammad Abusalha alias „Abu Hurairah al-Amriki“ seinem Kampfnamen alle Ehre macht und mit einer Katze vor die Kamera tritt.

Trendland Syrien

von Florian Flade

pic_080813_13Der deutsche Dschihadist „Abu Ahmad al-Almani“ (Mitte)

Es gibt Entwicklungen im Islamismus, die sind vorhersehbar und kaum zu verhindern. Etwa, dass sich ein Land, dessen staatliche Strukturen sich im Zuge eines Konfliktes zunehmend auflösen, an dem islamistische Akteure einen gewissen Anteil haben, eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf kampfeswillige Islamisten aus aller Welt ausüben. So geschehen in den 1980er Jahren beim Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan, in den 1990er Jahren beim Konflikt zwischen Christen und Muslimen auf dem Balkan und ab 2003 nach der US-Invasion im Irak. Stets zog es hunderte, manchmal sogar tausende Islamisten in die Kriegsgebiete, um ihren Anteil am Dschihad zu leisten.

Obwohl die Konflikte in Afghanistan, dem Irak oder Nordafrika keinesfalls beendet oder auch nur beruhigt sind, gibt es derzeit wohl kein Land, dass Islamisten aus Europa stärker anzieht als Syrien. „Trendland“ nennt Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen das zerfallende Land mit Blick auf eine wachsende Zahl von dorthin gereisten Islamisten aus Deutschland.

„Syrien ist weiterhin das zentrale Ausreiseziel für Dschihadisten aus Deutschland“, ließ Maaßen in einer gestrigen Pressemitteilung verlauten. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind seit Ende 2012 rund 120 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist. Wie viele tatsächlich dort ankamen, ist den Sicherheitsbehörden unbekannt. Ein gutes Dutzend Ausreise habe der Verfassungsschutz zusammen mit der Polizei verhindern können.

Die Zahlen der Ausreisen nach Syrien schwankten jeden Tag, so der Verfassungsschutz, die Tendenz sei jedoch eher steigend, meldet der Verfassungsschutz. Einige der Islamisten seien inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt, darunter auch eine einstellige Zahl von Personen, von denen bekannt ist, dass sie sich wohl an Kampfhandlungen beteiligt haben.

„Es ist oft sehr schwierig nachzuvollziehen, was diese Personen in Syrien getan haben“, erklärte mir dazu ein Verfassungsschützer. „Klar ist, sie alle beteiligen sich am Sturz des Assad-Regimes. In welcher Form, ob mit der Waffe oder durch andere Tätigkeiten, ist nicht immer eindeutig.“

Bei den Rückkehrern ließen oftmals nur Schussverletzungen Rückschlüsse darauf zu, ob sich die Person an Kämpfen beteiligt hat. „Da gibt es dann Fälle, wo die Person erzählt, sie habe sich bei einem Jagdausflug in Syrien oder der Türkei verletzt.“

Der Verfassungsschutz bestätigt inzwischen auch, dass vereinzelt auch Todesfälle in den Reihen der deutschen Dschihadisten zu verzeichnen sind. Auf eine genaue Zahl will sich der Inlandsnachrichtendienst allerdings nicht festlegen.

Die dschihadistische Gruppe „Jabhat al-Nusrah“ vermeldete vor wenigen Tagen den Tod eines deutschen Kämpfers in ihren Reihen. „Abu Ahmad al-Almani“ sei während eines Gefechts nahe der Ortschaft Ost-Ghuta getötet worden, so die Rebellengruppe. Der gebürtige Libanese habe seit seiner Kindheit in Deutschland gelebt und verkehrte zunächst im kriminellen Milieu, bevor er Anhänger des fundamentalistischen Islams wurde und über die Türkei nach Syrien reiste.

„Abu Ahmad al-Almani“ fiel mir im vergangenen Jahr aufgrund seines Facebook-Profils auf. Der Islamist posierte mit Schusswaffen und Militärweste auf Fotos und glorifizierte die Dschihadisten unter den syrischen Rebellen. Jetzt scheint der in Beirut geborene „Abu Ahmad“ einer der vielen gefallenen Kämpfer der Jabhat al-Nusrah zu sein.

Eric, der Dschihadist aus Phoenix

von Florian Flade

In Syrien kämpfte monatelang ein Ex-US-Soldat auf Seiten der Rebellen. Jetzt wurde Eric Harroun aus Arizona festgenommen. In den USA droht ihm die Anklage wegen Terrorverdacht.

www.youtube.com 2013-3-29 11:53:35

Im Januar tauchte im Internet ein Video aus Syrien auf. Es zeigt einen hellhäutigen Mann mit schwarz-weißem Halstuch. Er trägt eine wüstenfarbene Flecktarn-Jacke und ist umringt von vier bärtigen Männern. „Deine Tage sind gezählt“, sagt der Mann in breitem amerikanischen Englisch in die Kamera, „Du solltest verschwinden, so lange du noch kannst. Du wirst auf jeden Fall sterben (…) wir werden dich finden und töten!“

Gerichtet ist die Botschaft an den syrischen Diktator Baschar al-Assad. Der Mann, der da in die Kamera spricht, heißt Eric Harroun. Er stammt aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona und war einst Soldat im US-Militär. Dann fand er wohl zum Islam und kämpfte auf der Seite syrischer Rebellen gegen das Assad-Regime.

Harroun ist der erste US-Amerikaner, der in Propagandavideos aus Syrien zu sehen ist. Und er scheute auch nicht den Kontakt zu Medien. Der US-Fernsehsender „Fox News“ und das „Foreign Policy Magazine“ führten vor einigen Wochen mehrere Interviews mit dem Dschihadisten per Skype. Darin dementierte Eric Harroun unter anderem Berichte der Assad-Propaganda, wonach er jüngst getötet worden sei. „Keine Angst, Baschar wird tot sein bevor ich es bin“, so Harroun.

Über seine eigene Biografie sprach der selbsternannte Dschihad-Kämpfer nur wenig und teils widersprüchlich mit den US-Journalisten. Harroun nannte sich selbst einen „sunnitischen Muslim“ und erzählte, sein Vater sei gebürtiger Libanese. Eine Lüge, wie Vater Darryl Harroun klarstellte. Er trinke auch gerne Bier, so Harroun, stelle Frauen nach.

Fest steht: Der 30-jährige Eric Harroun wuchs in Phoenix auf und trat im Jahr 2000 in das US-Militär ein. Drei Jahre diente er in der „568. Engineer Company“ in Fort Riley (Kansas). Nach Angaben seines Vaters wurde Eric im Mai 2003 aus dem Militärdienst entlassen, nachdem er sich schwer verletzt hatte. Er fuhr einen Pick-Up-Truck gegen einen Baum.

Mehrfach kam Harroun in den USA offenbar mit dem Gesetz in Konflikt. So saß er vor einigen Jahren eine Haftstrafe ab, weil er betrunken Auto gefahren war.

Im Freundeskreis sei der abenteuerlustige Ex-Soldat „Arizona Jones“ genannt worden, betone Erics Vater Darryl gegenüber US-Medien.. Die Familie sei nicht muslimisch, sein Sohn hege jedoch eine tiefe Faszination für den Nahen Osten.

Vor zwei Jahren machte sich der US-Amerikaner offenbar auf den Weg in die arabische Welt. Gegenüber US-Medien behauptet Harroun er sei im Jahr 2011 zwei Mal von Sicherheitskräften in Ägypten verhaftet worden. Zudem sei er viel durch den Libanon und die Türkei gereist.

Augenscheinlich gelang es dem Amerikaner sich bis nach Syrien durchzuschlagen und zunächst der Rebellengruppe „Freie Syrische Armee“ (FSA) anzuschließen. Er kämpfte wohl in der „Amr Ibn al-‚Aas Brigade“ rund um die syrische Rebellenhochburg Aleppo.

Gegenüber dem „Foreign Policy Magazine“ bestätigte Harroun jedoch auch, enge Freundschaften zu Dschihadisten der Al-Qaida-nahen Terrorgruppe „Jabhat al-Nusrah“ zu pflegen. Mit deren Chef Abu Muhammed al-Julani will sich Harroun nach eigenen Angaben im Januar zwei Mal getroffen haben. Über Gruppenzugehörigkeiten wollte Harroun in seinen Interviews nicht sprechen. Er bezeichnete sich selbst als „Freiheitskämpfer“.

„Vielleicht ist Gaza mein nächstes Ziel, vielleicht das Westjordanland, „schrieb Harroun auf seine Facebook-Seite, „Der einzig gute Zionist, ist ein toter Zionist.“

Vor einigen Wochen verließ der amerikanische Dschihad-Söldner das umkämpfte Syrien und setzte sich in die Türkei ab. Dort kam es wohl mehrfach zu Gesprächen zwischen Harroun und Mitarbeitern der US-Botschaft.

Am Mittwoch wurde Eric Harroun schließlich festgenommen und in die USA überstellt. Schon am gestrigen Donnerstag erschien der Ex-Soldat und Syrien-Kämpfer vor einem Untersuchungsrichter im US-Bundesstaat Virginia. Das FBI und die Staatsanwaltschaft werfen ihm vor, Mitglied der Terrorgruppe „Jabhat al-Nusrah“ zu sein und in Syrien eine terroristische Ausbildung erhalten zu haben.

Die USA hatten „Jabhat al-Nusrah“ vor kurzem offiziell als terroristische Organisation eingestuft. Sie sei eng mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida, insbesondere dessen Ableger im Irak verbunden. Ihr Ziel seien nicht nur Terroranschläge gegen das Assad-Regime sondern auch gegen Interessen der USA und ihrer Verbündeten.