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Der lange Arm des Iran in Deutschland

von Florian Flade

In Bulgarien tötete im Juli ein Selbstmordattentäter fünf Israelis. Der Iran und die libanesische Hisbollah gelten als Drahtzieher des Anschlages. Wäre ein solcher Anschlag in Deutschland denkbar?

Heute ziehen Sie wieder durch Berlin: Pro-Palästina-Gruppen, Antizionisten, Antisemiten, Freunde von Hisbollah, Hamas und Ahmadinedschad. Es ist „Al-Quds-Tag“, ein traditioneller Feiertag in der Islamischen Republik Iran und Festtag für alle Israelfeinde.

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Rohullah Khomeini rief 1979 erstmals Muslime weltweit auf, sich angesichts des Ramadan-Endes mit dem palästinensischen Volk zu solidarisieren. Seitdem finden alljährlich in vielen Ländern Anti-Israel-Demonstrationen statt.

In Deutschland gibt es seit den 80er-Jahren Protestmärsche am „Al-Quds-Tag“ (Jerusalem-Tag). In den 1990er Jahren war das Zentrum der Anti-Israel-Demonstration alljährlich die rheinische Metropole Bonn. Mittlerweile ist es Berlin. Bis zu 600 Menschen zogen im vergangenen Jahr durch die Hauptstadt. Dieses Jahr werden knapp 800 Demonstranten erwartet.

Eine treibende Kraft hinter dem deutschen „Al-Quds-Tag“ sind die Anhänger der libanesischen Miliz Hisbollah („Partei Gottes“). Die Organisation, die im Libanon politische Partei und militärische Guerilla-Truppe zugleich ist, gilt als der treueste Verbündete des iranischen Regimes im Ausland.

Hisbollah und die Mullahs vereint der Kampf gegen Israel. Teheran finanziert die Miliz und bewaffnet sie. Die „Partei Gottes“ setzt im Gegenzug die geopolitischen Interessen des Iran um und agiert als der verlängerte Arm der Mullahs im Nahen Osten. Und darüber hinaus.

Die radikalislamische Hisbollah schlug in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach im Auftrag Teherans zu. In Kooperation mit den iranischen „Revolutionsgarden“ und dem iranischen Geheimdienst verübten Hisbollah-Aktivisten Attentate auf jüdische und israelische Einrichtungen – unter anderem in Argentinien 1992 und 1994 sowie im Februar dieses Jahres in Indien und Georgien. Der letzte Hisbollah-Iran-Anschlag soll erst vor wenigen Wochen in Bulgarien stattgefunden haben. Davon ist vor allem Israel überzeugt.

Am Flughafen von Burgas sprengte sich am 18. Juli ein Selbstmordattentäter in einem Bus in die Luft, der eine Gruppe israelischer Touristen transportieren sollte. Fünf Israelis starben bei dem Attentat, über 30 weitere wurden verletzt. Der Attentäter konnte trotz internationaler Kooperation von Geheimdiensten bislang nicht identifiziert werden.

Israelische Politiker erklärten jedoch, es gebe konkrete Hinweise, dass eine Zelle der Hisbollah im Auftrag des iranischen Regimes für das Attentat von Burgas verantwortlich sei. Erst im Februar hatte es Mordanschläge auf israelische Diplomaten in Georgien und Indien gegeben.

Iranische und libanesische Terrorverdächtige wurden zudem seit Jahresbeginn in Thailand, Aserbaidschan und Zypern festgenommen. Sie sollen ebenfalls Attentate auf israelische Interessen geplant haben.

Wie aber sieht es in Deutschland aus? Besteht die Möglichkeit, dass der Iran und die libanesischen Söldner der Hisbollah das nächste Mal auch in Europa, möglicherweise sogar in Deutschland, zuschlagen?

Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten die Aktivitäten der Israel-Feinde intensiv und versuchen, die Gefahr einzuschätzen. Potentielle Ziele für Attentate durch iranische Agenten oder Hisbollah-Terroristen gibt es viele in Deutschland: die israelische Botschaft, jüdische Gemeindehäuser, Kulturzentren, Museen oder etwa israelische Touristengruppen in Berlin, Frankfurt oder München.

Fakt ist: Sowohl iranische Geheimdienste als auch die Hisbollah sind seit Jahren in Deutschland aktiv. Laut Verfassungsschutz wurden im vergangenen Jahr 950 Personen in Deutschland zu den Anhängern der Hisbollah gezählt. Damit ist die Zahl gegenüber 2010 (900 Anhänger) leicht gestiegen.

Die Unterstützer der libanesischen Miliz in der Bundesrepublik verhalten sich laut Verfassungsschutz bewusst unauffällig. „Die Hisbollah-Anhänger in Deutschland halten sich weiterhin mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen zurück, um nicht in den Fokus der Sicherheitsbehörden zu geraten“, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2011.

Organisiert seien die Anhänger in örtlichen Moscheevereinen insbesondere in iranischen und libanesischen Schiiten-Gemeinden. Junge Hisbollah-Sympathisanten seien zudem auch über das Internet und soziale Netzwerke aktiv. Deutsche Facebook-Gruppen mit Titeln wie „I Love Hisbollah“ oder „Hisbollah Libanon“ kommen auf mehrere Hundert Fans.

Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Hisbollah habe Europa in der Vergangenheit bewusst nicht als Schlachtfeld gegen israelische Interessen gesehen. Die Islamisten fürchten die Konsequenzen aus etwaigen Anschlägen gegen israelische oder jüdische Einrichtungen. Deutschland sei ein Rückzugsort für Hisbollah-Anhänger.

„Die Organisation sammelt hier fleißig Spenden, das soll aus ihrer Sicht auch so weitergehen“, sagte ein Staatsschützer der „Welt“. Attentate in Deutschland, das weiß die Führung der Miliz im Libanon, würden staatliche Repressionen nach sich ziehen. Damit wäre ein wichtiges Unterstützer-Netzwerk in Europa gefährdet.

Noch sammelt die Organisation in Deutschland ungehindert Spenden. Das übernimmt nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes der Göttinger Verein „Waisenkinderprojekt Libanon e.V.“ (WKP).

Über den WKP werden etwa Patenschaften für Waisenkinder im Libanon vermittelt, deren Eltern als „Märtyrer“ im Kampf gegen Israel fielen. Das gesammelte Geld, so sagen Geheimdienstler, fließe direkt in die Hisbollah-Infrastruktur im Libanon.

Die Hisbollah verfüge über keine operativen Zellen in Deutschland, heißt es aus Sicherheitskreisen. Konkret seien keine Anschlagspläne von deutschen Hisbollah-Anhängern bekannt. Allerdings sei es für die Gruppe auch unüblich, lokale Personen für Anschläge zu nutzen. Meist würden sogenannte „hit teams“ aus dem Ausland in das Zielland geschickt. Die Attentäter seien dem dortigen Geheimdienst dann nicht bekannt und können so leichter operieren – so wie vermutlich jüngst bei dem Anschlag in Bulgarien.

Auch das iranische Regime, der Ziehvater der libanesischen Schiiten-Miliz, habe derzeit wohl wenig Interesse, den Krieg gegen israelische Interessen nach Europa zu tragen, mutmaßt ein Vertreter der deutschen Sicherheitsbehörden. Seit dem „Mykonos-Attentat“ im September 1992 verhalte sich die iranische Geheimdienste in der Bundesrepublik ruhig und zurückhaltend.

Damals hatten iranische Geheimdienstagenten vier kurdische Exilpolitiker in einem Restaurant in Berlin-Wilmersdorf erschossen. Drei Libanesen und ein Iraner wurden vom Berliner Kammergericht zu Haftstrafen wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord verurteilt.

Der Kopf des Tötungskommandos, der Iraner Abdol Raham Bani Hashemi, konnte über die Türkei fliehen. Der Drahtzieher des „Mykonos“-Attentates, Kazem Darabi, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der gebürtige Iraner soll Mitglied des iranischen Geheimdienstes gewesen sein und führte die Berliner Filiale der Hisbollah. Nach 15 Jahren wurden Darabi im Dezember 2007 vorzeitig aus der Haft entlassen und in den Iran abgeschoben.

Zwanzig Jahre nach „Mykonos“ sind weiterhin iranische Geheimdienste in Deutschland aktiv. Federführend ist dabei nach Angaben des Verfassungsschutzes das „Ministerium für Nachrichten und Sicherheit“ (MIOS). „Die gegen Deutschland gerichteten nachrichtendienstlichen Aktivitäten des Iran gehen vorrangig vom MOIS aus“, heißt es im neuesten Verfassungsschutzbericht.

Eine Aufgabe des MOIS in Deutschland ist das Ausspähen der Exilopposition. Dabei geraten besonders die sogenannten „Volksmodjahedin“ in den Fokus der iranischen Agenten.

„Des Weiteren zeigt das MOIS ein intensives operatives Interesse an deutschen Zielobjekten, insbesondere in den Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik“, analysiert der Verfassungsschutz die Aktivitäten der Teheraner Spione.

Eine wichtige Funktion für die nachrichtendienstliche Aufklärung in Deutschland nimmt laut Verfassungsschutz auch die Vertretung des „Ministeriums für Nachrichten und Sicherheit“ in der Iranischen Botschaft in Berlin wahr.

Irans Geheimdienst werde sich in Zukunft weiter auf die Aktivitäten der Oppositionskräfte in Deutschland konzentrieren, heißt es aus Sicherheitskreisen. In Teheran gäbe es aktuell nicht den Willen, den Krieg gegen Israel auch in Deutschland zu führen.

U.S. Journalist Found Dead In Lebanon

by Florian Flade

UPDATE: Lebanese media is reporting today that U.S. journalist John Redwine died as a result of a hiking incident. The American allegedly fell of a rock while climing the mountains of Central Lebanon and suffered from a deadly injury to his head. His death meanwhile was confirmed by United Nation staff in the country.

Lebanese TV reports U.S. freelance journalist John Redwine went missing last Saturday on a hiking trip in Northern Lebanon. Mr.Redwine´s car was found in the Kesrouan region. Unconfirmed reports say the American journalist was found dead near the city of Baskinta. No word on wether Redwine was killed or died because of an accident or natural causes.

Lebanese soldiers were using two helicopters and trained sniffer dogs to search for the missing journalist. UN staff meanwhile told reporters John Redwine´s dead body has been found.

John Redwine, a U.S. citizen born in 1978 in Sioux City (Iowa), has been living in Beirut for several years, reporting about political events in the country and neighboring Syria. He is fluent in Arabic and traveled the region extensively. In April American TV channel „Fox News“ interviewed Mr.Redwine about the uprising in Syria. In 2006 he worked as an Arabic translator for ABC News during the Israel-Hizbollah War.

Redwine´s death comes admits rising tension in the intelligence community as Lebanese Hizbollah has exposed a CIA spy network allegedly operating in Lebanon.

Mysterious Murder in Lebanon

by Florian Flade

Jund al-Sham leader Ghandi al-Sahmarani

Palestinian refugee camps are the Lebanese equivalent of Pakistan´s Waziristan – lawless, autonomous areas ruled by various political and militant factions and their armed militias, breeding grounds for violent ideologies. Twelve of these camps exist since the 1960s, most of them harboring tens of thousands of Palestinians who fled Israeli military campaigns and settled in the Cedar Republic. Lebanon´s government does not regard the Palestinians as citizens, even though new generations have been born and raised in the camps on Lebanese soil. Lebanese security forces try everything they can to avoid going into the chaotic camps. Invading these areas has taken a high toll on the Lebanese army in the past.

The refugees themselves are still carrying the hope of one day returning to a Palestine State and therefore often copy the resistance and militant culture of the Palestinian territories. Fatah exists in these camps, recruiting young Palestinians in exile and indoctrinating them with a Palestinian nationalism and prior to his death also with the Arafat-cult. Although not that influential, Exile-Hamas and Palestinian Islamic Jihad were also established in the Palestinian camps, spreading a religious-driven jihadi form of resistance and martyrdom culture.

Much more dangerous than the well-known Palestinian factions who are competing to recruit the refugees for their cause are the smaller, much more radical groups gaining foothold in the camps of Nahr al-Bared, Ain al-Hilweh and others. Among them are Lebanese-born Salafi Jihadi groups such as „Esbat al-Nur“ and „Fatah al-Islam“ with an overall agenda of establishing a global Islamic State implementing Sharia not only in Palestine or Lebanon but across the Middle East. Influenced by al-Qaida and with a leadership of Jihadi veterans from the Iraq War, these groups are a major concern for the security of Lebanon.

One of the leaders of such a group was found dead yesterday in Ain al-Hilweh Refugee Camp near the Port City of Saida. Ghandi al-Sahmarani known as „Abu Ramiz al-Tababulsi“, was the leader of Jund al-Sham, a small Jihadi militant group fighting to create a Taliban-style state in the region of Sham (Greater Syria) – today´s Israel, Palestinian territories, Lebanon, Syria and Jordan. The group´s leadership basically copied al-Qaida´s list of enemies – America, Israel, Jews, Christians – and added native enemies, the Lebanese government and security forces as well as nationalistic Palestinians and the Shiite Hizbollah which Jund al-Sham declared being „heretics“ and enemies of the Sunni people.

Jund al-Sham leader Al-Sahmarani was found murdered in a garage in Ain al-Hilweh, handcuffed and blindfolded with signs of torture all over his dead body. The dead body was taken to Hamshari Hospital in nearby Sidon where doctor´s examined the militant leader was killed by a single shot through his mouth in the head. Investigators believe al-Sahmarani was murdered in a different area and then brought to Ain al-Hilweh a few hours before he was found.

Ghandi al-Sahmarani was born in Tripoli and joined Sunni militant groups in the North of Lebanon. After violent clashes in 1999 near the city of Dinniyah left 11 Lebanese soldiers and several fighters of the so-called Dinniyeh-Group dead, he fled to the refugee camp of Ain al-Hilweh (Population of 75,000) where the group established its headquarter. In 2004 Jund al-Sham was created under the leadership of former Abu Nidal-member Ahmed Abdul Rahman al-Sharqiyeh („Abu Youssef al-Sharqiyeh“) and immediately began a al-Qaida-inspired violent campaign to fight rival factions.

In July 2004 Jund al-Sham clashed with the Fatah militia in Ain al-Hilweh, leaving five people wounded. Back then Fatah military commander in southern Lebanon warned the Jihadi group: „We will chop off the hands of those who harm any Fatah member or civilian in the camp!“
Imad Yassin, the military head of Jund al-Sham, was a former member of Esbat al-Nur and merged his break-away faction into the new group, bringing in experience in sending Lebanese fighters to Iraq. By early 2005, Abu Youssef al-Sharqiyeh departed Jund al-Sham and the remaining group, consisting of only a few dozen members, was since then led by Ghandi al-Sahmarani (named „Al-Qaida leader of Lebanon“ by the media).

Since 2004 Jund al-Sham clashed numerous times with Palestinian militias loyal to Fatah. Shehade Jawhar, one commander of the group was killed fighting Fatah members in July 2008, other Jihadis died last week when groups were engaged in bloody battle.
Furthermore Jund al-Sham claimed responsibility for assassinations and targeted killings such as the murder of Hizbollah official Ghaleb Awwali in southern Beirut in 2004. Then leader of the group al-Sharqiyeh denied involvement and told news agencies: „“This statement is a fabrication. We have nothing to do with this operation… and the first party to benefit from it is the Mossad Israeli intelligence agency.“

As Jund al-Sham has never been a major player in the political stage of the Palestinian refugee camps, mystery remains why Ghandi al-Sahmarani was murdered now. Because of the group´s hostilities to the much more powerful and popular Fatah, the Jihadi leader was banned from entering Ain al-Hilweh since 2008. Taking the dead body to the camp can only mean he either entered the area without permission of local Fatah security forces and was captured and killed, or he was murdered outside of Ain al-Hilweh and the body positioned inside the camp as a warning to remaining Jund al-Sham sympathizers.

Highly unlikely is the possibility of a Hizbollah assassination. The Shiite movement was not seriously threatened by a small Jihadi faction like Jund al-Sham and therefore would not really care about the faith of the al-Qaida-inspired Palestinian militia.