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„Wir werden Helden“

von Florian Flade

Es ist der 7. April 2011, 23.14 Uhr, als in der Wohnung in der Düsseldorfer Witzelstraße die entscheidenden Sätze fallen. „Die Deutschen sind Eindringlinge. Wir sind Helden. Wir werden Vorbilder für andere.“ Das BKA hört mit, als der Marokkaner Abdeladim El-K. diese Worte ausspricht. Als wenig später die Rede davon ist, es „an einer Bushaltestelle zu machen“, greift die Staatsmacht zu. Am 29.April 2011 werden El-K. und seine Mitstreiter von GSG9-Polizisten festgenommen. Sie sollten für al-Qaida in Deutschland morden.

An diesem Mittwoch beginnt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen die sogenannte „Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle“. Ihnen wird vorgeworfen, Terroranschläge mit Splitterbomben in deutschen Großstädten vorbereitet zu haben. Stolze 280 Aktenordner füllen die Ermittlungsergebnisse der Bundesanwaltschaft zu El-K. und den anderen.

Dokumente von BKA und Justiz, die vorliegen, machen deutlich: Selten entkam Deutschland einem Terroranschlag so knapp wie im Fall der Düsseldorfer Zelle. Noch nie hatten Islamisten in Deutschland direkt einen Anschlagsbefehl von der Al-Qaida-Führung in Pakistan erhalten. Und nur durch Zufall stießen die Sicherheitsbehörden auf die tödlichen Pläne des Quartetts.

Begonnen hatte die Jagd auf die Zelle im Herbst 2010. In der Bundesrepublik herrschte damals Terrorangst. Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte die Bevölkerung vor möglichen Anschlägen islamistischer Fanatiker. Ein Anrufer aus dem fernen Pakistan hatte die Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt.

Eine Terrorzelle der al-Qaida befinde sich bereits in Deutschland und plane Bombenanschläge, hatte der deutsche Islamist Emrah E. per Telefon gewarnt. Beim BKA und Verfassungsschutz liefen seitdem die Datenbanken heiß. Wer könnten die Terroristen sein? Sind die möglichen Attentäter vielleicht schon auf dem Radar der Sicherheitsbehörden?

Die Profile von hunderten gewaltbereiten Islamisten wurden analysiert. Am Ende blieb ein Mann im Raster hängen – der damals 30-jährige Marokkaner Abdeladim El-K.. Vieles passte: El-K. hatte ein Ausbildungslager von al-Qaida in Pakistan besucht. Jetzt war er zurück in Deutschland. War er ein islamistischer Schläfer?

Um das herauszufinden, heftete sich das BKA ab Ende November 2010 mit der „BAO Komet“ an seine Fersen und begann mit der Observation. In der von El-K. genutzten Wohnung wurden Wanzen installiert, Telefone wurden abgehört, E-Mails abgefangen. Der Islamist wurde fortan rund um die Uhr überwacht. Dabei stellten die Fahnder schnell fest: El-K. verhielt sich auffällig unauffällig.

Nur äußerst selten verließ er die Wohnung. Meist um in einem „Callshop“ im Internet zu surfen. Das tat er ungewöhnlich oft. „Callshop Hopping“, tauften die Fahnder das Verhalten heißt es in einem BKA-Protokoll. Daheim nutzte El-K. lediglich einen Computer ohne Internetanschluss. Um sein Aussehen zu verändern, wollte sich der Marokkaner zunächst die Haare färben. Dies ging schief, die Haare wurden rot. Schließlich rasierte er sie sich raspelkurz. Verließ El-K. die Wohnung, dann trug er meist ein Basecap oder gar eine Perücke.“Brad Pitt“, nannten ihn die Fahnder deshalb scherzhaft.

Hatten die Sicherheitsbehörden den richtigen aufgespürt? Einen Al-Qaida-Terroristen, der fieberhaft versuchte unsichtbar zu bleiben und auf seinen Einsatzbefehl wartete?

Abdeladim El-K. war 2001 nach Deutschland gekommen. Nach einigen Sprachkursen hatte er 2004 ein Studium der Mechatronik in Krefeld begonnen, wechselte dann 2006 an die Universität Bochum. Wohl noch zu Studienzeiten wurde El-K. zunehmend religiös. Er trug muslimische Kleidung, ließ sich einen Bart wachsen, ging immer seltener zur Uni. Im August 2009 exmatrikulierte ihn die Universität.

Drei Monate später verschwand El-K. aus Deutschland. Über den Iran setzt er sich nach Pakistan ab, um eine Terrorausbildung zu erhalten. In der Grenzregion zu Afghanistan, im Stammesgebiet Wasiristan, wurde aus dem Bochumer Studenten Abdeladim El-K. der Al-Qaida-Lehrling „Abu al-Baraa“. Deutsche Ermittler sind sich sicher, dass El-K. in Wasiristan das Bombenhandwerk gelernt hat und ranghohe Al-Qaida-Führer traf. Von ihnen, so glaubt die Staatsanwaltschaft, erhielt er einen Auftrag: in Deutschland eine Terrorzelle zu gründen und Anschläge zu planen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Mai 2010 hielt sich El-K. konsequent an die Befehle der Al-Qaida-Führung in Pakistan. Er tat alles, so sagen Ermittler heute, um seine Anwesenheit in der Bundesrepublik zu verheimlichen. Da seine Aufenthaltserlaubnis ablief, setzte sich El-K. kurzzeitig nach Marokko ab, wo ihn der örtliche Geheimdienst auf Schritt und Tritt überwachte. Für seine Rückkehr nach Deutschland Ende 2010 besorgte er sich über einen Freund in Belgien gefälschte französische Pässe.

Anstatt eine eigene Wohnung anzumieten, zog El-K. in die seines Freundes Jamil S. im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Der damals 29-jährige Waziristan-Rückkehrer El-K. rekrutierte den 30-jährigen Elektriker und machte Jamil S. somit zum zweiten Mitglied der „Düsseldorfer Zelle“. Zwei weitere Bekannte stießen bald hinzu: Der Bochumer Student Halil S. und der Abiturient Amid C., den El-K. fast schon väterlich „Sohn“, nannte.

Amid C., ein vom Boxsport begeisterter Deutsch-Iraner, lebte noch bei seinen Eltern als El-K. ihn ansprach, ob er nicht ein Mudschahid, ein Gotteskrieger werden wolle. Beide kannten sich wohl von gemeinsamen Moschee-Besuchen. Zwei Jahre vor Gründung der „Düsseldorfer Zelle“, hatte C. eigenständig versucht in den Dschihad zu ziehen. Am 23.November 2009 reiste der damals 18-jährige über Istanbul ins iranische Mashad. Die Stadt im Osten des Iran ist ein beliebter Sammelpunkt für Dschihad-Reisende. In Deutschland fehlte Amid C. unentschuldigt in der Schule. Seine Eltern unterrichtete er erst, nachdem die Weiterreise nach Pakistan offenbar scheiterte. Abdeladim el-K. sollte nun Amids Wunsch nach dem Dschihad gegen die Ungläubigen erfüllen – mitten in Deutschland.

Als Kopf der Zelle hielt El-K. offenbar per Internet Kontakt zur Al-Qaida-Führung in Pakistan und prahlte mit den Ergebnissen der Anschlagsplanung. Darauf lassen arabische Dokumente schließen, die Ermittler später auf USB-Sticks sicherstellten. „Oh unser Sheikh, wir halten noch unser Versprechen, entweder Sieg oder Märtyrertum“, heißt es darin.

„Ich trainiere einige Jugendliche aus Europa, die bislang in Sachen Sicherheit sauber sind. Nach dem Ende des Trainings werde ich mit Hilfe Allahs mit dem Schlachten der Hunde anfangen.“ Wenn möglich, solle ihm der Sheikh noch ein Dokument schicken, einen „Lehrgang über Gifte“, so schrieb El-K dem Al-Qaida-Mann am 14.April 2011 um 20:53 Uhr. „Und bete für deinen Bruder im Land der Versuchungen, dass er standhaft bleibt und ein gutes Ende bekommt.“

Der Sheikh, dem El-K. wohl über ein passwortgeschütztes Islamisten-Forum verschlüsselte Nachrichten schickte, war der Libyer Jamal Ibrahim al-Misrati, besser bekannt als „Sheikh Atiyyatullah“. Er galt als ranghöchster Al-Qaida-Mann in Waziristan und war Osama bin Ladens direkter Stellvertreter in den Terrorcamps. Inzwischen ist der Sheikh tot, gestorben bei einem US-Drohnenangriff im August 2011.

Während das BKA die Al-Qaida-Zelle in der Witzelstraße weiter überwachte, setzten El-K. und seine Mitstreiter die Anschlagsvorbereitungen unbeirrt fort. Sie drehten den Fernseher laut, in der Hoffnung, mögliche Überwacher könnten so nicht mithören, was sie besprachen. Ein Irrtum. Die Fahnder hatten längst Personal und Technik vor Ort, um die heiße Phase der Vorbereitungen der Zelle Ende April 2011 zu überwachen.

Sie wussten, dass die die Islamisten im Supermarkt große Mengen Grillanzünder („weiße Kohle“) kauften. Abdeladim El-K. hatte bei al-Qaida in Pakistan gelernt, dass sich daraus durch Erhitzen die Chemikalie Hexamin gewinnen lässt – ein wichtiger Bestandteil des Bombenzünders. „Dann hast du den Zünder für eine Bombe“, erklärte El-K. seinem Freund Jamil S. am 26. April 2011. „Zünder ist das wichtigste, Bombe ist einfach.“

So einfach wie al-Qaida es in den Bombenbauanleitungen beschreibt, war es dann aber doch nicht. Deutsche Grillanzünder enthalten anstatt Hexamin nur das untaugliche Paraffin. Doch das wusste die „Düsseldorfer Zelle“ augenscheinlich nicht. Selbstbewusst sprachen sie von einem „Test“, der durchgeführt werden sollte.

Ein Test mit explosiven Chemikalien in einem Mehrfamilienhaus? Das Risiko erschien den Fahndern zu groß, sie entschieden zuzugreifen. Polizisten der Eliteeinheit GSG9 stürmten am 29. April 2011 die Wohnung in der Düsseldorf und weitere Objekte in Bochum und nahmen Abdeladim El-K., Jamil S. und Amid C. fest.

Neben dem Schlafsofa in Jamil S. Wohnung fanden die Ermittler einen Laptop, zwei USB-Sticks und eine SD-Speicherkarte mit zahlreichen Dokumenten. Darauf entdeckte das BKA unter anderem eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Herstellung von Sprengstoffen sowie gespeicherte Nachrichten an Sheikh Atiyyatullah.

In Amid C.s Wohnung stießen die Polizisten bei der Durchsuchung auf einen handschriftlichen Zettel. „Pässe falsch“, „Tarnungsmöglichktn“, „Geld beschaffn“ stand darauf.

Das vierte Mitglied der Al-Qaida-Zelle, der gebürtige Gelsenkirchener Halil S., konnte nach dem Auffliegen des Terrorplans noch monatelang untertauchen. Für die Ermittler war der Bochumer Maschinenbau-Student ein unbekannter. Erstmals war er am 16.April 2011 zusammen mit Amid C. im konspirativen Treffpunkt der Zelle, der Wohnung von Jamil S., aufgetaucht. Im Verhör erzählte Amid C. später, dass er Halil S. seit 2008 kenne. Beide seien Mitglieder einer salafistischen Studentenbewegung gewesen.

Abdeladim El-K. hatte für den 16.April 2011 den Besuch seines „Sohnes“ (gemeint war Amid C.) und eines „Freundes“ angekündigt. Die BKA-Fahnder filmten, wie ein Mann mit rotem Pullover die Wohnung in der Witzelstraße betrat. Im Verlauf des Tages begleitete der Besucher El-K. bei einem Spaziergang. El-K. trug dabei eine Perücke. Anschließend drehten die Islamisten in ihrer Wohnung den Fernseher laut, damit Nachbarn die Gespräche nicht mithören konnten. Wer war der Unbekannte?

Das BKA vermutete, dass El-K.s Besuch an jenem Tag zum möglichen Unterstützerkreis der Zelle gehörte. Sie fanden später heraus, dass Halil S. dem Marokkaner an jenem Tag eine Liste mit 45 Namen, Bankverbindungen, Anschriften und in zwei Fällen auch Kreditkarten-Daten übergab – hilfreich für ein Leben im Untergrund. S. hatte die Daten über seinen damaligen Arbeitgeber, einen Vermittler von Mobilfunkverträgen, bezogen.

Als die Düsseldorfer Zelle aufflog, entdeckten die Ermittler den Brief von El-K. an Al-Qaida-Kommandeur Atiyyatullah. Darin hatte El-K. erklärt, im Falle einer Festnahme wolle er „Brüder hinterlassen, die die Arbeit fortführen“.
Halil S. war einer dieser Brüder.

Er kaufte nur zwei Tage nach den Festnahmen in Düsseldorf und Bochum einen „Spy Wecker“ mit Kamera, der die Wohnung filmte und vor möglichen Eindringlingen warnte. Unter falschen Identitäten mietete er sich in einem Bochumer Studentenwohnheim ein, eröffnete Bankkonten,  besorgte sich zudem Computer und legte Ebay-Accounts an. Der 27-jährige S. wollte das Werk seiner Glaubensbrüder offenbar zu Ende bringen. Konspirativ strickte er einen Plan, an Geld zu kommen um mögliche Anschläge zu finanzieren.

Zu diesem Zweck knüpfte er Kontakte ins kriminelle Milieu von Schleswig-Holstein. Ohne zu wissen, dass sie es mit einem überzeugten Islamisten zu tun hatten, unterstützten einige junge Männer aus Norddeutschland Halil S. bei diversen Internet-Betrügereien. Gegen Vorkasse bot er bei Ebay teure Spiegelreflexkameras an, die er nicht besaß. Bis zu 5200 Euro soll er so ergaunert haben. Einem Freund gab Halil S. anschließend mehrere tausend Euro mit der Bitte, in Hamburg eine Waffe zu kaufen.

Für das BKA war Halil S. nur schwer greifbar. Der Student, der unter falscher Identität in einem Bochumer Wohnheim lebte, nutzte allerlei Verschlüsselungstechnik für seinen Computer. Das Gerät zu infiltrieren war für die Fahnder eine Sisyphos-Arbeit. 

So bekamen die Terrorjäger nur allmählich mit, dass Halil S. nach der Festnahme von El-K. und den anderen, Rat von höchster Terrorstelle gesucht hatte, was nun zu tun sei. Halil S. alias „Abdullah“ schrieb E-Mails an den jemenitischen Al-Qaida-Prediger Anwar al-Awlaki. Er schwärmte von Maschinengewehren und von Bombenanschlägen in Europa. Das nötige Geld, so erzählte der Islamist dem Jemeniten, bekäme er indem er die „kuffar“ betrüge.

Am 8. Dezember 2011 um 12:05 Uhr griff das BKA im Fall „Abdullah“ zu. Der letzte Mann der Düsseldorfer Zelle wurde in seiner Bude im Bochumer Studentenwohnheim festgenommen, gerade als er sich auf seinem Computer eingeloggt hatte. 

Ab Mittwoch müssen sich nun Abdeladim El-K. und seine Jünger vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Mitgliedschaft und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und wegen der Anschlagsvorbereitung verantworten. Ihr Traum vom Märtyrertum wurde nicht wahr. Der jüngste Angeklagte, der Deutsch-Iraner Amid C., scheint allerdings noch Hoffnung zu haben, ein Leben nach der Haft beginnen zu können. In der Untersuchungshaft machte er seine schriftlichen Abitur-Prüfungen – mit Erfolg. Agrarwissenschaften an der Universität Bochum wolle er studieren, sagte Amid C. den Ermittlern, ein geregeltes Leben führen.

Das Leiden des Mohammed Hajib

by Florian Flade

In Marokko sitzt seit einem Jahr ein deutscher Staatsbürger in Folter-Haft. Mohammed Hajib soll ein islamistischer Terrorist sein. Er selbst behauptet, die deutsche Regierung halte Dokumente zurück, die seine Unschuld beweisen würden. Ein Justizskandal oder die Hilferufe eines Dschihadisten?

Quelle: Youtube

Mohammed Hajib – seit einem Jahr in Marokko in Haft

Es sind verwackelte, unscharfe Aufnahmen aus einem marokkanischen Gefängnishof. Ein Mann blickt nervös in die Kamera. „Ich bin der Mohammed Hajib, deutscher Staatsangehöriger marokkanischer Herkunft“, sagt der Mann in fast perfektem Deutsch, „wir stehen hier auf dem Gefängnishof in Salé und protestieren.“ Er droht sich zu verbrennen: „Der deutsche Botschafter in Marokko ist verantwortlich für meinen Tod!“

Wer ist dieser Mann, der seit Wochen aus einem marokkanischen Gefängnis mit dem Handy aufgenommene Videobotschaften verschickt und die deutsche Diplomatie um Hilfe anfleht? Haben deutsche Behörden einen deutschen Staatsbürger der Folter in Marokko ausgesetzt? Oder fleht hier ein mutmaßlicher Dschihad-Sympathisant um Hilfe? Ich habe die Geschichte des Deutsch-Marokkaners Mohammed Hajib recherchiert, mit Menschenrechtsorganisationen und deutschen Behörden gesprochen.

Im Jahr 2000 kam Mohammad Hajib, geboren im Mai 1981 im marokkanischen Tetouane, nach Deutschland. Zwei Jahre später machte er das Abitur und begann anschließend ein Studium der Wirtschaft und Energie an der Universität Duisburg. Auf dem Campus lernte Hajib auch seine heutige Ehefrau, eine gebürtige Irin kennen, die heute in Marokko bei Hajibs Eltern lebt. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder im Alter von 17 Monaten bis fünf Jahren.

Erst im Sommer 2009 beginnt die eigentliche Leidensgeschichte des Deutsch-Marokkaners. Damals reiste Hajib nach Pakistan. Nach eigener Aussage ist er ein Anhänger der islamischen Missionarsbewegung „Tabligh-i Jamaat“ und wollte im pakistanischen Lahore einen Kongress der Organisation besuchen.

Laut Verfassungsschutz handelt es sich bei „Tabligh-i Jamaat“ (Gemeinschaft der Verkündung und Mission) um eine islamistische Massenbewegung, die missioniert mit dem Ziel Muslime für eine „strikt an islamischen Vorschriften orientierte Lebensweise zu gewinnen“. In Deutschland verfügt „Tabligh-i Jamaat“ über etwa 700 Mitglieder. Weltweit finden regelmäßig Konferenzen und Zusammenkünfte der Gruppe statt.

Vor seiner Einreise nach Pakistan habe er sich im Auftrag von „Tabligh-i Jamaat“ anderthalb Monate in der Türkei und anschließend in Iran aufgehalten, berichtet Hajib. Einem Reiseveranstalter in einer iranischen-pakistanischen Grenzstadt gab er seinen Pass, zwei Fotos und fünfzig US-Dollar. Anschließend sei er als Teil einer Reisegruppe über die Grenze nach Pakistan gebracht worden – offenbar ohne die nötigen Einreisedokumente.

In Pakistan erkrankte Hajib angeblich an einer Infektion durch verunreinigtes Wasser. Er musste in der Stadt Quetta fünf Tage ins Krankenhaus und verlor dadurch den Anschluss an seine Reisegruppe. Nur wenig später meldete er sich per Telefon bei seiner Mutter in Marokko. Sie berichtete ihm, sein Sohn sei schwer erkrankt. Hajib beschloss daraufhin seine Pakistan-Reise zu beenden.

Per Bus machte er sich auf den Weg zurück in Iran. An der Grenze kontrollierten pakistanische Sicherheitskräfte die Reisegruppe. Die Grenzsoldaten überprüften seinen Pass, und stellten fest, dass er Ausländer ist. Es folgte eine mehrmonatige Haft, ohne dass Hajib je der Grund genug wurde, weshalb man ihn festhielt.

Fünf Tage nach seiner Festnahme sei er mit weiteren Häftlingen per Hubschrauber nach Quetta gebracht worden. Als die pakistanischen Polizisten erfuhren, dass er ein „Tabligh-i Jamaat“- Mitglied war, so erzählt Hajib, seien plötzlich sehr freundlich geworden. Auf die Frage, wann er freigelassen werde, hieß es, das deutsche Konsulat müsse zuerst über seinen Fall informiert werden.

Erst am 5.November 2009, vier Monate nach seiner Verhaftung, sei ein Vertreter der deutschen Botschaft zu ihm gekommen, berichtet Mohammed Hajib. Er wollte wissen was den Deutsch-Marokkaner nach Pakistan verschlagen hatte. „Sind sie einverstanden dass Deutschland die Verantwortung für ihren Fall übernimmt?“, fragte der Botschafts-Mitarbeiter. Hajib willigte ein. In zwei Wochen sei er vermutlich wieder in Deutschland, versprach der Beamte anschließend.

Während seiner Zeit in pakistanischer Haft habe er nicht telefonieren dürfen, nie sei ihm ein Haftgrund genannt worden, so Hajib. Und auch nach zwei Wochen meldeten sich die deutschen Behörden immer noch nicht. Ein Mithäftling habe ihm gesagt, die pakistanische Regierung übernehme nur drei Monate die Verantwortung für ausländische Häftlinge. „Ich war psychisch am Ende“, sagt Hajib über die Zeit.

Am 01.Januar 2010 bekam Mohammed Hajib schließlich Besuch von einem hochrangigen deutschen Beamten. „Er war sehr unfreundlich“, erinnert sich Hajib, „er hat gesagt: Sie sind in einer schlimmen Lage. Machen Sie genau was ich sage.“ Wieder vergingen Wochen, ohne dass sich das deutsche Konsulat bei Hajib meldete.

Im Februar schließlich ließen ihn die pakistanischen Behörden frei. „Sie sind frei, es gibt keinen Terrorismus-Vorwurf“, sollen die Pakistaner gesagt haben. Lediglich für die illegale Einreise habe man ihn festgehalten, diese Straftat sei aber durch die Haftzeit kompensiert und er dürfe nun gehen.

„Froh und glücklich“ war er, so Hajib, als er am 17.Februar 2010 von Islamabad nach Frankfurt flog – offenbar als freier Mann. Am Flughafen in Deutschland wurde er bereits erwartete. Eine Frau und ein Deutsch-Tunesier, der sich als „Ramzi“ vorstellte, kamen auf ihn zu. Sie hätten sich als Polizisten vorgestellt, behauptet Hajib. „Ramzi“ sei vom deutschen Konsulat in Pakistan informiert worden, dass ein „gefährlicher Mann nach Deutschland kommt“.

„Wohin wollen Sie jetzt?“, fragte der ominöse Polizist. Mohammed Hajib sagte, er wolle nach Marokko, zu seiner Familie. Zuerst aber müsse er nach Duisburg um einige private Sachen abzuholen. „Warum fliegen Sie nicht jetzt gleich nach Marokko?“, fragte „Ramzi“ dann angeblich. Die Last-Minute Tickets nach Marokko seien günstig, und er könne noch innerhalb der nächsten Stunden fliegen.

Hajib wurde misstrauisch. Die beiden angeblichen Polizisten telefonierten häufig, ohne dass er mitbekam worum es in den Gesprächen ging. Als er einwilligte sofort ein Ticket für einen Flug nach Marokko zu kaufen, seien die beiden äußerst zufrieden gewesen, so Hajib: „Sie wussten ganz genau was mich erwartete.“

Fast sieben Stunden verbrachten „Ramzi“ und seine Kollegin mit Hajib. Sie gingen essen und wurden dabei von vier Flughafen-Polizisten angesprochen. Ramzi habe plötzlich Arabisch mit ihm gesprochen, erinnert sich Hajib. „Sprich nicht mit denen“, soll Ramzi gesagt haben. Hajib vertraute ihm, sagte kein Wort. Als er mit seiner Mutter telefonierte, habe Ramzi mitgehört und sich auch die Telefonnummer notiert. Später habe die Mutter Anrufe aus Deutschland erhalten.

Von Seiten des Auswärtigen Amtes heißt es, Hajib sei am 17.Februar 2010 aus Pakistan nach Deutschland ausgewiesen worden und “ reiste direkt nach Ankunft in Deutschland aus“. Kein Wort von einer Abschiebung oder dass Polizeibeamte Hajib gedrängt hätten in das Flugzeug nach Marokko zu steigen.

Um 02:00 Uhr nachts, am 18.Februar 2010, kam Mohammed Hajib in Cassablanca an, bereit zu seiner Familie zu fahren. Vor dem Flugzeug, so erzählt der Deutsch-Marokkaner, warteten fünf Beamte des marokkanischen Geheimdienstes. „Sie haben mich entführt“, so Hajib, „Deutschland hat Marokko mitgeteilt mich zu verhaften. Ich war geschockt.“ Gegen 07:00 Uhr morgens sei die wartende Familie informiert worden, dass man ihn verhaftet habe.

Auf der Polizeistation sei er gequält worden, sagt Hajib. Der Polizeichef sei betrunken gewesen und habe ihn gezwungen gefälschte Aussagen zu unterschreiben.

Nach zwei oder drei Wochen in marokkanischer Haft seien deutsche Beamte zu ihm gekommen. „Ich lebe seit neun Jahren in Deutschland. Ich war nie kriminell, habe nie gegen Gesetze verstoßen. Was habe ich falsch gemacht?“, fragte Hajib die Männer. Einer der Beamten erklärte, er sei mit einer Marokkanerin verheiratet. Er könne nichts für ihn tun, weil er gerne weiter ohne Probleme nach Marokko reisen würde. Nur wenn Folter vorliege, könne man direkt eingreifen. „Ich wurde geschlagen!“, entgegnete Hajib. Kurze Zeit später begann er einen Hungerstreik. Er habe „keine Lust mehr gehabt zu leben“.

Am 24.Juni 2010, verurteilte ein marokkanisches Gericht den deutschen Staatsbürger Mohammed Hajib zu zehn Jahren Haft wegen Terrorismus-Verdacht. Er soll gegen die USA und die pakistanische Armee gekämpft haben. Was Mohammed Hajib in seinen Youtube-Videos nicht anspricht: Laut Gericht soll er eine Kalaschnikow bei sich gehabt haben, als ihn die pakistanischen Grenzsoldaten kontrollierten. Sein Anwalt erklärte, Hajib habe die Waffe zum Selbstschutz mit sich geführt.

Nach dem Urteil brach Hajib zusammen und kam für zwei Wochen in ein Krankenhaus. Sein Anwalt habe drei Mal den deutschen Konsul gebeten, das pakistanische Dokument bereitzustellen, in dem die pakistanischen Behörden die Unschuld Hajibs angeblich bestätigten. „Warum versteckt Deutschland diesen Beweis?“, fragt Hajib immer wieder in den Videos aus dem Gefängnis, „Ich bin ein deutscher Bürger. Warum hast du (Deutschland) mich verlassen? Warum musste ich leiden?“

Auf Nachfrage erklärte das Auswärtige Amt: „Dem Auswärtigen Amt liegt ein solches Dokument nicht vor.“ Deutsche Behörden hätten Hajib seit Kenntnis seiner Inhaftierung in Pakistan im November 2010 konsularisch betreut, heißt es weiter. Seit Februar 2010 sei das deutsche Konsultat in Rabat mit der Betreuung beauftragt.

Mitte Mai 2011 starteten die Häftlinge im Salé-Gefängnis eine Revolte gegen. Ein Protest gegen Folter sei der Aufstand gewesen, so heißt es von Seiten von „Amnesty International“. Sieben der Aufwiegler seien anschließend in das „Toulal“ Gefängnis bei Meknes gebracht worden – darunter auch Mohammed Hajib. In dem berüchtigten Folter-Knast habe ihn sein Anwalt, ein Freund der Familie besucht. Dieser habe Folterspuren an Händen und Beinen gesehen. In marokkanischen Zeitungen wurde sogar eine deutsche Diplomatin zitiert, die angeblich ebenfalls die Foltermale an Hajibs Körper sah. Als Amnesty International nachfragte, erklärte die Beamtin jedoch sie sei falsch zitiert worden.

Ein Amnesty International Bericht vom 17.Juni über die Folter in marokkanischen Gefängnissen, erwähnt explizit den Fall von Mohammed Hajib. Marokkos Behörden seien dringend aufgefordert Untersuchungen zur möglichen Folter Hajibs einzuleiten, heißt es von Seiten der Menschenrechtsorganisation. Hajib werde vermutlich bestraft, weil er ein Ende von Misshandlung und Folter in den Gefängnissen forderte, mutmaßt Amnesty International.

Am 28.Mai 2011 wurde Hajib schließlich nach Salé zurück gebracht, wo er sich bis heute befindet. In dem Gefängnis sitzen aktuell mindestens 200 sogenannte „Islamisten-Häftlinge“, Terrorverdächtige, die das Regime in den vergangenen Jahren verhaften ließ. Amnesty International hat keinen Zugang zu der Haftanstalt, weshalb über die Menschenrechtslage relativ wenig über die Haftbedingungen bekannt ist. „Wir wissen im Detail nicht was dort passiert“, so eine Amnesty International-Sprecherin.

Der einzige Draht der Hälftinge zur Außenwelt sind die Mobiltelefone, mit denen auch Mohammed Hajib seine Videobotschaften aufzeichnet und aussendet. Die Handys würden den Insassen von korrupten Beamten zuerst abgenommen und später häufig zurück verkauft, berichten Menschenrechtler die in Marokko arbeiten. Noch im vergangenen Jahr konnten sie direkt mit den Hälftlingen in Salé telefonieren.

In Deutschland hat der Fall des angeblichen Terrorhäftlings zunächst inder muslimischen Gemeinde für Aufmerksamkeit gesorgt. Die salafistische Szene um den Prediger Pierre Vogel hat sich des Falls des deutschen Staatsbürgers im marokkanischen Gefängnis angenommen. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um dafür zu sorgen, dass unser Bruder aus der Haft kommt“, erklärt Vogel in einer Youtube-Botschaft. In anderen Videos bekunden Muslime ihre Solidarität mit Hajib.

Auch Hajibs Familie hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. „Mein Papa ist im Gefängnis weil er ein Muslim ist“, sagt einer von Hajibs Söhnen in einem Video, und auch die Mutter des Häftlings fordert die Freilassung ihres Sohnes. Wie „Welt Online“ erfuhr, war Mohammed Hajibs Vater ebenfalls in Marokko in Haft. Er gehört zu jenen Personen, die während der Herrschaft von König Hassan II. in den Gefängnissen verschwanden. Ein Jahr, drei Monate und drei Tage war Vater Hajib „verschwunden“.

German Terror Tourists – Two Jihadis From Germany Arrested in AfPak

by Florian Flade

UPDATE: According to German newspaper DER SPIEGEL, the arrested Moroccan terror suspect is 30-year-old named Mohammed A. who had lived in Berlin before he left the country in 2010 after his permission of residence expired. A. and another Islamist from Berlin traveled to Pakistan via Turkey. In Turkey, Mohammed A. was arrested but later released. US military officials, DER SPIEGEL writes, claim that A. was planning a suicide bombing on a government compound in the Zabul Province of Afghanistan. He is now being held at Bagram Airbase Prison.

On May 8 US troops started a nighttime military operation in the village of Ghazi Kali in the Qalat district of Zabul Province in southern Afghanistan. Their target was a local Taliban facilitator. The operation resulted in the killing of ten suspected insurgents and the capture of several individuals believed to be al-Qaida associated Jihadi militants. Most of those killed and captures were Non-Afghans, among them Saudi, Turkish, Pakistani and French nationals.

One of those arrested during the raid is a Moroccan man who is now in US military custody. ISAF said in a statement the person is an al-Qaida recruit who was based in Germany before coming to Afghanistan. He is described as a „foreign fighter facilitator“.

According to ISAF the interrogation of the Moroccan resulted in valuable intelligence about al-Qaida´s activities in Afghanistan and Pakistan. „After his capture the facilitator provided details about his personal travel from Germany (…) He also observed foreigners from many countries converging in Pakistan to conduct attacks against coalition forces in Afghanistan“, the ISAF statement reads.

„Additional information provided by the facilitator on the mechanics of getting foreign fighters to Afghanistan will serve to support targeting the network of facilitators who bring global terrorism to bear on coalition forces and civilians in Afghanistan“

Like foreign Jihadi militants the unnamed Moroccan traveled from Europe to Iran and then to Pakistan were he was trained in a terrorist training camp. „During a delay in his travels in Iran, the facilitator stated he was approached to become a suicide bomber,“ ISAF claims, „However, he declined because of his goal to take part in the Global Jihad.“

German officials would not comment on the arrest of the suspected German-based Jihadi. The German Foreign Ministry told me they are aware of this report but cannot provide any further information or even confirm that US Military officials have contacted their German counterparts in that case.

Some information has surfaced though about the person. Allegedly he is not a German citizen but he lived in German for some years. The man´s permit of residence expired a while ago. Allegedly he left Germany a while ago and traveled to Pakistani Waziristan where he joined al-Qaida.

Another case of a suspected German Jihadi terrorist surfaced last weekend. Pakistani security forces arrested the German citizen Michael W. in April who is accused of being a member of a terrorist organization. W. was a resident of Bonn before he traveled to Pakistani terror camps last year. The convert was allegedly a friend of German al-Qaida spokesman Bekkay Harrach (who was killed in 2010 during an attack on Bagram Airbase in Afghanistan). Both had attended so-called „Islam Seminaries“ in Germany, some of which Harrach had organized.

A spokesman for Germany´s Foreign Ministry confirmed in a phone call that a German national is in Pakistani custody and is being looked after by German Embassy staff in Islamabad. One of the German officials working at the Embassy has already visited W. who is expected to be extradited to Germany soon. No arrest warrant had been issued against Michael W. before he was arrested by Pakistani authorities.