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Taliban im Kinderzimmer

von Florian Flade

Der radikale Islam wächst in Deutschland schneller denn je. Junge Menschen, Migranten und Deutsche, werden zu Anhängern einer hasserfüllten Gewalt-Ideologie. Die Politik tut sich bislang schwer bei der Prävention.

Andi-Comic aus NRW – Auf dem Schulhof vor dem Salafismus warnen. Effektiv oder Alibi?

Es ist der 16. Oktober, 07:30 Uhr, als Hilal Bulut die elterliche Wohnung in Ratingen bei Düsseldorf verlässt. Die 16-jährige Türkin hat an diesem Morgen einen Arzttermin. Sie trägt eine lange schwarze Jacke, ein braunes Kopftuch und braune Turnschuhe (Chucks). Es ist das letzte Mal, dass Hilals Eltern ihre Tochter gesehen haben. Hilal kam an jenem Dienstag nicht mehr nach Hause.

Am späten Abend alarmierten die Eltern die Polizei, die daraufhin eine Suchaktion einleitet. Bislang erfolglos. Wurde Hilal Opfer eines Gewaltverbrechens? Die Ermittler in Düsseldorf sagen, darauf gebe es bislang keine Antwort. Die Eltern der Vermissten hätten einen ganz anderen Verdacht geäußert. Sie befürchten, ihre Tochter könnte sich in einen Islamisten verliebt haben.

Hilal, eine ausgezeichnete Gymnasiastin, war nach Angaben der Eltern in den vergangenen Monaten häufig im Umfeld radikaler Islamisten, sogenannter Salafisten, gesehen worden. Sie soll dort einen 18-Jährigen kennengelernt haben. Ihr Interesse am radikalen Islam wuchs. Das Mädchen bat die Eltern angeblich sogar um Erlaubnis, den Nikab – ein Gesichtsschleier – tragen zu dürfen. Doch die Eltern lehnten ab.

Inzwischen suchen Freunde mit einem Youtube-Video und Aufrufen bei Facebook nach der verschwunden 16-jährigen Muslimin. Der Staatsschutz hat aufgrund des vermuteten islamistischen Hintergrundes die Ermittlungen übernommen.

Der Fall verdeutlicht, wie schnell der Salafismus Jugendliche in seinen Bann ziehen und dabei mitten in Deutschland ganze Familien zu zerstören vermag. Experten warnen, es bedürfe dringend umfangreicher Aufklärung und Frühwarnsysteme. Junge Menschen müssten vor dem radikalen Islam geschützt werden, noch bevor die extremistische Ideologie ihren Verstand vergiftet hat.

„Niemand wird als Dschihadist geboren“, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) jüngst bei einer Fachtagung. Radikalisierungsprozesse müssten daher so früh wie möglich erkannt und unterbrochen, am besten von vornherein verhindern werden.

Doch während Salafisten weiterhin mit Zehntausenden Koran-Übersetzungen in Fußgängerzonen neue Anhänger gewinnen und Jugendliche in sozialen Netzwerken ködern, steckt die Präventionsarbeit hierzulande noch in den Anfängen fest. In den vergangenen Jahren setzte der Staat in erster Linie auf Beobachtung und Repression.

Die Überwachung und Verhaftung von mutmaßlichen und echten Bombenbauern hat vielleicht Anschläge verhindert. Den Zuwachs in der salafistischen Szene konnte das aber nicht verhindern. Im Gegenteil: Die Festgenommenen sind oftmals sogar zu Idolen für den radikalen Nachwuchs geworden.

Jetzt denken die Innenminister der Länder um. Prävention rückt zunehmend in den Mittelpunkt. Hauptaugenmerk, so der Konsens von Behörden und Experten, müsse darauf liegen, zukünftige Salafisten, deren Eltern, Freunde und das weitere soziale Umfeld über die Gefahren des Extremismus aufzuklären – sei es zu Hause, in der Schule, bei der Arbeit oder auf dem Fußballplatz.

Vor allem Eltern müssen für das Thema sensibilisiert werden. Sie können in vielen Fällen präventiv eingreifen, noch bevor das Kind zum islamistischen Gotteskrieger mutiert und auf dem Radar der Geheimdienste erscheint. Allerdings fehlt den Eltern oft das entsprechende Wissen.

Sie können selten unterscheiden zwischen Mainstream-Islam und dem Salafismus. Und selbst wenn sie es können, wissen sie oft nicht, wie sie reagieren sollen. Viele haben Angst, ihr Kind komplett an die islamistische Szene zu verlieren.

Die Zeit drängt, denn die Zahlen sind alarmierend. Allein in Nordrhein-Westfalen hat sich die Zahl der Islamisten laut Verfassungsschutz in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr auf fast 1000 Personen verdoppelt. „Diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) der „Welt“.

„Die Salafisten sprechen Jugendliche mit Migrationshintergrund genauso an wie Konvertiten und Nichtmuslime. Oft sind das junge Leute in einer kritischen Lebenssituation.“ Das Angebot der radikalislamischen Seelensänger: ein einfaches Weltbild von Gut gegen Böse, Gruppenzugehörigkeit, das Heilsversprechen vom Paradies. Die Radikalen bieten Orientierung und einfache Alltagsregeln in der hektischen Welt von heute.

Sie zielen dabei auf orientierungslose Teenager, die Halt und Anerkennung suchen. „Das Einstiegsalter in die Szene wird immer niedriger, im Einzelfall liegt es schon bei 14 oder 15 Jahren“, warnt Hans Wargel, Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes. „Über die soziale Dynamik des Salafismus’ hierzulande wissen wir allerdings immer noch zu wenig.“

Sektenberatungen und Aussteigerprogramme für Rechtsextremisten und Scientologen blicken inzwischen auf jahrzehntelange Erfahrung zurück. Der Salafismus als Jugend-Subkultur ist hingegen absolutes Neuland. Wer hier erfolgreich sein will, muss Religion, Kultur, Sprache und nicht zuletzt auch den radikalislamischen Strukturen in Deutschland kennen.

Ab wann ist Glaube nicht mehr nur Frömmigkeit sondern Fanatismus? Wo endet Extremismus und wo beginnt Terrorismus? Der Staat – sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene – tut sich bislang schwer mit den richtigen Antworten.

Präventionsprojekte in den Bundesländern und eine bundesweite Plakat-Aktion ernten harsche Kritik. Als „unsensibel“ und „ineffektiv“ verspotteten Kritiker die Kampagne „Vermisst“ des Bundesinnenministeriums (BMI), die im August startete. Ziel war es, mit Plakaten auf die Beratungsstelle „Radikalisierung“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aufmerksam zu machen.

Mehrere muslimische Verbände fühlten sich diffamiert und kündigten daraufhin die Sicherheitspartnerschaft mit dem Bundesinnenministerium. Dennoch wertet man dort die Kampagne als Erfolg. „Wer wirklich betroffen ist, findet diese Plakat-Aktion gut“, sagt Barbara Slowik, veranwortliche Referatsleiterin im Innenministerium. Die Zahl der Beratungsfälle habe zugenommen. Eltern wüssten nun, dass es ein Beratungstelefon gibt.

Die einzelnen Bundesländer gehen wiederum ihren eigenen Wege. In Niedersachsen rief das Innenministerium jüngst das Handlungskonzept „Antiradikalisierung“ ins Leben. Die Experten vom Verfassungsschutz erstellten dafür eine Informationsbroschüre zum Salafismus, die im Juni vorgestellt wurde.

Das Papier richtet sich an Behörden, Eltern, Sozialarbeiter, Lehrer und Arbeitgeber. Als „Islamisten-Checkliste“, die Vorurteile und Misstrauen gegenüber Muslimen schüre, verhöhnten SPD-Politiker daraufhin das Papier. Ähnlich harte Kritik ernteten nordrhein-westfälische Behörden schon vor vier Jahren für ein „Aufklärungs-Comic“, der Schulkinder vor dem Salafismus warnen soll.

Die Projekte aus den Bundesländern zeigen, dass es den staatlichen Institutionen sichtlich schwerfällt, das Vertrauen muslimischer Gemeinden zu gewinnen. Allzu oft verbinden Muslime die Ansprechpartner bei Polizei, Verfassungsschutz und Innenministerium mit staatlicher Überwachung und Stigmatisierung.

Andererseits kuschen politische Akteure nicht selten davor, von der muslimischen Seite ein stärkeres Engagement zu fordern. Sie fürchten als ausländerfeindlich abgestempelt zu werden.

Der palästinensische Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour von der „European Foundation for Democracy“ berät seit Jahren Lehrer, Sozialarbeiter und Eltern im Umgang mit muslimischen Jugendlichen. Mansour glaubt, dass die wahre Front im Kampf gegen den religiösen Extremismus im Klassenzimmer verläuft.

Er hält es für unverzichtbar, Lehrer und Sozialarbeiter auf kommunaler Ebene, besonders in den Brennpunkten wie Berlin-Neukölln oder Bad-Godesberg bei Bonn, verstärkt für den islamischen Extremismus zu sensibilisieren. „Lehrer müssen extremistischen Strömungen im Klassenzimmer und auf dem Schulhof selbstsicher und mit Argumenten begegnen können“, sagt Mansour.

Zu häufig werde radikales Gedankengut, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit muslimischer Schüler aus Unwissenheit oder Angst toleriert oder als kulturelle Differenz verklärt. Es gelte dort klare Grenzen aufzuzeigen – aber gleichzeitig die religiöse und kulturelle Identität der Schülerinnen und Schüler zu respektieren.

Ein Grundproblem sei, dass in vielen traditionellen Migranten-Familien kritisches Denken nicht gefördert werde, so Mansour: „Muslimische Jugendliche müssen verstärkt lernen, kritisch zu hinterfragen. Dann sind sie weniger anfällig für Salafismus.“

Auch im Internet muss nach Expertenmeinung den salafistischen Rekrutierern der Kampf angesagt werden. Es bedarf Alternativangeboten zu den radikalen Inhalten im Netz, sagt der Berliner Soziologe Phillip Holtmann. Er erforscht seit Jahren die Internetstrategien von islamistischen Terroristen und fordert, deren Propaganda im Netz stärker zu bekämpfen.

„Im Gegensatz zu den traditionellen Moscheevereinen und Verbänden, wissen Salafisten sehr genau um die Macht des Internets“, sagt Holtmann. Gezielt würden soziale Netzwerke wie Facebook oder Videoplattformen wie YouTube genutzt, um ausgrenzende und gewaltverherrlichende Ideologien zu verbreiten.

„Junge Muslime, die im Internet nach islamischen Themen suchen, landen schon bei den ersten Treffern auf Salafisten-Webseiten, deren einschränkendes Weltbild keinerlei Spielraum für Interpretationen lässt“, sagt Holtmann, „Dort muss es moderate Alternativen geben. Google ist voll von Salafismus.“

Die salafistischen Anziehungskraft sei ein großes Problem, sagt Psychologe Mansour. Es seien einfache Botschaften in jugendgerechter Sprache, die Aufwertung der eigenen Identität, die klaren Feindbilder und die Opferrolle als Muslime, die den fundamentalistischen Islam so attraktiv für junge Menschen machen. Dahinter verberge sich jedoch eine äußerst flache Theologie. „Der Islam wird von den salafistischen Missionaren einseitig dargestellt und extrem vereinfacht“, so Mansour. „Das muss man entlarven, und zwar so, dass Jugendliche diese Islam-Interpretation als Einstiegsdroge erkennen.“

 

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Der Kampf der Solinger gegen das „Kalifat“

Von Florian Flade

Angriffe auf Journalisten, Hasspredigten bei Youtube, Aufmarsch von Rechtsextremisten – Radikale Islamisten halten das nordrhein-westfälische Solingen auf Trab. Seitdem ein fundamentalistischer Prediger aus Österreich einen Moschee-Verein übernommen hat, wehren sich Bürgerinitiativen und Politiker gegen das islamistische Treiben in der Stadt. Doch Extremisten beider Lager scheinen die angespannte Situation für sich nutzen zu wollen – ein gesellschaftliches Pulverfass in der Klingenstadt.

Quelle: Youtube

Mohammed M. (Abu Usama al-Gharib)

Und plötzlich hat sie Solingen erreicht: die Angst vor der Islamisierung und Terroranschlägen, vor den bärtigen Männern, die jeden Freitag in die kleine Hinterhof-Moschee an der Konrad-Adenauer-Straße pilgern. Seit Wochen nun ist die öffentlichte Debatte die nordrhein-westfälische Provinzstadt Fest im Griff des Salafismus. Die Anhänger dieser ultrakonservativen Islam-Variante bringen besorgte Bürger auf die Barrikaden und zwingen Politiker zum Handeln.

Die Solinger wehren sich dagegen, dass ihre Stadt zu einem Zentrum des islamischen Extremismus in Deutschland wird. Eine Entwicklung, die mitunter bedenkliche Früchte trägt. Denn die Islamismus-Debatte bietet ausreichend Zündstoff für rechtsradikale Parteien. Ein Zusammenprall von Extremisten verschiedener Couleur scheint unausweichlich.

Wie konnte es so weit kommen?

Rückblende: Ende vergangenen Jahres zog ein Mann nach Solingen, der jetzt zum Auslöser für eine Krise in der Lokalpolitik werden könnte – der Österreicher Mohammed M. (26), der sich selbst „Abu Usama al-Gharib“ nennt.

In Nordrhein-Westfalen war Mohammed M. – im Gegensatz zu Salafiten-Predigern wie dem Ex-Boxer Pierre Vogel oder dem Kölner Prediger Ibrahim Abou Nagie – ein völlig Unbekannter. In seinem Heimatland Österreich hingegen ist er der wohl bekannteste Islamist des Landes. M. war Mitbegründer der deutschsprachigen Propaganda-Organisation “Globale Islamische Medienfront” (GIMF) und für die Produktion von Videos verantwortlich, in denen Österreich und Deutschland mit Terroranschlägen gedroht wurde.

Insgesamt vier Jahre hatte der Sohn ägyptischer Einwanderer in Wien in Haft gesessen. Ein Gericht hatte ihn 2008 wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Nötigung der Bundesregierung, versuchter schwerer Nötigung und Gutheißung verurteilt. Es war der bis dato aufsehenerregendste Terrorismus-Prozess in Österreich.

Im September 2011 wurde Mohammed M. aus dem Gefängnis entlassen. Von Versöhnung, Reue oder ideologischem Kurswechsel wollte der Ex-Häftling jedoch nichts wissen. Das Gefängnis hat aus ihm einen noch fanatischeren Islamisten gemacht. Mohammed M., den Terror-Experten als einen „Pionier des Internet-Dschihad“ bezeichnen, zeigt sich nach seiner Freilassung kämpferischer und unbeugsamer denn je.

Noch während der Haft in Österreich hatte M. Kontakt mit Islamisten in Deutschland aufgenommen, Brieffreundschaften gepflegt und angekündigt, er werde sich nach seiner Freilassung wieder aktiv in der Szene engagieren. Kaum aus der Haft entlassen, rief Mohammed M. in Zusammenarbeit mit deutschen Salafiten das islamistische Internetportal „Millatu Ibrahim“ ins Leben.

Doch damit nicht genug: M. kehrte Österreich den Rücken und zog nach Berlin. In der deutschen Hauptstadt etablierte er sich als „Emir“ der lokalen Islamisten-Szene. Er vernetzte sich mit den bekannten Größen des deutschen Salafismus und trieb Propaganda-Projekte voran. Der Berliner Ex-Rapper Denis C. (ehemals „Deso Dogg“), der einst selbst im Gefängnis gesessen hatte und gegen den aktuell ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht auf Volksverhetzung läuft, entwickelte sich zu einem engen Freund und Weggefährten von M..

Ende 2011 reiste Mohammed M. oft durch die Bundesrepublik und trat bundesweit in Moscheen, auch in Nordrhein-Westfalen, als Redner bei Islam-Seminaren auf. Dabei verschleierte M. nie seine radikalislamische Überzeugung. “Entweder leben wir dafür, dass diese Flagge über dem Weißen Haus und über dem Vatikan weht, oder wir sterben!”, so M. bei einer Predigt vor einer schwarzen Flagge mit islamischem Glaubensbekenntnis, “Keine andere Wahl! Wir werden keine Ruhe geben, bis die ganze Erde mit Allahs Gesetz beherrscht wird!“

Nach nur knapp zwei Monaten verließ der österreichische Islamist Berlin wieder und nahm die nordrhein-westfälische Provinz ins Visier. Der neue “Superstar” der deutschen Islamisten-Szene hatte Pläne für einen weiteren Propaganda-Coup geschmiedet. In der 160.000-Einwohner Stadt Solingen übernahm der Islamist quasi über Nacht eine kleine Moschee-Gemeinde, deren Anhänger ihn begeistert willkommen hießen – die „Masjid ar-Rahmah“ an der Konrad-Adenauer-Straße im Zentrum von Solingen.

Seit Jahren gilt die Gebetsstätte, die zum „Deutsch-Islamischen Zentrum Solingen“ gehört, als Inbegriff einer „Hinterhof-Moschee“. Hier sammeln sich regelmäßig Muslime, die der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz mehrheitlich als „Befürworter des Dschihad“ einstuft. Mit dem Zuzug von Mohammed M. nach Solingen steht nun ein radikaler Hardliner an die Spitze dieser ohnehin schon kontroversen Salafiten-Gemeinde.

In Sicherheitskreisen wird vermutet dass Mohammed M. womöglich auf die Solinger Moschee-Gemeinde aufmerksam wurde, weil diese durch die Festnahme zweier Solinger Konvertiten im Juli 2011 in Großbritannien schlagartig in die Schlagzeilen geriet. Seine Präsenz in der nun medial bekannten Moschee will Mohammed M. offenbar gezielt als Propaganda-Coup nutzen.

Die Solinger Islamisten seien zudem traditionell schon seit langer Zeit mit Glaubensbrüdern in ganz NRW und auch in anderen Bundesländern gut vernetzt, heißt es aus Sicherheitskreisen. Auch Kontakte zu Islamisten im europäischen Ausland u.a. nach Großbritannien und Belgien seien bekannt, erfuhr “Welt Online” aus Sicherheitskreisen.

Wie selbstsicher der österreichische Staatsbürger Mohammed M. in der nordrhein-westfälischen Provinz agierte, zeigte sich bereits kurz nach seinem Umzug nach Solingen. Angelehnt an sein Internetprojekt, benannte Mohammed M. die Solinger Moschee im Januar kurzerhand um. Sie heißt nun „Millatu Ibrahim – Moschee“. In den Räumen des einstöckigen Flachbaus predigt M. nun fast täglich und lässt seine Ansprachen häufig live im Internet übertragen.

In Videos, die der Österreicher beinahe wöchentlich ins Netz stellt, hetzt er gegen Demokratie und gegen Andersgläubige, erklärt gemäßigte Muslime zu “Ungläubigen”. “Es geht hier nicht um al-Qaida, es geht hier nicht um die Taliban, es geht hier nicht um Sheikh Osama, es geht um den Islam!”, so M., “Entweder wir leben in Ehre oder in Erniedrigung! Ich rede im Stehen, ich sterbe im Stehen. Bei Allah, ich werde mich vor einem Kafir (Ungläubigen) niemals verbeugen!”

Zum Schutz vor den Ungläubigen, so Mohammed M., trage er auch gerne ein Teppichmesser bei sich: “Warum schämen sich manche Brüder eine Waffe zu tragen? Bei Allah, das ist die Ehre des Islams!“”

„Welt Online“ berichtete am 31.Januar über den überraschenden Umzug von Mohammed M. von Berlin nach Solingen. Die Meldung wurde von zahlreichen lokalen Medien aufgegriffen, die ausführlich über die brisante Entwicklung in der örtlichen Salafiten-Szene berichteten. Das Resultat der medialen Aufmerksamkeit war ein Aufschrecken von Bürgern und Politikern. Man reagierte geschockt und empört über den Islamismus vor der eigenen Haustür.

Islamische Extremisten in der Nachbarschaft? Radikale Dschihad-Befürworter, die Flugblätter verteilen und Jugendliche auf der Straße ansprechen? Eine Gegenbewegung nahm ihren Lauf. Bürgerinitiativen, Moscheeverbände, Schulen und Parteien rüsteten sich in Solingen zum Kampf gegen die Islamisten-Gemeinde der „Millatu Ibrahim-Moschee“.

Aus allen politischen Richtungen wächst seit Wochen der Widerstand gegen die Salafiten-Gemeinde von “Millatu Ibrahim”. Mit von der Partie sind auch die Extremisten aus dem braunen Lager. Rechtsgerichtete Parteien, wie die „Republikaner“ und die umstrittene Anti-Islam Partei „Pro NRW“, nutzen das Thema „Salafismus“ und die angeheizte Stimmung gezielt, um in Solingen auf Stimmenfang zu gehen.

Unter dem Motto “Ja zur Religionsfreiheit – Nein zu Salafisten” protestierten die Republikaner Anfang Februar in der Solinger Innenstadt. Um den rechten Islam-Hassern keine Gelegenheit zu bieten, zum Aushängeschild für Solingen zu werden, wurde prompt eine Gegendemo organisiert. Mit dem Slogan ““Ja zur Religion – „Bunt statt Braun“ versuchte das Bündnis „Bunt statt Braun“ mit knapp 120 Gegendemonstranten, darunter auch Politiker von SPD und Grünen, den Aufmarsch der Rechten zu verhindern.

Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) ergriff die Initiative und lud am 11.Februar Vertreter anderer Solinger Moschee-Gemeinden, Schulen, christliche Vereine und Verbände ins Rathaus – unweit des umstrittenen Islamisten-Treffpunkts. Es galt ein klares Zeichen gegen den Extremismus zu setzen. Insgesamt 50 Repräsentanten unterschiedlichster Institutionen, darunter auch Vertreter der konservativen türkischen Milli-Görus Bewegung, unterschrieben eine gemeinsame Erklärung gegen den Extremismus – eine bislang einmalige Aktion. Sie alle sprachen sich gegen die salafitischen Bestrebungen in Solingen aus.

“Wir brauchen und wir haben in dieser Situation einen Schulterschluss aller Demokraten gegen die Extremisten aller Himmelsrichtungen und Schattierungen – gleich ob von rechts oder links oder religiös motiviert”, sagte Solingens Oberbürgermeister Feith gegenüber “Welt Online”, “Dieses gemeinsame Bekenntnis stärkt uns. Keine Gemeinde kann ausschließen, mit Extremisten konfrontiert zu werden. Wichtig ist, wie wir damit umgehen, wie wir Stellung beziehen. Ich denke, diese Botschaft kommt an. Wir zeigen: „Wir kämpfen für unsere Demokratie.““

Er sehe im Salafismus insbesondere eine Gefahr für Jugendliche, erklärt Feith weiter: “Wir werden das Thema daher auch in die Schulleiter-Konferenz geben, weil die vorbeugende Aufklärung in den Schulen extrem wichtig ist. Die Islam-Gemeinden in Solingen sehen dieses Problem auch und fragen sich, wie sie ihre Jugendlichen vor dieser Strömung schützen können.”

Am Mittwochabend rief der Solinger Stadtrat indes zu einem Info-Abend zum Thema “Salafismus”. Geladen waren neben dem Oberbürgermeister Feith und der Integrationsbeauftragten Anne Wehkamp auch ein Experte für Islamismus vom Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Nordrhein-Westfalen und Solingens Polizei-Chef Stefan Kronenberg. Über 200 besorgte Bürgerinnen und Bürger stellten Fragen zum islamistischen Treiben in der Stadt und wollten wissen, wie die Politik gedeckt das Problem zu lösen.

Ein baurechtliches Verfahren laufe derzeit gegen den Standort der umstrittenen “Millatu Ibrahim-Moschee”, sagte Bürgermeister Feith “Welt Online”. “Wir sind dabei an Recht und Gesetz gebunden und können nicht willkürlich handeln”, so Feith, “Allerdings werden wir unseren Spielraum so restriktiv wie möglich nutzen.”

Wie sich die Solinger Zustände weiter entwickeln werden, lässt sich bislang kaum einschätzen. Die Islamisten um Mohammed M. geben sich weiterhin kämpferisch und wenig beeindruckt vom Protest der Solinger. Dass der Druck auf sie steigt, ist dennoch spürbar. Das mussten ein Journalist und ein Fotograf der Lokalpresse in den vergangenen Wochen schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Von der Medienpräsenz offensichtlich genervte Salafiten griffen die beiden Reporter an – einer der Angreifer soll Prediger Mohammed M. selbst gewesen sein.

Doch auch die Gegenseite setzt keineswegs nur auf De-Eskalation. Die rechtsorientierte Partei “Pro-NRW” hat für den 24.März eine Protestkundgebung geplant. “Kein Platz für Salafistische Hassprediger in Solingen”, so der Titel der Veranstaltung.

Bis dahin könnte sich das Solinger Islamisten-Netz über weiteren Zuwachs freuen. Der Solinger Konvertit Robert B. (23), der im vergangenen Jahr bei der Einreise nach Großbritannien festgenommen wurde und islamistisches Propaganda-Material und Bombenbau-Anleitungen in seinem Gepäck hatte, wird bald nach Deutschland zurückkehren. B. war Anfang Februar von einem britischen Gericht zu einer einjährigen Bewährungststrafe verurteilt worden, die der junge Mann jedoch bereits zur Hälfte abgesessen hat. Derzeit wartet Robert B. in Großbritannien auf seine Abschiebung nach Deutschland. Nach Informationen der “Welt” wollen die britischen Behörden den deutschen Islamisten erst ausfliegen, sobald eine ausreichende Anzahl an Abschiebe-Häftlingen vorliegt.

Robert B. wird zum Test-Fall für Solingen. Wird sich der radikale Konvertit wieder in die heimische Moschee-Gemeinde eingliedern oder wird er sich lossagen vom Extremismus? Bislang gibt sich Robert B. eher unversöhnlich. Wie der österreichische Prediger Mohammed M. ist B. innerhalb der Islamisten-Szene als Ex-Häftling bekannt. Dies dürfte sein Ansehen unter den Solinger Islamisten bei der bald erwarteten Rückkehr nur noch steigern.

Frankfurt Cleric A Jihadi Recruiter?

by Florian Flade

German police arrested five men on suspicision of terror recruiting in Frankfurt. Among the suspects – prominent Internet cleric Abdel Latif.

In the early morning hours of Tuesday, 50 German policemen raided six locations in Frankfurt am Main, arresting five suspected Jihadi recruiters, among them a prominent Moroccan cleric. The suspects, police says, are accused of recruiting young men for terrorist training abroad. Their nationalities range from German, Moroccan, Eritrean, Afghan to Turkish.

Abdel Latif, a 39 year-old Moroccan preacher from the Frankfurt region, is said to have spread „Salafi ideology“ in mosques in Frankfurt-Ginnheim and Frankfurt-Griesheim to call Muslim men for Jihad and send them to Pakistani and Afghan training camps. He is a prominent figure in the „DawaFFM“ missionary network based in Frankfurt. Abdel Latif not only preaches inside the Frankfurt mosques but also organizes and attends „Islam Seminaries“, popular Salafi weekend events where several preachers are giving lectures to groups of young men and women.

According to several sources, the police raids came as a result of the investigation into the case of Haddid N., a Frankfurt resident of Afghan descent, who was arrested by US forces while on a visit to his father in Kabul. He was imprisoned in Bagram US Military prison and held for days before his release end of January.

German police had allegedly questioned Haddid´s sister after he had traveled to Dubai and did not return to Germany but instead took a flight to Afghanistan. Suspicion was high, Haddid N. had gone to Afghanistan to attend Jihadi training camps. German authorities had the 23year-old University student on their watch-list up to Mid-July 2010 and then dropped the case because there was no evidence N. did plan to leave Germany for terrorist means.

Yesterday´s police raid might be the result of Haddid N.´s questioning. He is said to have attended lectures by Abdel Latif and might even have been radicalized in the raided Frankfurt mosques. Frankfurt newspaper FAZ is reporting Haddid N. was on his way to a terror camp when he was arrested. Abdel Latif and other people in the Frankfurt Islamist community are suspected of having sent him.

Four suspects – age 22-29 – have been released by the police although theinvestigation is still going on. Preacher Abdel Latif remains in police custody.

UPDATE: The German Salafi group „DAWAFFM“ (Dawah in Frankfurt am Main) has released a video statement, explaining that Sheikh Abdel Latif was only questioned by the police after his private apartment was raided. He was then released later and lost his job due to the German action on Tuesday morning. No other member of the group is in police custody right now. The accusations against Abdel Latif were an „attack on Islam“, the group claims.