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Zu Gast bei Feinden

von Florian Flade

Zwölf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leben ranghohe Al-Qaida-Mitglieder in Iran. Geschützt vom Regime in Teheran.

www.fbi.gov 2013-9-25 9 11 40

Es ist der 8.Januar 2000. Auf dem Gelände der Tarnak-Farm, eines ehemaligen sowjetischen Agrarbetriebes nahe der afghanischen Stadt Kandahar, kommen Dutzende Islamisten zusammen. Osama Bin Laden, Gründer und Anführer der Terrororganisation Al-Qaida, hat sie zu sich auf das weitläufige Gelände gerufen, wo er zu dieser Zeit mit seiner Familie und engsten Vertrauten lebt. Einige seiner Gefolgsleute tragen Kalaschnikows. Andere haben ihre Kinder auf dem Schoß.

Ein Video dokumentiert die Ansprache Bin Ladens. Als die Kamera ins Publikum schwenkt, ist für wenige Sekunden ein Mann mit weißem Turban und krausem Bart zu sehen. Er grinst. Sein Name: Saif al-Adel. Der Ägypter ist schon damals einer der ranghöchsten Führungskader der Al-Qaida. Daran hat sich bis heute formal nichts geändert, er gehört weiterhin zu den meistgesuchten Terroristen der Welt. Allein: Seit Jahren gibt es keine Spur von ihm. Immer wieder gab es widersprüchliche Angaben über seinen Aufenthaltsort.

Nach Informationen der „Welt“ lebt Saif al-Adel aktuell im Iran, zusammen mit einer Gruppe langgedienter Al-Qaida-Kader und Weggefährten Bin Ladens. Sie sind die Führungsreserve des Terror-Netzwerks. Zwölf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gilt Al-Qaida-Führungsstruktur als entscheidend geschwächt. Unzählige mittlere und hohe Kader wurden getötet, allen voran Terrorchef Osama Bin Laden, den ein US-Elitekommando im Mai 2011 in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad erschoss. Doch der Fall al-Adels und anderer Al-Qaida-Kommandeure zeigt: Wichtige Strategen und Ideologen des Terrornetzwerkes konnten Amerikas Anti-Terror-Krieg entkommen. Heute leben sie, sicher geschützt vor den tödlichen CIA-Drohnen und US-Kommandoaktionen unter der Protektion des iranischen Mullah-Regimes. Die Terroristen, auf die mehreren Millionen US-Dollar Kopfgeld ausgesetzt wurden, leben seit Jahren beschützt von den iranischen Revolutionsgarden in Wohnkomplexen im Norden des Landes und im Süden von Teheran.

Nach Gesprächen mit mehreren Geheimdienstlern kann die „Welt am Sonntag“ nun nachzeichnen, wie es zu der sicherheitspolitisch sensiblen Konstellation gekommen ist. Begonnen hat das Leben der Al-Qaida im iranischen Exil kurz nach den Anschlägen von 9-11. Als der amerikanische Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan begann, zog es die meisten Al-Qaida-Kämpfer fluchtartig in den Osten des Landes. Die Gotteskrieger um Bin Laden verschanzten sich zunächst in den Höhlen von Tora Bora. Sie leisteten den anrückenden US-Einheiten und ihren afghanischen Alliierten noch einigen Widerstand, bevor sie vor dem Flächenbombardement der US-Luftwaffe über die Grenze nach Pakistan flohen.

In den dortigen Stammesgebieten von Süd- und Nordwaziristan fanden die zumeist arabischen Dschihadisten Unterschlupf bei den einheimischen Paschtunen-Stämmen. Weitestgehend autonom etablierte sich in den unzugänglichen Bergdörfern Nordwest-Pakistans eine Hochburg radikaler Islamisten. Über die Jahre formierten sich hier unter dem Schutz der diversen Taliban-Fraktionen zahlreiche Terrorgruppen. Wie einst in Afghanistan entstanden in Waziristan terroristische Ausbildungslager für die nächsten Generationen von Al-Qaida-Attentätern – fernab von den US-Truppen im benachbarten Afghanistan.

Jedoch siedelten sich längst nicht alle Al-Qaida-Führungskader in Pakistan an. Einige Terroristen, unter ihnen auch Ehefrauen und Kinder von Osama Bin Laden, traten die Flucht aus Afghanistan in Richtung Westen an. Sie zog es in den Iran. Im Herrschaftsgebiet des amerikafeindlichen Mullah-Regimes wähnten sich die Dschihadisten sicher vor den US-Terrorjägern.

Eine paradoxe Entscheidung. Denn eigentlich gelten Al-Qaida und das iranische Regime als Todfeinde. Aus Sicht der extremistischen Sunniten gelten schiitische Muslime, wie sie mehrheitlich im Iran leben, aus historischen Gründen und aufgrund ihrer religiösen Traditionen als Abtrünnige und Ketzer. Die iranische Führung wiederum sieht in Al-Qaida eine aus Saudi-Arabien finanzierte und von den USA geförderte Terrormiliz, die eingesetzt wird, um in muslimischen Ländern Chaos zu stiften und so westliche Interventionen zu rechtfertigen.

Trotzdem glaubte das Al-Qaida-Personal, im iranischen Exil unbemerkt untertauchen zu können. „Bis 2003 konnten sie sich im Iran relativ frei bewegen“, sagte ein westlicher Geheimdienst-Analyst der „Welt am Sonntag“. Dann realisierte die iranische Regierung offenbar, dass die Terroristen ein Risiko darstellen und womöglich amerikanische Aktionen gegen den Iran rechtfertigen könnten. Es setzte eine Verhaftungswelle ein. „Das Teheraner Regime nahm zumindest einige Al-Qaida-Mitglieder fest und stellte sie unter Hausarrest“, sagte der Geheimdienst-Analyst. Die Kontrolle der Terroristen, so das Kalkül in Teheran, würden Washington die Gründe für Angriffe entziehen.

Und tatsächlich hatte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Frühjahr 2003 den Druck auf das iranische Regime erhöht. Iran habe „mehreren führenden Köpfen von Al-Qaida Unterschlupf gewährt“, so Rumsfeld. Ein Sachverhalt, den Teheran im Juli 2003 offiziell einräumte. Etliche Al-Qaida-Terroristen seien festsetzt worden.

Bewacht von Mitgliedern der „Hamza“-Einheit der iranischen Revolutionsgarden wurden die Al-Qaida-Mitglieder und Angehörige der Bin Laden-Familie in Wohnhäuser rund um die iranische Hauptstadt Teheran und im Norden des Landes einquartiert. Sie fristen seitdem ein Leben in einer Art offenem Vollzog. Während die Frauen bewacht von iranischen Sicherheitskräften die Häuser zum Einkaufen verlassen dürfen, stehen die Terror-Kommandeure unter Hausarrest.

„Die Beziehungen zwischen Al-Qaida und Iran waren schon immer sehr angespannt“, sagt der Terrorismus-Experte Peter Bergen der „Welt am Sonntag“. Osama Bin Laden habe den Iranern nie vertraut, wie Briefe aus seinem Versteck in Pakistan belegen.

Die „Sicherheitsverwahrung“ der Al-Qaida-Mitglieder erwies sich für Iran allerdings als äußerst glücklicher historischer Zufall: Das Mullah-Regime setzte die Führungsreserve des Terrornetzwerkes als Tauschobjekt ein. Am 13.November 2008 entführten Islamisten im pakistanischen Peschawar den iranischen Diplomaten Heshmatollah Attarzadeh-Niyaki und verschleppten ihn in die Stammesregion Süd-Waziristan. Der Konsul befand sich zuerst in Hand einer Taliban-Gruppierung. Dann kam Al-Qaida ins Spiel.

Für das Terrornetzwerk war der entführte Iraner eine günstige Gelegenheit die im Iran festgehaltenen Mitglieder freizupressen. Teheran zögerte anfänglich, willigte dann aber in den strenggeheimen Geiselaustausch ein. Als erste durfte eine Gruppe Al-Qaida-Terroristen der unteren Führungsebene gehen. „Als dann der Diplomat Attarzadeh-Niyaki im März 2010 in den Iran zurückkehren durfte, ließen die iranischen Behörden auch die mittlere Führungsebene der Al-Qaida ziehen“, berichtet ein westlicher Geheimdienstler. Im Zuge des geheimen Geiselaustausches kamen auch Bin Ladens Sohn Saad und die damals 18-jährige Tochter Iman frei. Saad fügte sich in die Terrorstrukturen des Netzwerkes im pakistanischen Waziristan ein und starb im Sommer 2009 bei einem US-Drohnenangriff.

Heute stehen nach Informationen der „Welt“ noch immer mindestens sechs Al-Qaida-Kader unter iranischem Hausarrest. Einer von ihnen ist der Ägypter Saif al-Adel. Der 53-jährige gilt als ein Al-Qaida-Mann der ersten Stunde. Er diente im ägyptischen Militär, schloss sich dann in den 1980er Jahren einer islamistischen Terrorgruppe in Ägypten an. In Afghanistan kämpfte Al-Adel gegen die Sowjet-Truppen und lernte dabei auch den wohlhabenden Saudi-Araber kennen, der Islamisten aus aller Welt um sich sammelte: Osama Bin Laden.

Innerhalb der Al-Qaida stieg der ägyptische Ex-Soldat zu einem führenden Strategen für die internationale Terrorplanung auf. Al-Adel konnte wohl auch die 9-11-Todespiloten um Mohammed Atta. Nachdem der Militärchef des Terrornetzwerkes, der Ägypter Mohammed Atef, im November 2001 durch eine US-Rakete ums Leben kam, trat al-Adel nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste offenbar dessen Nachfolge an. Kurze Zeit später verschwand al-Adel in den Iran. Einzige Lebenszeichen waren seitdem seltene ideologische Schriften, die der Terrorist im Internet veröffentlichte und E-Mail-Wechsel mit arabischen Journalisten.

Wie die „Welt am Sonntag“ aus westlichen Geheimdienstkreisen erfuhr, soll sich Saif al-Adel entgegen bisheriger Medienberichte weiterhin in einem Wohnkomplex nahe der Hauptstadt Teheran aufhalten. Dort hat der Extremist, auf den die USA ein Kopfgeld von 5 Millionen US-Dollar ausgesetzt haben, wohl auch problemlos Zugang zum Internet. Per E-Mail gab Al-Adel in den vergangenen Jahren einige wenige Interviews, in denen er sich zu Al-Qaidas globaler Dschihad-Strategie äußerte. „Solche Angriffe“, schrieb Saif al-Adel im Jahr 2005 in einer E-Mail über die 9-11-Anschläge, „zwingen sie (die Amerikaner) wahllose Aktionen zu starten und provoziert sie ernste und oftmals fatale Fehler zu begehen (…) die erste solche Reaktion war der Einmarsch in Afghanistan.“

Ebenfalls noch im Iran arrestiert ist offenbar ein Al-Qaida-Mann namens Abdullah Ahmed Abdullah alias „Abu Mohammed al-Masri“. Der Ägypter soll genau wie Saif al-Adel dabei geholfen haben, Terrorstrukturen der Al-Qaida in Ostafrika aufzubauen. Abdullah gilt als einer der Drahtzieher der Al-Qaida-Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998. Die USA führen ihn deshalb auf einer Liste der meistgesuchten Terroristen der Welt.

Beim US-Geheimdienst CIA geht man nach Informationen der „Welt am Sonntag“ davon aus, dass Al-Qaida in den vergangenen Jahren unabhängig von den unter Hausarrest stehenden Kadern ein funktionierendes Netzwerk auf iranischem Territorium aufgebaut hat. Unter Führung des Kuwaiters Muhsin al-Fadhli und des Saudi-Arabers Adel Radi Saker al-Wahhabi al-Harbi entstand eine Struktur aus Schleusern und Kurieren, die nach nach Erkenntnissen des amerikanischen Geheimdienstes angeblich sowohl Terrorgruppen in Afghanistan und Pakistan als auch im Irak mit Kämpfern und Geld versorgen und unterstützen – mit Wissen und Duldung des iranischen Regimes.

„Es gibt keine Beweise dafür, dass al-Qaida und die iranische Regierung jemals bei einem Terroranschlag kooperiert haben“, sagte Terrorismus-Experte Peter Bergen. Dies bedeute jedoch nicht, dass das Al-Qaida Personal in Iran nicht eigenständig Anschläge geplant habe. „Laut saudischen Geheimdienstlern haben die Al-Qaida-Führer in Iran eine Reihe von Terroranschlägen in Saudi-Arabien genehmigt, bei denen zahlreiche Saudis und westliche Ausländer im Jahr 2003 getötet wurden“, so Bergen.

In europäischen Geheimdienstkreisen heißt es, das Al-Qaida-Netzwerk habe inzwischen mit dem iranischen Regime ein inoffizielles Abkommen geschlossen. Die Terroristen sollen davon absehen, im Irak, in Pakistan und anderenorts gezielt Schiiten zu ermorden, so die Forderung der iranischen Führung. Im Gegenzug soll es dem Terrornetzwerk erlaubt sein, auf einem niedrigen Level auf iranischem Staatsgebiet zu agieren.

So konnte noch bis vor kurzem der Syrer Izzadin Abdel Asis Khalil alias „Yassin al-Suri“, Al-Qaidas Statthalter im Iran, frei umherreisen. Der Islamist gilt als eine Art „Kassenwart“ des Terrornetzwerkes. Er soll Spendengelder in den arabischen Golfstaaten eingetrieben und an Al-Qaida-Strukturen in Pakistan vermittelt haben. Zudem soll Al-Suri Kontakte zu Irans wichtigstem Geheimdienst VEVAK gehalten haben.

„Die Iraner wissen sehr genau um die Aktivitäten der Al-Qaida in ihrem Land“, sagt ein europäischer Geheimdienstler. „Und sie wissen, wie sehr die USA davon genervt sind.“

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Abbottabad und die Düsseldorfer Zelle

von Florian Flade

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„Schatztruhe“,  so nannte die CIA all jene Festplatten, USB-Sticks, DVDs und Dokumente, auf die die „Navy Seals“  bei der nächtlichen Kommandoaktion in Osama Bin Ladens Versteck im pakistanischen Abbottabad stießen. Die Elitesoldaten mussten in jener Nacht innerhalb kürzester Zeit faktisch das Büro des Al-Qaida-Führers konfiszieren.

So viel sie tragen konnten, schleppten sie in die wartenden Hubschrauber. Jede Datei, jedes Blatt Papier könnten schließlich einen Teil der Geschichte Al-Qaidas beschreiben, der bislang unbekannt ist. Terrorpläne, Namen von Geldgebern, Finanzierungssysteme, Helfernetzwerke – all das, so die Hoffnung der CIA, könnte der Berg an Terrabyte enthalten.

Und tatsächlich war zwischen all den Propagandaschriften, den Medienberichten, den Ansprachen des Terrorchefs, Foto- und Videodateien, brauchbares Material zu finden. Bislang unbekannte Korrespondenzen zwischen Bin Laden und seinen Kommandeuren. Briefwechsel, Ideenaustausch und Planungsskizzen, die Al-Qaidas globale Strategie im Detail darlegen.

Mein Kollege Yassin Musharbash von der ZEIT berichtet in einem sehr lesenswerten Stück in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung über einen 17-seitigen Brief des Al-Qaida-Kommandeurs Sheikh Yunis al-Mauretani an Osama Bin Laden. Das Dokument vom März 2010 liefert tiefe Einblicke in das Innenleben des Terrornetzwerkes. Mauretanis Schreiben dokumentiert den Willen Al-Qaidas zu einer weltweiten Terrorkampagne gegen den Westen und dessen Interessen in der arabischen Welt.

Die Fantasie des Mauretaniers scheint schier grenzenlos: von Infiltration, Sabotage auf hoher See bis zur der Entsendung von Terrorkommandos schrieb er in dem Brief an Bin Laden. Aufgetaucht ist das Dokument am Rande des Prozesses gegen die „Düsseldorfer Zelle“. Vier Islamisten stehen derzeit vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht und müssen sich verantworten, Terroranschläge in Deutschland geplant zu haben.

Als juristische Hilfe entsandten die USA den Mauretani-Brief vor kurzem an das Bundesministerium der Justiz. Dies geschah aus einem brisanten Grund: das Dokument erwähnt einen marokkanischen Terrorrekruten und dessen Geburtsdatum. Die Angaben passen überraschend präzise auf den in Düsseldorf angeklagten Kopf der Terrorzelle, Abdeladim el-K..

Ich hatte im August 2011 von einem Brief berichtet, der in Bin Ladens Versteck in Abbottabad gefunden worden war. Meine Quelle berichtete mir damals, das Dokument sei ein nicht fertig gestellter Brief Osama Bin Ladens. Darin erwähne der Terrorchef den im April 2011 in Düsseldorf festgenommenen Marokkaner El-K. namentlich. Offenbar war dies so nicht korrekt. Den Hinweis auf die Erwähnung El-K.s jedoch gab es, wie das jetzt nach Deutschland entsandte Dokument beweist.

Dass die USA etwas in Abbottabad gefunden hatten, was auf Abdeladim el-K. hindeutete, war schon früh klar. El-K. ist nicht der einzige mutmaßliche Islamist aus Deutschland, der in den Ausbildungslagern der Al-Qaida in Pakistan gedrillt wurde. Auch der Frankfurter Deutsch-Syrer Rami M. und der Hamburger Deutsch-Afghane Ahmad Wali S. waren 2009 bis 2010 in den Terrorschulen Waziristans. Beide wurden festgenommen und in Deutschland zu Haftstrafen verurteilt.

Im Gegensatz jedoch zu Rami M. und Ahmad Wali S. klagte die Staatsanwaltschaft New York den Marokkaner Abdeladim el-K. wegen mutmaßlicher Unterstützung der Al-Qaida an. Zwischen November 2009 und April 2011 habe El-K. das Terrornetzwerk unterstützt, heißt es in der kurzen Anklage aus dem November 2011. Die US-Behörden nennen auch den arabischen Kampfnamen des Terrorverdächtigen – „Abi al-Barra“.

Warum sollte die US-Justiz ein derart starkes Interesse an Abdeladim El-K. haben, nicht aber den anderen Mitgliedern der „Düsseldorfer Zelle“ oder den anderen Al-Qaida-Mitgliedern Rami M. oder Ahmad S.?

Die Antwort dürfte womöglich das in Abbottabad gefundene Papier sein. Von Seiten der US-Justiz gibt es dazu keine weiteren Informationen. Man verweist auf das kurze Anklage-Papier.

Der Anwalt von Abdeladim el-K. zweifelt übrigens die Echtheit des Mauretani-Briefes an. Er habe „grundsätzliche Zweifel“ an der Authentizität, sagte Johannes Pausch der ZEIT. Al-Qaida würde wohl kaum derart sorglos mit sensiblen Daten von Terrorrekruten umgehen.

Heute sollen drei Mitarbeiter des FBI in Düsseldorf vor Gericht zur Herkunft des Dokumentes aussagen.

„Ich gehöre nicht zur Al-Qaida, aber…“

von Florian Flade

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Mohammed al-Arifi in der Berliner Al-Nur-Moschee (Quelle:Youtube)

Mohammed al-Arifi ist ein Star. Zumindest unter Salafisten. Der saudische Gelehrte unterrichtet an der „König Saud Universität“ in Riad und gehört zur Prominenz der salafistischen Predigerszene am arabischen Golf. Fernsehen, Radio, Zeitungen, über Facebook und Twitter. Kaum ein Medium, in dem sich Al-Arifi nicht zu religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Themen äußerst. Oft sehr kontrovers. So geschehen jüngst auch in einem Interview mit dem katarischen Fernsehsender Al-Jazeera.

Darin äußerte sich Al-Arifi in der vergangenen Woche zu den politischen Ereignissen in Mali, der französischen Militärintervention und zur Al-Qaida. Die Mitglieder der Al-Qaida würden falsch dargestellt, so al-Arifi. Es werde viel über die Organisation berichtet, was nicht der Wahrheit entspreche.

„Al-Qaida Mitglieder tolerieren es nicht, wenn andere Muslime der Häresie bezichtigt werden“, so al-Arifi, „Sie tolerieren kein Blutvergießen.“ Auch zu Al-Qaida Gründer Osama Bin Laden hat Mohammed al-Arifi eine kontroverse Meinung. „Osama Bin Laden, Allah hab ihn selig, hat viele Eigenschaften nicht gehabt, die ihm heute angedichtet werden“, so der Prediger, „Ich gehöre nicht zur Al-Qaida und ich teile nicht ihre Denkweise, aber Allah sagt: Und wenn du ein Urteil fällst, sei gerecht.“

Das TV-Interview sorgte – trotz der häufig kontroversen Wortmeldungen von Al-Arifi – für einige Schlagzeilen in der arabischen Welt. „Saudischer Gelehrter verteidigt Bin Laden“, hieß es. Innerhalb der weit gefächerten Prediger-Szene Saudi-Arabiens dürften derlei Kommentare zu Al-Qaida und westlicher Propaganda wenig überraschen.

Mohammed al-Arifi jedoch predigt nicht nur in der arabischen Welt. Er betätigt sich auch als reisender Wanderprediger. Zuletzt auch in Deutschland. Der Saudi-Araber kam Ende 2012 in die Bundesrepublik und begab sich auf eine Tour quer durchs Land. Zuerst machte Al-Arifi in Heidelberg Station, anschließend ging es nach Mainz und Berlin.

facebook.com 2013-2-10 17:18:38

In der Hauptstadt trat Al-Arifi in den Moscheen „Al-Nur“, „Dar-es-Salam“ und „Arrahma“ im Stadtteil Neukölln auf. Angekündigt wurden die Predigten des prominenten Salafisten über Facebook. In den Moscheen gab es schließlich Simultan-Übersetzungen ins Deutsche. Youtube-Videos zeigen Mohammed al-Arifi unter anderem in der Neuköllner Al-Nur-Moschee an der Seite des dortigen Imams Abdeladhim.

Es ist kein neues Phänomen, dass die deutsche Salafisten-Szene Prediger aus Saudi-Arabien zu Gastauftritten einlädt und hofiert. Was den Fall von Mohammed al-Arifi jedoch von anderen unterscheidet, ist ein gegen ihn verhängtes Einreiseverbot. Über das hatte die „Zeit“ jüngst berichtet. Arifi hätte somit gar nicht nach Deutschland einreisen dürfen.

Al-Arifi hatte im Dezember 2012 geplant in der Schweiz bei der Jahreskonferenz des Islamischen Zentralrats (IZRS) im Kanton Freiburg aufzutreten. Das eidgenössische „Bundesamt für Migration“ verhängten allerdings aufgrund der kontroversen Aussagen des Predigers am 13.Dezember 2012 ein Einreiseverbot für den gesamten Schengenraum. Der Saudi-Araber predige gegen Homosexualität, Frauenrechte und rufe möglicherweise zum „bewaffneten Kampf“ auf, hatten mehrere Organisationen im Vorfeld der angekündigten Einreise erklärt.

Der fundamentalistischer Prediger, der jüngst Al-Qaida und Osama Bin Laden lobte, durfte also seit dem 13.Dezember 2012 nicht in den Schengenraum einreisen. Und tat es trotzdem. In Deutschland konnte Al-Arifi mehrere Tage lang ungehindert von Bundesland zu Bundesland reisen und predigen. Ob er von Saudi-Arabien direkt nach Deutschland einreiste, ist bislang unklar.

„Es ist aber möglich, dass er über eine der grenzkontrollfreien Schengen-Binnengrenzen nach Deutschland eingereist ist“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der „Zeit“.