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Märtyrer oder Mörder? – Deutsche Islamisten zu Mohamed Merah

von Florian Flade

Für die einen ist Mohamed Merah ein kaltblütiger Mörder, für die anderen ein islamistischer Gotteskrieger, Held und jetzt Märtyrer. Deutsche Islamisten sind in ihrer Meinung zum Attentäter von Toulouse nicht einig wie Internet-Einträge zeigen.

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Wenn das eigene Kind nur noch für Allah lebt

von Florian Flade

Eine neue Broschüre informiert über den radikalen Islam als Jugendkultur in Deutschland. Sie soll Eltern und Sozialpädagogen darüber aufklären, was den Salafismus für junge Deutsche so attraktiv macht und was getan werden kann, damit das eigene Kind nicht in eine terroristische Karriere abrutscht.

Die „Gesellschaft Demokratische Kultur“, ein vom Bundesministerium für Familie gefördertes Projekt, hat am Donnerstag in Berlin eine Info-Broschüre vorgestellt, die über eine fundamentalisischen Islam-Variante aufklären soll, die sich in Deutschland zunehmend zu einer Jugendkultur entwickelt – der Salafismus.

Laut Verfassungsschutz hat der Salafismus landesweit inzwischen mehrere tausend Anhänger – Tendenz steigend. Die Zahl der oft jugendlichen Konvertiten wächst steti und so mehren sich auch die Fälle, in denen Familien zerbrechen, wenn der Sohn oder die Tochter zum ultraorthodoxen Islam konvertiert. Gipfel des Radikalisierungsprozesses ist immer häufiger die Ausreise in ein terroristisches Ausbildungslager in Pakistan.

Primäres Ziel der knapp 80-seitigen Broschüre „Ich lebe nur für Allah – Argumente und Anziehungskraft des Salafismus“ soll sein, über den salafitischen Islam in Deutschland, Prediger und Gruppierungen aufzuklären, auch um mögliche Gefahren einer Radikalisierung erkennen zu können und präventiv dagegen arbeiten zu können.

Das Info-Heft entstand in sechsmonatiger Arbeit des Teams um die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke, dem palästinensischen Psychologen Ahmad Mansour, dem Islamwissenschaftler Dr.Jochen Müller und der Sozialwissenschaftlicher Yasemin Serbest. Es ist ein Versuch, Antworten zu geben: Warum werden Jugendliche zu Salafiten? Was macht die Ideologie vom Leben wie zu Zeiten des Propheten vor 1400 Jahren so attraktiv? Wann wird aus religiösem Fundamentalismus gefährlicher Dschihadismus?

Familien und Sozialpädagogen soll es durch die bislang einzigartige Handreiche erleichtert werden, frühzeitig zu erkennen, wann ein junger Mensch in den islamischen Extremismus abrutscht. Dabei gehe es nicht um Pauschalisierung, betont Islamwissenschafter Dr. Jochen Müller, Religiösität allgemein dürfe nicht verurteilt werden.

„Anhänger des salafitischen Islam zu werden, heißt nicht zwangsläufig Gewalt zu verherrlichen oder Dschihadist zu werden“, sagt die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke, „Eltern sollen verstehen, dass es erstmal kein Problem ist, wenn das Kind zum Islam konvertiert ist. Auch wenn das Kind dann Videos von Pierre Vogel anguckt, muss dies auch noch kein Alarmzeichen sein.“ Problematisch werde es erst, wenn jemand ausschließlich Predigten der radikalen Hardliner anhängt.

Doch um diese Anzeichen für einer Radikalisierung früh zu erkennen, müssen Eltern und Pädagogen wissen, welchen Predigern das Kind anhängt, in welcher Moschee es verkehrt und auf welchen Webseiten es surft. Worin der Unterschied zwischen den moderaten und den dschihadistischen Strömungen der Szene besteht, kann nur erkennen, wer die einzelnen Akteure und Argumente kennt. Hier setzt die Broschüre an. Sie stellt die Spannweite bundesweit agierender salafitischer Prediger dar – von den Hardlinern der Szene im Kreis Köln-Bonn, bis hin zu moderateren Stimmen in Berlin, Wuppertal oder Leipzig.

Warum aber wird ein junger Mensch in Deutschland überhaupt zum islamischen Fundamentalisten? Der Salafismus als Sinn-Angebot für junge Menschen biete oftmals einfache Antworten auf nahezu alle Lebensfragen, erklärt die Info-Broschüre. Für Nicht-Muslime sei der fundamentalistische Islam besonders attraktiv, da er neben der vermeintlich exklusiven göttlichen Wahrheit auch ein simples Gesellschafts-Bild von „Wir und Die“ vermittle, Gemeinschaft schaffe und Identität stifte. Dies greife gerade bei Jugendlichen, die eine Sinn- und Identitätskrise durchlaufen oder aus zerbrochenem Elternhaus stammen. Ihnen bietet der Salafismus eine soziale Gruppe, in der sie Anerkennung erfahren.

„Zudem bedienen salafitische Strömungen ein ganz jugendtypisches Bedürfnis, nämlich das nach Protest und Provokation“, heißt es in der Broschüre, „Zu einer diskriminierten Minderheit zu gehören, kann durchaus sexy sein – wird dabei doch ein weiterer politischer Mobilisierungsfaktor gleich mitgeliefert: der Kampf für Gerechtigkeit.“

Innerhalb dieses Millieus gehöre man automatisch zu einer „weltweiten Opfergemeinschaft“, erklärt Claudia Dantschke. Opfer- und Feindbild werden klar definitiert. Die eigene Gruppe aufzuwerten, andere Gruppen, so auch Gläubige anderer Religionen und andersdenkende Muslime abzuwerten, sei zentraler Aspekt der salafitischen Ideologie.

„Salafitische Gruppierungen verbinden reale Erfahrungen, die Jugendliche mit Diskriminierungen und Islamfeindlichkeit machen, mit diversen internationalen Konflikten wie den Kriegen im Irak und Afghanistan oder dem Nahostkonflikt“, heißt es im Info-Heft. Dass der Islam weltweit bekämpft würde und der Dschihad zur Pflicht werde, wird so zur Grundannahme. Gepaart mit der Angst vor der Hölle und der Verheisung des Paradieses kann daraus eine gefährliche Mischung erwachsen.

Psychologe Ahmad Mansour erklärt, die Angst-Pädagogik der islamistischen Prediger sei ein ganz entscheidender Aspekt. „Jugendlichen wird gesagt: wenn ihr uns nicht folgt, droht euch die ewige Höllen-Qual“, so Mansour, „das spielt im Salafismus eine unglaubliche große Rolle.“

Wie kaum eine andere islamische Strömung versteht es der Salafismus, das Internet als Anwerbungsstätte zu nutzen. „Sie gehen dorthin, wo die Jugendlichen schon sind und wo viele von ihnen nach Antworten auf ihre Fragen suchen – im Internet“, heißt es in der Broschüre. Dort gebe das „System Salafismus“ mit Video-Vorträgen, Internet-Foren, interaktive Chatrooms und Blogs auch Antworten auf nicht-religiöse Fragen – Liebe, Arbeit, das Heiraten, Familie.

„Im Internet tauchen die Nutzer auf ihrer Suche nach Informationen und Kenntnissen zum Islam dann mit ein paar Mausklicks in ein salafitisches Universum ein, das von moderaten Missionaren bis hin zu dschihadistischen Radikalen reicht, wobei die Unterschiede oft erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen sind.“

Wie eine Radikalisierung junger Muslime präventiv verhindert werden kann, sei nicht pauschal zu erklären, meint der palästinensische Psychologe Ahmad Mansour. „Bei Salafismus ist Hinterfragen nicht erlaubt“, so Mansour, „Wenn ein Kind anfängt nachzudenken, dann wird Salafismus kaum mehr eine Rolle spielen.“ Aus der muslimischen Gemeinschaft müsse es lautere Gegenstimmen für einen liberalen Islam geben. „Jugendliche haben nur ein Bild vom Islam: den Salafismus“, meint Mansour. Für Eltern sei es außerdem ratsam Beratung und pädagogische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diese Hilfe bietet Claudia Dantschke mit ihrem Team der „Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus“ seit einigen Jahren an – mit nicht zu unterschätzendem Erfolg. Die nun erschienene Broschüre, die zunächst bei einem Modellprojekt in Neukölln verteilt werden soll, ist so auch Produkt der Erfahrung aus direkter Zusammenarbeit mit betroffenen Familien.
Mehr Informationen, auch für betroffene Familien, finden Sie unter:

http://zentrum-demokratische-kultur.de/Startseite/Islamismus-/-Ultranationalismus/Neue-Handreichung/Neue-Handreichung-K361.htm

German Terror Suspects in UK – Robert & Christian´s Mysterious Journey

by Florian Flade

The pair seemed rather nervous when British border police asked the two German nationals what their reason for entering the UK was. They originally had planned to travel to Brussels, Robert B. (23) and Christian E. (28) told the police officers in Dover, the coastal town where they had arrived via ferry on July 15th. Plane tickets were too expensive, the two Germans said, so they decided to travel to London instead.

The police officers became suspicious and checked the luggage of both men. What they found was not really the usual tourist equipment: Jihadi propaganda material as documents and a laptop computer bearing an Al-Qaida flag as a sticker. Robert B. and Christian E. were arrested as terror suspects.

A few weeks later British prosecution accuses the two German converts of possessing material which can be used to build bombs and explosives and to plan terrorist attacks in the UK. Amongst the material found when B. and E. had entered the UK was a document titled „How to build a bomb in your Mom´s kitchen“ – a article from the English-language Online magazine „Inspire“ produced by Al-Qaida in Yemen. „44 Ways of supporting Jihad“, a essay by US-Yemeni cleric Anwar al-Awlaki was also part of the material in E. and B.´s possession.

In Solingen, a mid-size town in Western Germany, the Muslim community was shocked by the news of the two men´s arrest in Britain: Robert B. and Christian E. are both from Solingen.

Back in 2010 Robert B.´s mother had contacted the German Verfassungsschutz (Interior intelligence agency), told them about her son´s behavior. Robert, a shy and very friendly young boy, wanted to join the military when he was 17 and later successfully finished an apprenticeship. Soon after came in contact with Salafi Islam. Robert´s father had died a few years ago, his mother tells, only three days before his 13th birthday. Within Solingen´s Salafi community the White convert found new friends and an environment he was happy in. That was in January 2009.

„He only talked about paradise, about infidels going to hell and that I should wear a burqa“, Robert´s mother says. Her son began wearing long robes, reading the Quran and was regularly visiting mosques and lectures by fellow convert and Salafi preacher Pierre Vogel. Week after week Robert B. who called himself „Abdel Rahman“ was not sleeping at home in his bed but instead spent nights in the mosque.

There he had met another White convert, Christian E. aka „Abdul Malik“ , who had converted to Islam back in 2003. E., a blonde and blue-eyed 28 year-old man, who loves ice hockey and Rap music, was a well-known figure in the radical Salafi community, somebody keeping a low-profile but was known to German counter-terrorism. As the two befriended, both converts were monitored because of their behavior. My sources say B. and E. were known supporters of Jihad, and also important figures within Germany´s Islamist community regarding travels to the Pakistani terror camps.

B. and E. traveled to the Middle East themselves last year. In Egypt the converts planned to learn Arabic. Due to the political unrest and serious money issues both of them returned to Germany earlier this year.

In one of the mosques in Solingen Robert B. and Christian E. visited the Friday prayers on a regular basis. Very often both of them stayed after the lecture, sitting in the mosque with their laptops, talking to other Muslims and the Imams. The mosque leaders remember the converts as nice and pretty calm people, not talking about politics or Jihad openly.

„One day, police showed up“, a mosque official told me, „they told me Abdul Malik and Abdel Rahman were in contact with dangerous people. I should not let them infiltrate the community. So I decided to ask them to leave the mosque and they did without protesting.“

Christian E. was living at various places in Solingen before moving to a different mosque („Masjid Ar-Rahman“) where his name even appeared on the mailbox. It seems like the Salafi mosque „Deutsch-Islamistes Zentrum“ in the North of Solingen became his home before he travelled to Britain in July.

Still unknown is the reason for the convert´s journey to England. It is very likely one or both of them have been in touch with Islamists in the UK, possibly via Facebook. In recent months the connection between UK and German Islamists has grown stronger, mainly through the cooperation of Salafi Media. Question remains why Robert B. and Christian E. did not even try to hide the propaganda material they were importing to the UK.

The father of Christian E. says his son is not a terrorist. All material found in Christian´s luggage „is freely available on the Internet by everyone“, he says. According to British Anti-Terror Laws the possession of material that can be used to plan and carry out a terrorist attack is a crime that can lead to several years in prison.

Up to August 24th both Germans are held in custody at Belmarsh Prison in London. The next hearing is scheduled in the coming days. During the first hearing back in July, Christian E. and Robert B. did refuse to rise for the judge and instead told the court they would only submit themselves to Allah.

A lawyer from Solingen is now trying to get access to Robert B.. He says he will try to visit the arrested terror suspect, who is held in single detention and is under constant survaillance, together with B.´s mother next week. The lawyer fears a long prison term if Robert B. is sentenced in the UK. Therefore he is planning to get him sent back to Germany so he can be put on trial there.