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Abu Usama trägt jetzt AK

von Florian Flade

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„Ist es nicht Zeit, dass du deine Waffe nimmst?“, fragt der Mann, der sich „Abu Usama al-Gharib“ nennt. Er spricht mit eindringlicher Stimme. Immer wieder wird er laut, er schreit. Dann wieder schärft er seinen Zuhörern mit ruhiger Stimme ein: „Strebt nach dem Märtyrertod!“

Das neue Video des österreichischen Islamisten Mohammed Mahmoud tauchte heute im Internet auf. Es ist der erste Videoauftritt von Mahmoud seit mehreren Monaten und wohl auch nicht brandaktuell. Aufgenommen wurde die Rede offenbar bereits im vergangenen Jahr, denn sie ist als „Khutba“ zum islamischen Opferfest Eid al-Adha betitelt. Eid al-Adha fand am 28.Oktober 2012 statt.

Die knapp halbstündige Videobotschaft des salafistischen Hardliners enthält die typischen radikalen Phrase. „Der Dschihad ist heute eine individuelle Pflicht, daran gibt es keinen Zweifel“, erklärt Mahmoud eindringlich und ruft seine Anhängerschaft auf, in den Krieg gegen die Ungläubigen zu ziehen, sich zu Opfern für Allah.

Mahmoud selbst hatte zuletzt in Hessen gelebt, nachdem er zwischenzeitlich seinen Wohnort von Wien nach Berlin und dann nach Solingen verlegt hatte. Inzwischen lebt der Österreicher in Ägypten. Dahin hatte sich Mahmoud abgesetzt, nachdem ihm das hessische Innenministerium im April 2012 mit einer Abschiebung gedroht hatte.

In Nordafrika arbeitet Mahmoud nun an der Wiederbelebung des in Deutschland verbotenen „Millatu-Ibrahim“-Netzwerkes. Zahlreiche deutsche Salafisten folgten dem radikalen Prediger und wanderten ebenfalls nach Ägypten aus. Darunter der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert.

Was Sicherheitsbehörden an dem neuesten Videoauftritt von Mahmoud besonders interessieren dürfte, ist die Tatsache dass der Islamist während seiner Predigt ein Kalaschnikov-Sturmgewehr über der Schulter hängen hat. Wie hier auf einem Screenshot erkennbar.

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Offenbar hat Mahmoud, der eine vierjährige Haftstrafe in einem Wiener Gefängnis verbüßte, seine Transformation inzwischen abgeschlossen. Vom einstigen Provinzprediger hin zum bewaffneten Gotteskrieger.

Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden versucht Mahmoud fieberhaft Kontakt mit den Al-Qaida-Ablegern in Westafrika und dem Jemen zu knüpfen. Der Extremist will die deutschsprachige Dschihad-Propaganda ausweiten, sich in Nordafrika als feste Größe der Dschihadisten-Szene etablieren und reale Verbindungen zu Terrornetzwerken herstellen.

Zu diesem Zweck setzte sich Mahmoud im vergangenen Jahr kurzfristig nach Libyen ab. In der Küstenstadt Derna suchte er Kontakt zu lokalen Dschihadisten-Gruppierungen. Eine zuvor geplante Gründung eines deutschsprachigen Propagandazentrums für den Dschihad in Benghazi scheiterte.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Dr.Hans-Georg Maaßen, äußerte in den vergangenen Monaten mehrfach seine Besorgnis über die Ausreisen von Salafisten aus Deutschland nach Ägypten. In Sicherheitskreisen wird befürchtet, die Fundamentalisten könnten womöglich noch weiter radikalisiert, oder im schlimmsten Fall sogar terroristisch ausgebildet, in die Bundesrepublik zurückkehren.

Es gebe außerdem bereits Hinweise, so Maaßen, dass einige Islamisten aus Deutschland nach einem Zwischenstop in Kairo oder Alexandria weiter in terroristische Ausbildungslager in anderen Ländern reisen.

Ortswechsel: Islamisten-Duo verlässt Berlin

von Florian Flade

Der islamistische Ex-Rapper Denis C. und der österreichische Prediger Mohammed M. haben Berlin den Rücken gekehrt. Die beiden prominenten Islamisten leben jetzt in Bonn und Solingen. Die Sicherheitsbehörden sind besorgt.

Quelle: Youtube

Mohammed M. und Denis C. bei einem Vortrag

Noch im November traf man Denis C. häufig in Berlin-Kreuzberg udn Neukölln an. Zwischen Hermannplatz und Kottbusser Tor war der Ex-Gangsta-Rapper, der sich einst “Deso Dogg” nannte, oft bis spät in der Nacht unterwegs.

Er, der seit Jahren als islamistischer Rapper und Prediger von sich Reden macht, rief muslimische Jugendliche auf, zum wahren Glauben zu finden. Sie sollten die Finger von Alkohol, Drogen, von Rap-Musik und Partys lassen.

Jetzt scheint Denis C. alias “Abu Talha” die Missionierung seiner Berliner Mitbürger aufgegeben zu haben. Der Islamisten-Rapper hat Berlin nach über 30 Jahren den Rücken gekehrt. Die Hauptstadt, so sagte er alten Schulfreunden, sei “verloren”. Die neue Heimat von Denis C. ist das Rheinland. Nach meinen Informationen lebt der Berliner Islamist seit einigen Wochen in Bonn.

Berliner Staatsanwalt schaft ermittelt gegen Denis C.

Genaue Gründe für den Umzug nach Bonn sind unklar. Möglicherweise war Denis C. der Verfolgungsdruck durch die Behörden und jüngst auch durch die Justiz in der Hauptstadt zu groß. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Denis C. eröffnet hat.

Es bestehe der Verdacht der Volksverhetzung, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Denis C. soll in seinen islamistischen Kampfliedern („Nashid“ genannt) zum Dschihad aufgerufen und Andersgläubige beleidigt haben. Den im Mai 2011 getöteten Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden nannte er in einem Lied „den schönsten Märtyrer dieser Zeit“.

Extremist „Abu Usama al-Gharib“ zieht nach Solingen

Denis C. ist nicht der einzige prominente Islamist, der Berlin seit Jahresbeginn verlassen hat. Der Österreicher Mohammed M. alias „Abu Usama al-Gharib“, der wie Denis C. dem extremistischen Flügel der Islamisten-Szene zugerechnet wird, hat ebenfalls seinen Wohnort gewechselt.

Dabei war der umstrittene Prediger erst Ende 2011 aus Österreich ausgewandert und nach Berlin gezogen. Nun hat er die Hauptstadt wieder verlassen und lebt nun im bergischen Solingen.

Mohammed M. hatte in Österreich eine vierjährige Haftstrafe wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Nötigung der Bundesregierung, versuchter schwerer Nötigung und Gutheißung abgesessen.

Im September 2011 wurde M. aus dem Gefängnis entlassen und wanderte nach Deutschland aus. In Berlin schloss er sich dem Umfeld von Ex-Rapper Denis C. an, mit dem er bereits während der Haft in Kontakt stand.

Pionier des deutschsprachigen Online-Dschihadismus

Terror-Experten wie Dr.Guido Steinberg von der Stiftung Politik und Wissenschaft bezeichnen Mohammed M. als „einen der Pioniere des deutschsprachigen Online-Dschihadismus“. Schon kurz nach seiner Haftentlassung im vergangenen Jahr wurde er wieder im Internet aktiv. Er rief das Internet-Projekt „Millatu Ibrahim“ ins Leben, eine Webseite, die inzwischen als neue Propaganda-Plattform der deutschsprachigen Islamisten-Szene gilt.

Wie eng Mohammed M.s Kontakte auch zu mutmaßlich gewaltbereiten Islamisten in Deutschland sind, zeigt ein Foto, das Ende Oktober 2011 aufgenommen wurde. Es zeigt Mohammed M. zusammen mit Ex-Rapper Denis C., und den beiden Terrorverdächtigen Hani N. und Samir M..

Letztere waren am 8. September 2011 unter dem Verdacht der Anschlagsvorbereitung in Berlin festgenommen worden, mussten aber im Oktober aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Imam in der neu benannten „Millatu-Ibrahim-Moschee“

In seinem neuen Wohnort Solingen hat Mohammed M. mittlerweile eine dominierende Rolle innerhalb einer Moschee-Gemeinde eingenommen, die schon früher aufgrund der islamistischen Tendenzen ins Visier der Sicherheitsbehörden geriet.

Das „Deutsch-Islamische Zentrum Solingen“, ein kleiner Hinterhofbau in der Solinger Nordstadt, wurde kurzerhand umbenannt und heißt jetzt – angelehnt an die Webseite von Mohammed M. – “Millatu-Ibrahim-Moschee”. Der Österreicher hat sich in der Solinger Moschee inzwischen als Imam etabliert und predigt allwöchentlich.

Weshalb Mohammed M. ausgerechnet in diesem Moschee-Verein aktiv wurde, bleibt fraglich. Die Moschee gilt aus Sicht der deutscher Sicherheitsbehörden seit Jahren als Anlaufpunkt radikaler Islamisten. Im Juli 2011 waren zwei deutsche Konvertiten von dort bei der Einreise nach Großbritannien festgenommen worden. Die beiden Männer hatten islamistisches Propagandamaterial, darunter auch Anleitungen zum Bombenbau im Gepäck.

Brisante Entwicklungen in der Islamisten-Szene

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom „Zentrum für Demokratische Kultur (ZDK)“ vermutet, der Verfolgungsdruck auf Denis C. und Mohammd M. sei in Berlin zu groß geworden. Daher der Umzug nach Nordrhein-Westfalen.“Beide galten in Berlin als die gefährlichsten Propagandisten und wurden dementsprechend beobachtet“, erklärt Dantschke.

Darüber hinaus gebe es innerhalb der nordrhein-westfälischen Islamisten-Szene brisante Entwicklungen. Die Berliner Islamisten hätten großes Interesse daran, diese zu beeinflussen.

„Seit mehreren Monaten laufen in NRW Bemühungen, die salafistische Szene, die sich im letzten Jahr sehr zersplittert hat, wieder zusammenzuführen“, so die Islamismus-Expertin, „Die Verlagerung von Millatu Ibrahim nach Solingen und der Umzug von Ex-Rapper Denis C. nach Bonn, schaffen bessere Voraussetzungen für die radikalen Elemente, sich in diese Bemühungen einklinken und deren Ausrichtung mitbestimmen zu können.“

„Ich bin kein Staatsdiener, ich bin Staatsfeind“

Um welche Ausrichtung es Mohammed M. und Denis C. dabei geht, machen beide unverblümt in ihren Videopredigten deutlich. „Wir werden diesen Weg weitergehen, egal wer damit zufrieden ist und wer nicht! Ich schwöre bei Allah: Allahs Sieg ist nahe!“, predigte der Österreicher Mohammed M. jüngst in Solingen.

„Ich bin kein Staatsdiener, ich bin Staatsfeind“, erklärte Ex-Rapper Denis C. bereits Ende 2011 in einem Videobeitrag, „Ich bin ein Muslim, ich bin gegen die Gesetze dieser Regierung, ich bin gegen Demokratie, ich bin gegen Integration, ich bin für die Sharia“.