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Dschihad? Keine gute Idee

von Florian Flade

Das US-Außenministerium startet eine Online-Kampagne um die Rekrutierung von jungen Amerikanern durch islamistische Terrorgruppen einzudämmen. Experten hoffen so, Jugendliche von Reisen nach Syrien, Jemen oder Somalia abzuhalten.

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Omar Hammami war dabei die Karriereleiter des internationalen Terrorismus zu erklimmen. Geboren in Daphne, im US-Bundesstaat Alabama, verschrieb sich der Sohn eines Syrers und einer Amerikanerin schon früh dem radikalen Islam. Hammami verließ die USA und reiste in das ostafrikanische Bürgerkriegsland Somalia. Der US-Amerikaner wollte in den Dschihad ziehen. Die Ungläubigen bekämpfen.

Heute ist Hammami tot. Getötet von seinen einstigen Weg- und Kampfgefährten der Terrormiliz Al-Shabaab. Zunächst begrüßten die somalischen Terroristen den hellhäutigen Amerikaner in ihren Reihen. Als „Abu Mansour al-Amrikki“ tauchte Hammami in mehreren Propagandavideos auf und veröffentlichte dschihadistische Rap-Songs.

Irgendwann aber begann sich das Blatt zu wenden. Das Misstrauen der Al-Shabaab-Kämpfer wuchs. Hammami kritisierte die Terrorgruppe und fiel in Ungnade.

In einem Youtube-Video flehte der amerikanische Dschihadist im vergangenen Jahr um sein Leben. Man habe ihn zum Tode verurteilt. Al-Shabaab jage ihn nun und werde ihn töten, so Hammami. Und tatsächlich fanden die Extremisten den Amerikaner und richteten ihn am 12.September hin. Der Traum vom Dschihad, er wurde durch die Henker der Al-Shabaab beendet.

Mit Omar Hammamis Geschichte wollen US-Behörden nun eine Kampagne gegen die Radikalisierung junger Muslime starten. Unter Federführung des US-Außenministeriums soll mit Fotocollagen und klaren Aussagen in englischer Sprache die Online-Rekrutierung von amerikanischen Muslimen eingedämmt werden.

Du willst in den Dschihad? Keine gute Idee – so die etwas vereinfachte Aussage des Projekts „Think Again. Turn Away“, das am Mittwoch startete.

Platziert werden sollen die Warnhinweise in sozialen Netzwerken und in islamistischen Internetforen, über die bekanntermaßen englischsprachige Muslime von Islamisten angeworben werden.

Das Bild von Omar Hammami und zwei weiteren Amerikanern, die ebenfalls in Somalia starben, ist ein Teil der Kampagne. „Sie kamen für den Dschihad, aber wurden von Al-Shabaab ermordet“ steht neben der Fotocollage.

Auf einem anderen Bild ist Al-Qaida-Führer Ayman al-Zawahiri neben dem syrischen Dikator Baschar al-Assad zu sehen. Im Hintergrund die Ruinen syrischer Wohnhäuser. „Assad und al-Qaida im Wettrennen Syrien zu zestören“, so die Botschaft des Bildes. „Mach es nicht noch schlimmer.“

Die Szene nach einem Autobombenanschlag hat das US-Außenministerium mit der Frage versehen: „Wie kann das Abschlachten der Unschuldigen der richtige Weg sein?“

Die Experten des Außenministeriums sind alarmiert über die Zahlen junger Amerikaner, die sich in den Kriegsgebieten im Nahen Osten und in Afrika islamistischen Terrorgruppen anschließen. Insbesondere nach Syrien, Jemen und Somalia reisen aktuell Dutzende amerikanische Staatsbürgern, um sich am Dschihad zu beteiligen.

Die Mehrzahl der rekrutierten Muslime sei männlich und zwischen 18 und 30 Jahren alt, so die Analyse. Fast alle sprechen Englisch. Und kamen vor ihrer Ausreise mit englischsprachiger Dschihad-Propaganda im Internet in Kontakt.

„Viele ausländische Dschihad-Kämpfer kommen aus dem Westen und mindestens ein Al-Qaida-Ableger, die Al-Shabaab, nutzt Englisch, um neue Kämpfer online zu rekrutieren“, sagt William McCants, ein ehemaliger Terrorismus-Fachmann im US-Außenministerium. der New York Times. „Also macht es Sinn, Englisch zu schreiben, um diese Rekrutierungsversuche zu bekämpfen.“

Im September wurde bekannt, dass die USA zusammen mit der Türkei rund 200 Millionen US-Dollar investieren wollen, um die Radikalisierung von jungen Muslimen zu verhindern. Finanziert werden sollen durch diesen Etat unter anderen Webseiten und Initiativen in sozialen Netzwerken, die der dschihadistischen Ideologie entgegen wirken oder diese entlarven.

Sicherheitsbehörden identifizieren „Abu Osama“

von Florian Flade

Ein deutscher Islamist aus Nordrhein-Westfalen kämpft für al-Qaida in Syrien und stößt in einem Video Drohungen aus. Deutschen Sicherheitsbehörden ist der Extremist schon bekannt.

„Mein Name ist Abu Osama, ich komme aus Deutschland“, sagt der Mann mit dem rotbraunen Bart und den türkisblauen Augen in akzentfreiem Deutsch. In der Hand hält er dabei ein Sturmgewehr. „Ich bin nach Syrien ausgewandert (…). Ich habe mich der Karawane des Dschihads angeschlossen.“
Ein zum Islam konvertierter Deutscher wirbt in einem Propagandavideo aus Syrien für den Terrorkrieg der Al-Qaida. Er ruft deutsche Muslime auf, ihm in den „Heiligen Krieg“ zu folgen. Und er droht den „Ungläubigen“. Wer ist der Mann, der sich „Abu Osama“ nennt?


Seit dem Wochenende analysieren Fachleute des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) das Al-Qaida-Video, über das die „Welt“ exklusiv berichtet hatte. Der Abteilung Sechs des Verfassungsschutzes, zuständig für „Islamistischen Extremismus und Terrorismus“, gelang es inzwischen, „Abu Osama“ zu identifizieren. Es soll sich demnach um Philip B., einen 26-jährigen Konvertiten aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken, handeln.


Nach Informationen der „Welt“ gingen beim Verfassungsschutz seit dem Auftauchen des Propagandavideos im Internet mehrere Hinweise von Bürgern ein, die Philip B. erkannt hatten. Insbesondere ein markantes Tattoo am Hals verriet offenbar den Dinslakener.


Philip B. soll im Jahr 2009 zum Islam konvertiert sein. Zuletzt verkehrte der ehemalige Pizza-Bote und begeisterte Fußballer in der radikalislamischen Szene. Der Verfassungsschutz stuft ihn als Anhänger des Salafismus ein. Zusammen mit mindestens vier weiteren Salafisten aus der Region Dinslaken soll Philip B. vor einigen Monaten nach Syrien gereist sein. Wie seine Mitstreiter soll der Konvertit für seine Familie einen Abschiedsbrief hinterlassen haben.


Die ausgereisten Islamisten gingen gemeinsam zur Berufsschule und reisten wohl zusammen per Auto in die Türkei. Anschließend fuhren sie weiter nach Syrien. Dort schlossen sich die Islamisten aus Deutschland offenbar der Terrororganisation „Islamischer Staat im Irak und Levante“ (englische Abkürzung ISIS) an, die als Ableger des Al-Qaida-Netzwerkes gilt.


Am Wochenende veröffentlichte ISIS ein Propagandavideo, in dem Philip B. alias „Abu Osama“ zu sehen ist. Es ist der erste Videobeweis dafür, dass ein deutscher Islamist in den Reihen des Al-Qaida-Ablegers kämpft.


„Die Kuffar („Ungläubige“, Anmerkung der Red.) sollen über die Worte nachdenken und sich uns anschließen“, warnt Philip B. in seinem Drohvideo. „Ansonsten seid ihr unsere Feinde und wir werden euch bekämpfen!“


Dem 26-jährigen Nordrhein-Westfalen scheint es bei seinem Kampfeinsatz in Syrien nicht nur um das Assad-Regime zu gehen. So schrieb er gerade erst auf seiner persönlichen Seite: „Sogar in Vietnam hat Amerika verloren. Was wollen sie dann erst gegen Jugendliche machen, die den Tod mehr lieben als sie das Leben!!!“

„Weil ich Osama Bin Laden liebe“

von Florian Flade

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Video auftauchen würde. Ein deutscher Islamist ruft seine Glaubensbrüder in Deutschland auf, nach Syrien zu reisen, um sich dem „Heiligen Krieg“ anzuschließen. Der Mann nennt sich „Abu Osama“ und ist zum Islam konvertiert. Mit Kalaschnikow sitzt er vor der Ruine eines Hauses irgendwo in Syrien und wirbt für Al-Qaida, den Kampf gegen das Assad-Regime und den Märtyrertod.

Das islamistische Propagandavideo, in dem „Abu Osama“ zu sehen ist, liegt der „Welt“ vor. Veröffentlicht hat es die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und Levant“, ein Ableger des Al-Qaida-Netzwerkes, auf einschlägigen Internetseiten.

„Mein Name ist Abu Osama, ich komme aus Deutschland. Und ich bin vor circa vier Jahren Muslim geworden“, sagt der islamistische Kämpfer. „Ich bin nach Syrien ausgewandert, um das Wort meines Schöpfers das höchste zu machen (…) Ich habe mich der Karawane des Dschihads angeschlossen.“

Weiter erklärt der Konvertit, es sei Pflicht für die Muslime in Deutschland nach Syrien auszuwandern und dort in den Dschihad zu ziehen. „Bruder und Schwester, macht die Auswanderung in den Dschihad. Der Dschihad ist Pflicht. Beteilige dich am Dschihad“, so „Abu Osama“. „Sag nicht, wir sind Terroristen. Wer sind Terroristen? Die Amerikaner sind die Terroristen!“

Und anschließend liefert der selbsternannte Dschihadist auch noch eine Begründung für die Wahl seines Kampfnamens: „Warum habe ich mich Abu Osama genannt? Weil ich Osama Bin Laden liebe. Warum? Er hat den Köpfen der Ungerichtigkeit einen Schlag verpasst!“

In deutschen Sicherheitskreisen wird das Video aus dem syrischen Bürgerkrieg derzeit von Experten des Verfassungsschutzes geprüft. Ihr primäres Ziel ist es, die Authentizität der Aufnahme festzustellen und die Identität des Dschihadisten herauszufinden.

Sollte der Konvertit tatsächlich für die syrische Al-Qaida kämpfen, wäre das Video der erste Beleg für einen Deutschen in den Reihen der Terrororganisation.

Bereits seit Jahresanfang warnt der Verfassungsschutz regelmäßig vor einem wachsenden Strom radikaler Islamisten aus Deutschland, die nach Syrien reisen, um sich dort am bewaffneten Kampf gegen das Assad-Regime zu beteiligen.

„Weit über 210 Leute, die wir kennen, sind nach Syrien gegangen. Das Dunkelfeld kennen wir nicht“, sagte Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, noch im Oktober. Rund 60 Prozent der ausgereisten Islamisten seien deutsche Staatsbürger. Einige von ihnen sollen noch minderjährig sein.

In Einzelfällen konnten Sicherheitsbehörden die Ausreisen von besonders gefährlichen Islamisten in den syrischen Bürgerkrieg verhindern. Der Mehrheit der Dschihad-Reisenden allerdings gelang es problemlos, über die Türkei in das Kriegsgebiet zu gelangen.

Der Aufenthalt in Syrien, so die Sorge der Sicherheitsbehörden, könnte einige Islamisten zusätzlich radikalisieren. Es sei kaum nachvollziehbar, wer sich welcher Gruppierung angeschlossen hat und wer eine paramilitärische Ausbildung an Waffen und Sprengstoff erhalten hat.

„Wir wissen, dass einige deutsche Islamisten alles daran setzen, in die Al-Qaida aufgenommen zu werden“, sagt ein Ermittler. „Wir wissen aber auch, dass die Terrorgruppen sehr misstrauisch sind, was Kämpfer aus dem Westen angeht.“

Die Rückkehrer aus dem syrischen Dschihad seien ein nicht zu unterschätzendes Risiko, warnen Verfassungsschützer. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Leute auch Anschläge in Deutschland begehen wollen“, so ein Verfassungsschützer. Deshalb habe man die Rückkehrer besonders im Blick.

Mindestens acht Islamisten aus Deutschland sollen bislang in Syrien getötet worden sein, mutmaßt der Verfassungsschutz. Bei einigen gibt es dafür hinreichende Hinweise. Etwa bei Burak Karan, einem ehemaligen Fußballprofi aus Wuppertal. Der 26-jährige Deutsch-Türke spielt einst in der U-17 Nationalmannschaft an der Seite von Kevin-Prince Boateng und Sami Khedira.

Nachdem er seine Fußball-Karriere durch eine Verletzung beenden musste, wandte sich Karan offenbar verstärkt dem Islam zu. Er geriet in islamistische Kreise in Nordrhein-Westfalen und radikalisierte sich zunehmend. Irgendwann Anfang des Jahres reiste Burak Karan schließlich samt Ehefrau und seinen beiden Söhnen nach Syrien aus. Um den notleidenden Menschen zu helfen, sagt sein Bruder.

In einem Internetvideo feiern Islamisten den deutschen Ex-Fußballprofi inzwischen als Märtyrer. Am 11.Oktober starb Burak Karan alias „Abu Abdullah at-Turki“ bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe nahe der Stadt Azaz. „Nun ist er bei seinem Herrn. Möge Allah ihn akzeptieren“, heißt es in dem Video über Karan.

Der Tod von Burak Karan und der anderen im syrischen Bürgerkrieg, scheint keine abschreckende Wirkung auf junge Islamisten aus der Bundesrepublik zu haben. Auch in den vergangenen Wochen sollen wieder Personen nach Syrien ausgereist sein. Unter ihnen Jugendliche, die sich innerhalb weniger Wochen radikalisiert haben sollen. Ein Staatsschützer warnt: „Bei manchen geht es quasi vom Schulhof direkt in den Dschihad.“