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Zahlte die Bundesregierung Lösegeld an Al-Qaida?

von Florian Flade

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Jemenitischer Al-Qaida-Anführer „Abu Basir“

Das Datum war sicher kein Zufall. Am 19. Januar, einen Tag vor der Amtseinführung von Donald Trump, gab das Büro des US-Geheimdienstkoordinators James Clapper eine überraschende Veröffentlichung bekannt: 98 Dokumente aus dem Versteck des getöteten Al-Qaida-Führers Osama Bin Laden wurden ins Netz gestellt. „Closing the Book on bin Laden“, ließ Clapper verlauten. Soll heißen: Es sind vermutlich die letzten Schriftstücke des Top-Terroristen, die an die Öffentlichkeit gelangen werden.

Mehr als 1 Million Dateien, Notizen, Bücher und Aktenordner sollen in Bin Ladens Villa im pakistanischen Abbottabad im Mai 2011 von US-Spezialeinheiten erbeutet worden sein. Die Unterlagen, die sich auf Computern, DVDs, USB-Sticks und Festplatten befanden, wurden von der CIA jahrelang ausgewertet. Ein kleiner Teil – rund 620 Dokumente – wurde schrittweise öffentlich gemacht. Es handelt sich dabei vor allem um Strategie-Papiere, teils unveröffentliche Reden und Briefwechsel zwischen dem Al-Qaida-Chef und seinen Statthaltern im Nahen und Mittleren Osten.

Einer dieser Briefe liefert bislang unbekannte Einblicke in die Geiselnahme einer deutschen Familie im Jemen. Das Schriftstück legt zudem nahe, dass in dem Fall wohl Lösegeld an Al-Qaida gezahlt wurde.

Im Juni 2009 waren Johannes und Sabine H., die für eine christliche Hilfsorganisation arbeiteten, mit ihren Kindern Anna, Lydia und dem damals einjährigen Sohn Simon im Norden des Jemen verschleppt worden. Die Familie aus Sachsen war gemeinsam mit zwei Bibel-Schülerinnen aus Nordrhein-Westfalen, einer koreanischen Lehrerin und einem britischen Ingenieur auf dem Rückweg von einem Ausflug in ein Wadi nahe der jemenitischen Stadt Saada.

Nur wenige Tage nachdem die Reisegruppe verschwand, fanden jemenitische Sicherheitskräfte in einem ausgetrockneten Flussbett die Leichen der beiden deutschen Bibel-Schülerinnen und der Südkoreanerin. Offenbar hatten die Geiselnehmer die Frauen erschossen.

Die sächsische Familie H. blieb monatelang verschwunden. Wer sie entführt hatte, war lange unklar. Zuerst hieß es, lokale Stämme seien für die Verschleppung verantwortlich. Dann wurde berichtet, Al-Qaida stecke dahinter. Es folgten Gerüchte über Lösegeld-Forderungen in Millionen-Höhe. Den Krisenstab in Berlin erreichten außerdem mindestens zwei Geisel-Videos. Darin zu sehen war das Ehepaar H. mit ihren offensichtlich erschöpften, und gesundheitlich angeschlagenen Kindern.

Im Mai 2010, rund ein Jahr nach ihrem Verschwinden, kam schließlich die Meldung: Die entführten Mädchen Anna und Lydia sind frei. Saudi-arabische Sicherheitskräfte sollen die beiden Kinder im Nordjemen befreit haben. Es sei keine militärische Befreiungsaktion gewesen, sondern eine „Rettungsaktion“, betonte der saudische Innenminister Mansur Turki. In anderen Berichten hieß es, die Mädchen seien von jemenitischen Stammesleuten an die saudischen Vermittler „übergeben“ worden.

Ein zweiseitiges Schriftstück aus Osama Bin Ladens Versteck in Abbottabad lässt vermuten, dass die Freilassung der deutschen Kinder wohl gegen Lösegeld erfolgt ist. Es ist ein Brief des jemenitischen Al-Qaida-Chefs Nasir al-Wuhayshi („Abu Basir“) an den Al-Qaida-Militärchef Jamal Ibrahim al-Misrati („Atiyah Abd al-Rahman al-Libi“), datiert auf den 08. Juni 2010.

„Ich war so erfreut, deinen Brief zu erhalten“, beginnt der Emir der Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) sein Schreiben. „Ich habe nachfolgend einige wichtige Botschaften.“ Al-Wuhayshi berichtet über Kontakte zu somalischen Dschihadisten und über deren Wunsch sich Al-Qaida anzuschließen. Dann geht es um eine Geiselnahme.

„Vor ungefähr einem Jahr haben wir neun Christen entführt, darunter Deutsche, einen Briten und eine Koreanerin. Die Brüder haben drei Frauen getötet. Dann haben sich eine Frau und ihr Ehemann gewehrt und sie wurden gemeinsam mit dem Briten getötet. Die drei Kinder blieben ein Jahr lang bei uns. Wir haben versucht, dich zu kontaktieren. Ohne Erfolg. Das Kind starb vor rund zwei Wochen und wir haben die verbliebenen zwei Kinder gegen ein kleines Lösegeld ausgetauscht. Wir waren nicht erfahren mit Geiselnahmen (…) Wir hatten außerdem kein gutes Versteck und daher konnten wir die Entführung nicht so ausnutzen, wie wir es hätten machen sollen (…) Das ist die Zusammenfassung der Entführung der Evangelikalen.“

Die Details zur Geiselnahme, die der jemenitische Al-Qaida-Chef in seinem Brief erwähnt, decken sich weitestgehend mit den bereits bekannten Informationen. Über Lösegeld war bislang allerdings nur spekuliert worden.

Im September 2014 hatten Angehörige der Familie H. eine Mitteilung des Auswärtigen Amtes erhalten. „Gemäß hier vorliegendem zuverlässigen nachrichtendienstlichen Aufkommen wurden Johannes, Sabine und Simon H. im Verlauf ihrer Entführung im Jemen getötet bzw. verstarben“, hieß es darin. Das „nachrichtendienstliche Aufkommen“ war wohl jener Brief aus dem Jemen, der im Bin Laden Versteck in Pakistan gefunden wurde.

Die beiden Mädchen Anna und Lydia kamen nach ihrer Freilassung zunächst in die Obhut von  saudi-arabischen Sicherheitskräften und dann wieder nach Deutschland. Sie sprachen nach elfmonatiger Geiselhaft fließend Arabisch und hatten offenbar von den Entführern auch neue Namen erhalten.

Zu Lösegeld, das an die Al-Qaida-Terroristen geflossen sein soll, will sich das deutsche Außenministerium derweil nicht äußern. Auf Nachfrage heißt es: „Die Bundesregierung äußert sich grundsätzlich nicht zu Entführungsfällen und Geiselnahmen deutscher Staatsangehöriger im Ausland.“

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Öl, Geiseln und Antiquitäten

von Florian Flade

BBC_IS

Acht Millionen Menschen in Syrien und dem Irak leben unter der Herrschaft der Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS). Innerhalb einer Jahres haben die Dschihadisten ihr Einflussgebiet massiv ausgeweitet und dabei Großstädte, Militärbasen, Banken und Öl-Felder erobert. Entstanden ist ein bislang beispielloser Terror-Staat.

Peter Taylor, Terrorismus-Experte der BBC, geht in der neuen, sehenswerten Dokumentation „The World´s Richest Terror Army“ der Frage nach, wie sich der IS finanziert und weshalb es den Islamisten gelang ein derart großes Territorium an sich zu reißen.

Der Film, in dem sowohl britische, amerikanische und irakische Geheimdienstler, Militärs und Terrorismus-Experten als auch IS-Anhänger zu Wort kommen, beleuchtet ein vielschichtiges Finanzsystem, gespeist durch Steuerabgaben, Öl-Schmuggel, Geiselnahmen, dem Handel mit antiker Kunst und staatlichen Gehältern, die lange Zeit im IS-Gebiet immer noch an irakische Beamte ausgezahlt wurden.

Sehen Sie die Dokumenation von Peter Taylor hier:

http://www.bbc.co.uk/iplayer/episode/b05s4ytp/this-world-worlds-richest-terror-army

 

UPDATE zu „Schweizer Geiseln in Pakistan“

Geiselvideo von Olivier O. und Daniela W. – mit falschem Datum

259 Tage arbeitete eine „Task Force“, eine Art Krisenstab des Schweizer Außenministeriums, an der Freilassung der beiden von Taliban in Pakistan verschleppten Schweizer Touristen Olivier O. und Daniela W. – gestern kamen das Berner Pärchen endlich frei.

Nach offizieller Version – vertreten durch die Schweizer Regierung und pakistanische Behörden – floss keinerlei Lösegeld für die Freilassung von Olivier O. und seinr Lebensgefährtin. Angeblich gelang den Schweizern die Flucht aus der Taliban Geiselhaft und sie schlugen sich durch bis zu einem Militärcheckpoint der pakistanischen Armee in Waziristan.

Wie aus Pakistan zu erfahren ist, war das Ende der Geiselhaft wohl eher keine spektakuläre Flucht aus einem Gehöft der Taliban, sondern das Resultat einer Lösegeld-Zahlung in Millionenhöhe.

Mitarbeiter des „Fata Research Center“ in Islamabad erfuhren aus Geheimdienstkreisen dass die Taliban-Geiselnehmer die beiden Schweizer offenbar nach Absprache an einem Checkpoint in der Nähe der Ortschaft Miranshah in Nord-Waziristan auf freien Fuß gesetzt hatten. Zuvor soll Lösegeld geflossen sein.

Pakistanische Quellen berichten, dass Gelder in Höhe von bis zu 8 Millionen Euro an die Taliban gezahlt wurden um die sichere Freilassung von Olivier O. und Daniela W. zu gewährleisten. Zusätzlich seien „mehrere Dutzend“ Taliban-Kämpfer des Kommandeurs Wali ur-Rehman aus Gefängnissen in den pakistanischen Stammesgebieten freigelassen worden.