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Der Islamist von der Flughafenbaustelle

von Florian Flade

Reda Seyam ist der wohl bekannteste Islamist der Hauptstadt. Der bullige Deutsch-Ägypter mit dem mächtigen Bart gilt laut Verfassungsschutz als einer der einflussreichsten Vertreter der Berliner Salafisten-Szene. Junge Islamisten sehen in ihm einen Veteranen des Dschihad. Im Umfeld der„As-Sahaba-Moschee“ in der Torfstraße im Stadtteil Wedding schart Seyam seit Jahren seine Anhängerschaft um sich, vor allem junge Männer. So wie Florian Andreas L.. Der 21-jährige Berliner ist vor Jahren zum Islam übergetreten. Zuerst nannte er sich „Ibrahim“, jetzt nennt er sich „Abu Azzam, der Deutsche“. Und er weicht kaum von Reda Seyams Seite.

Seyam, der als Kameramann den Dschihad in Bosnien in den 1990er Jahren und später in Indonesien filmte, ist der ideologische Ziehvater des jungen Konvertiten. Florian L. lernte bei Seyam das Kamerahandwerk. In Sicherheitskreisen heißt es, es wirke wie das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler.

Florian L. alias „Abu Azzam“ ist eng in die salafistische Szene Berlins eingebunden ist. Er steht seit heute prominent in den Schlagzeilen. Wie das Nachrichtenmagazin „Stern“ berichtet, wurden am 2.August bei einer Razzia des Hauptzollamtes Potsdam illegale Arbeiter auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld aufgegriffen. Es handelte sich um Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. Insgesamt 20 Schwarzarbeiter sollen für den Unterauftragnehmer der Sicherheitsfirma „Securitas“ den Zugang zur Baustellenverwaltung kontrolliert haben. Einer von ihnen: Florian L..

Die Nachricht ist brisant. Denn der Berliner Konvertit gilt als radikaler Islamist. Deutsche Sicherheitsbehörden stufen L. seit Juni als „relevante Person“ der islamistischen Szene und seit Juli sogar als „Gefährder im islamistischen Spektrum“ ein. Als eine Person, der jederzeit ein Terroranschlag zugetraut wird. Die Tätigkeit von L. auf der Flughafen-Baustelle wird in einem Schreiben des LKA Brandenburg als „Anlass zur Sorge“ bezeichnet.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) bestätigte den Vorgang. Die Polizei habe mit ihren Informationen einen „erheblichen Beitrag zur Aufdeckung“ geleistet, sagte er. Der Vorgang zeige, so Henkel, dass „die Sicherheitsbehörden in der Hauptstadt gut aufgestellt sind und unser Frühwarnsystem funktioniert“.

Offenbar galt die Razzia an der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens nicht alleine möglichen Schwarzarbeitern. Nach einem Hinweis der Berliner Kollegen soll das LKA Brandenburg am 2.August gezielt die Personalien von Florian L. überprüft haben. Es lagen Informationen vor, wonach sich der Konvertit samt Ehefrau möglicherweise bald schon nach Ägypten absetzen wollte.

Mehrere Islamisten aus dem Großraum Berlin sind in den vergangenen Wochen in das arabische Land ausgewandert. Die Ausreisewellen bereiten deutschen Sicherheitsbehörden zunehmend Sorge. Vielleicht deshalb entschieden die Behörden, in diesem Fall frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Inzwischen soll Florian „Abu Azzam“ L. ein Ausreiseverbot erteilt worden sein.

Der Konvertit arbeitete seit einigen Monaten neben seiner Tätigkeit an der Flughafenbaustelle auch für das islamistische Medienportal „Ar-Risalah“ von Reda Seyam. Dort stellte er regelmäßig Texte und teilweise selbst gedrehte Videobeiträge ins Netz. Darunter sind Aufnahmen, bei denen Florian L. Passanten an Koran-Verteilständen am Potsdamer Platz nach deren Meinung zum Islam befragt. Andere Aufnahmen zeigen die gewaltsamen Salafisten-Proteste von Bonn und Solingen, bei der Berliner Konvertit seinen Mentor Seyam begleitet hatte.

Im April schrieb Florian L. einen „Offenen Brief an Claudia Schmid“, die Präsidentin des Berliner Verfassungsschutzes. Darin beklagte er den angeblichen Kampf der Bundesregierung gegen die Muslime. „Abschließend möchte ich Ihnen versichern, dass sämtliche Bemühungen seitens der Bundesregierung, dem Islam und den Muslimen durch Diffamierungen und Hetzkampangen zu schaden, ins Leere laufen und nicht den von Ihnen erhofften Erfolg mit sich bringen werden“, heißt es in dem Brief.

Unterzeichnet wurde das Papier mit „Abu Azzam der Deutsche (Deutscher Muslim & Redakteur der Al Risalah Medienproduktion)“. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte Florian L. jüngst auch ein islamistisches Kampflied mit dem Titel „Wir werden siegen“. „Nimm unser Leben, wenn der Tod besser ist als dieses“, heißt es darin, „Lass uns die Feinde Allahs wegfegen. Sie wollen uns spalten, in Deutschland halten. Gib uns Gewalt über sie…Der Sieg ist unser!“

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom „Zentrum Demokratische Kultur“ in Berlin traf Florian L. mehrfach am Rande von Gerichtsprozessen und an den Koranverteil-Ständen. Sie beschreibt den jungen Konvertiten als eine Art „Azubi des Salafismus“. Reda Seyam habe sich Florian L. wohl gezielt ausgewählt und für die Propagandaarbeit ausgebildet, so Dantschke.

Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren ist, verkehrte Florian L., der in Berlin-Reinickendorf zur Schule ging, in den vergangenen Monaten immer häufiger in Kreisen polizeibekannter Extremisten. Er soll befreundet sein mit den beiden Islamisten Hani N. und Samir M., die im September 2011 als Terrorverdächtige kurzzeitig festgenommen worden waren.

Der Libanesen und der Palästinenser waren verdächtig, einen Bombenanschlag in Berlin geplant zu haben. Die Hinweise erhärteten sich allerdings nicht, so dass Hani N. und Samir M. freigelassen wurden. Es kam nicht zur Anklage.

Das Umfeld des Konvertiten Florian L. steht seit geraumer Zeit im Blick von Verfassungsschutz und Staatsschutz. Allzu häufig haben sich in diesem Milieu junge Muslime radikalisiert. Rund um die „As-Sahaba-Moschee“ im Wedding verkehren regelmäßig als gewalttätig eingestufte Salafisten. In dem ehemaligen Gemüseladen an der Torfstraße predigt der gebürtige Palästinenser Ahmad Amih alias „Abul Baraa“ eine strenge Islam-Auslegung. Zu seiner Zuhörerschaft gehören junge Araber, Türken, Bosnier, Afrikaner und Konvertiten wie Florian L..

Für das kommende Wochenende kündigte die rechtsextreme Partei „Pro Deutschland“ eine provokante Protestaktion in Berlin an. Vor drei Moscheen im Wedding und Neukölln wollen die Islamhasser unter dem Motto „Hasta la Vista Salafista“ demonstrieren. Dabei sollen islamkritische Karikaturen gezeigt werden.

Berliner Sicherheitsbehörden sind besorgt über eine mögliche Gewalteskalation zwischen radikalen Salafisten und Islamhassern. Die Polizei kündigte an, entsprechende Maßnahmen treffen zu wollen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, noch gebe es keine konkreten Hinweise darauf, dass sich die islamistische Szene der Hauptstadt gezielt auf eine gewalttätige Gegenaktion vorbereite.

Der Emir von Berlin

von Florian Flade

Er ist siebenfacher Vater, Veteran des Bosnien-Krieges, Hartz-IV Empfänger – und ein überzeugter Islamist. Der Deutsch-Ägypter Reda Seyam soll Terroranschläge mitfinanziert haben und gilt als Ikone der Berliner Salafisten-Szene. Ein Portrait.

Der Potsdamer Platz an einem Samstag im Mai. Junge Männer versammeln sich zum Gebet, viele mit Bart und langem Gewand, einige mit Flecktarn-Jacken und Palästinenser-Tüchern. Die fromme Truppe – Araber, Türken, Afrikaner, deutsche Konvertiten – will die Ehre ihres Propheten verteidigen. Den Salafisten gegenüber steht eine Handvoll Islamhasser. Sie tragen Plakate mit Mohammed-Karikaturen, wollen provozieren. Trotz des Polizeiaufgebots dauert es nicht lange und die Stimmung entlädt sich in Gewalt. Salafisten prügeln auf Polizisten ein. Die Beamten reagieren mit Pfefferspray und Knüppeln. Es gibt Verletzte und Verhaftungen. Kulturkampf im Miniformat, mitten in der Hauptstadt. Am Rande steht ein Islamist, der für seinen Dschihad weder Schwert noch Kalaschnikow, nicht einmal Fäuste braucht. Reda Seyams Waffe ist die Kamera.

Der bullige Mann mit dem mächtigen Rauschebart, mit Brille, Pluderhose und Gebetsmütze, hält sich bewusst abseits. Seyam filmt islamistische Kundgebungen wie jene auf dem Potsdamer Platz und stellt sie anschließend als Propagandafilm zusammengeschnitten ins Internet. In den Videos ist vor allem eines zu sehen: Zeitlupenaufnahmen von Polizisten, die randalierende Salafisten zu Boden werfen und versuchen, ihnen Handschellen anzulegen. Die Botschaft von Seyams Videos ist unmissverständlich: Der deutsche Staat bekämpft die Muslime.

Der Wahl-Berliner Seyam ist aus Sicht der Sicherheitsbehörden derzeit die Schlüsselfigur der Berliner Islamisten-Szene. Weil er verdächtigt wurde, 2002 die Anschläge in Bali mit vorbereitet zu haben, saß er im Gefängnis. Und dennoch lebt der 52-Jährige seit Jahren unbehelligt in Berlin-Charlottenburg – mit seiner zweiten Frau und sieben Kindern. Reda Seyam ist eine Symbolfigur für den Salafismus, den Behörden für eine gefährliche Strömung des Islam halten. Salafisten vertreten ein Weltbild aus dem 7. Jahrhundert, als der Prophet Mohammed lebte und es noch keine Rechtsstaatlichkeit oder Gleichberechtigung der Geschlechter gab. Seyam ist aber auch ein Symbol für den verzweifelten Versuch der Behörden, solch einen Menschen strafrechtlich zu belangen.

Reda Seyam kommt Mitte der 1980er-Jahre nach Deutschland. Damals ist er noch kein Fundamentalist. Als er 1988 eine deutsche Frau heiratet und eingebürgert wird, rauchte und trank er, und galt als Lebemann. Er sei „perfekt integriert gewesen“, erinnert sich seine Ex-Frau. Sie nennt sich heute Doris Glück und lebt in einem Zeugenschutzprogramm, weil sie mehrfach gegen ihren Ex-Mann ausgesagt hat. Die Radikalisierung war offenbar ein schleichender Prozess: Anfang der 1990er-Jahre zieht es ihn von seinem damaligen Wohnort Heidelberg regelmäßig nach Freiburg. Dort predigt ein Mann, der inzwischen als Terror-Pate gilt: Dr. Yahya Yusuf. Seyam hört dessen Predigten über den Kampf der Muslime in Bosnien und die Pflicht, in den Dschihad zu ziehen. Gemeinsam mit Yusuf gründet Seyam die angeblich humanitäre Organisation „Menschen helfen Menschen“ und zieht 1994 mit seiner Frau nach Bosnien.

Als Kameramann dokumentiert er den Kampf der bosnischen Mudschaheddin gegen die serbische Armee. Auch Exekutionen soll er gefilmt haben, behauptet seine Ex-Frau Jahre später. Mit den Videos sammelt er Spenden. „Mein Mann war ein Kurierfahrer für den Heiligen Krieg“, sagt Doris Glück. Als der Glaubenskrieg in Bosnien 1999 zu Ende geht, verlässt Seyam mit seiner deutschen Ehefrau und seiner albanischen Zweitfrau, der Witwe eines Märtyrers, den Balkan und wandert nach Saudi-Arabien aus.

Nur zwei Jahre hält es Reda Seyam im saudischen Königreich, dann zieht es ihn erneut in einen Dschihad. Diesmal nach Südostasien. Doris Glück weigert sich, ihm zu folgen. Sie lässt sich scheiden und kehrt nach Deutschland zurück. Im August 2002 mietet Seyam ein Haus in Indonesien. Arabische Gäste sollen dort ein- und ausgehen – darunter angeblich gesuchte Al-Qaida-Terroristen. Die CIA kontaktiert den indonesischen Geheimdienst. Im September 2002 wird Reda Seyam verhaftet.

Nur Wochen später, am 12.Oktober 2002, explodiert eine gewaltige Autobombe vor einem Nachtclub auf Bali. Mehr als 200 Menschen sterben. Seyam, so der Vorwurf der indonesischen Ermittler, soll den Al-Qaida-Anschlag mitfinanziert haben. Er bestreitet dies vehement. Bis heute kann Seyams Rolle beim Bali-Attentat nicht abschließend geklärt werden. Verurteilt wird er von einem indonesischen Gericht nur wegen Verstoßes gegen die Einreisebestimmungen.

Nach zehn Monaten Haft kommt Seyam frei. Der Islamist kehrt im Juli 2003 nach Deutschland zurück – begleitet von BKA-Beamten. „Du bist frei. Du kannst gehen, wohin du willst“, sagen die Sicherheitsbeamten. Seyam geht nach Neu-Ulm, verkehrt im Islamisten-Treff „Multikulturhaus“. Als die deutschen Behörden das Haus im Dezember 2005 schließen, geht Seyam nach Berlin.

In der Hauptstadt gerät Seyam erstmals im Jahr 2009 in die Schlagzeilen. Damals zieht der Islamist vor Gericht, weil er seinem neugeborenen Sohn einen ganz besonderen arabischen Namen geben will: „Dschihad“. Ein Standesbeamter weigert sich, den Namen einzutragen. Das Kindeswohl sei durch den vorbelasteten Begriff erheblich gefährdet. Das Amts-, Landes- und das Kammergericht sehen es anders. Vater Seyam bekommt Recht. „Dschihad“ sei ein gebräuchlicher arabischer Name, er bedeute nicht nur „Krieg“, sondern Einsatz und Anstrengung für den Glauben.

In vielen Moscheen der Hauptstadt gilt Seyam als „persona non grata“. In der „As-Sahaba Moschee“ im Stadtteil Wedding dagegen ist er ein gernsehener Gast – Seyam ist Mitbegründer der Gebetsstätte. In den Räumlichkeiten der Moschee an der Torfstraße war früher ein Lebensmittelladen. Das Predigen überlässt Reda Seyam dort dem Palästinenser Ahmad Amih alias Abul Baraa. In dessen Vorträgen dominiert ein Thema: Wir gegen Sie. Wir, das sind die wahrhaft gläubigen Muslime. Sie, das ist die deutsche Gesellschaft da draußen. „Seht Ihr nicht hier in Deutschland die Deutschen, wie sie leben“, predigt Amih, „So hat uns Allah nicht gesagt, dass wir leben sollen. So hat er den Tieren bestimmt, dass sie leben sollen.“

Während Ahmad Amih in der Moschee den Nährboden für radikalen Salafismus legt, konzentriert sich Reda Seyam mittlerweile auf das Internet. Er weiß um die Wirkung von Internet-Videos vor allem auf jugendliche Muslime. Seine in Heimarbeit produzierte Propaganda verbreitet er über eine eigene Plattform. Ar-Risala (Die Botschaft), so der Name seines Labels, das über eine eigene Webseite, ein eigenes Logo und einen Youtube-Kanal verfügt. Unterstützt wird Seyam bei seiner Propagandaarbeit von einem Berliner Konvertiten. Der junge Mann, der früher Florian hieß und sich inzwischen „Abu Azzam der Deutsche“ nennt, weicht kaum von Seyams Seite. Es wirkt wie das Verhältnis von Lehrling und Meister. Seyam filmt, der junge Salafist Abu Azzam moderiert, befragt Passanten zu Koran, Islam und ihrem Weltbild.

Das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) spricht wegen des Verdachts, er sei einer der Hintermänner beim Bali-Attentat 2002 gewesen, von einer „gewissen Märtyrer-Rolle.“ Die junge Generation der Salafisten, egal ob gebürtig Muslim oder konvertiert, sie sehen in Seyam einen Veteranen des Dschihad. Jemand, der dabei war und berichten kann vom heroischen Kampf der Mudschaheddin in Bosnien, vom frommen Leben in Saudi-Arabien, von Ägypten und von der Zeit im Gefängnis. In einer Dokumentation wurde Seyam zuletzt gefragt, welche Gesellschaftsform, seinen Vorstellungen am nächsten kommt, seine Antwort: die Herrschaft der Taliban in Afghanistan.

Claudia Dantschke, Islamismus-Expertin vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur (ZDK), hat Seyam mehrfach persönlich getroffen und mit ihm gesprochen. „Er hat die Aura eines Mudschahid. Das macht ihn für Jugendliche nicht nur authentisch, sondern verleiht ihm eine unerschütterliche Autorität“, sagt sie. Seyam nutze diese Autorität gezielt, um eine neue Generation in seinem radikal-islamistischen Sinne auszubilden.

Für Verfassungsschützer gibt es keinen Zweifel: Reda Seyam vertritt die Strömung des Salafismus, die den Dschihad befürwortet, und er wirbt gezielt für einen radikalen Islam. Kurzum: Er gilt als Radikalisierungsfaktor. Das alleine ist nicht strafbar. Nie konnten Seyam Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Qaida nachgewiesen werden, nie reichte es für Anklagen wegen Volksverhetzung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Beim Bundeskriminalamt türmen sich über 50 Aktenordner zum Fall „Reda Seyam“. Das Material, gesammelt von Verfassungsschutz und BKA seit der Verhaftung in Bali, ist bis heute nicht ausreichend, um Seyam anzuklagen. Es scheint, als wisse der Islamist nur zu gut, wie er dem Griff der Justiz entkommen kann.

Und so geht er weiter seiner Berufung nach: Filmen für Allah – am Potsdamer Platz in Berlin, aber auch zuletzt bei den Salafisten-Protesten in Köln, Solingen und Bonn. Er selber wird nicht gerne gefilmt: Vor kurzem wollte ihn ein Spiegel-TV-Kamerateam zu seiner Arbeit befragen. „Warum waren Sie in Bonn?“, wollte der Reporter wissen. Da brach es aus Reda Seyam heraus. „Was soll die Frage?“, raunte der Salafist und griff die Journalisten an. Er zerstörte eine Videokamera.

„Was soll die Frage?!“ – Reda Seyam greift Journalisten an

von Florian Flade

Quelle: SPIEGEL TV

Für die einen ist er ein Terrorverdächtiger und ein ideologischer Übervater der Berliner Salafisten-Szene, für die anderen eine Art Kameramann im Dienste des Islamismus – Reda Seyam. Eines ist sicher: Seyam, der seit Jahren als Terrorverdächtiger in Deutschland lebt und im Visier der Sicherheitsbehörden steht, ist wohl eine der schillerndsten Figuren der deutschen Islamisten-Szene und ein Pionier in der Propagandaarbeit mit der Kamera.

Keine größere Veranstaltung der vergangenen Monate, insbesondere nicht die Koran-Verteil-Aktion und die Proteste gegen den umstrittenen Karikaturen-Wettbewerb der rechtsextreme Partei „Pro NRW“ in Bonn und Köln, ließ Seyam aus. Er wolle die Bilder von deutschen Mohammed-Karikaturen in die arabische Welt bringen, meinen Kritiker. Seyams Interesse sei es, den Konflikt zwischen Salafisten und rechten Islamhassern anzuheizen. In Bonn und Köln war er mit der Kamera dabei, filmte Glaubensbrüder bei den gewalttätigen Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei.

Wird Seyam selbst mit der Kamera konfrontiert, dann reagiert der Salafist mitunter aggressiv.Das musste gestern ein Kamerateam von SPIEGEL TV am eigenen Leib erfahren (siehe Video hier), als die Reporter versuchten, Reda Seyam vor seiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg zu befragen.

Seyam entriss dem Kameramann noch durch die geöffnete Autotür die Kamera und zerstörte einen Teil der Technik im Wert von mehreren tausend Euro. Anschließend verfolgte der bullige Deutsch-Ägypter die Journalisten und attackierte sie.

Als die Polizei mit zwei Streifenwagen anrückte, nahmen die Beamten die Anzeigen gegen Reda Seyam auf: Versuch der schweren Körperverletzung und Sachbeschädigung.