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Bahrain´s Neda – Revolt Takes Violent Turn

by Florian Flade

Ahmad Farhan – Bahrain´s Revolutionary Symbol

Two days ago, the Kingdom of Saudi-Arabia invaded Bahrain by sending about 1,000 troops, tanks and armored vehicles into the small island state to help the Bahraini government fight the Shia-dominated uprising which began some weeks ago in the aftermath of the Egyptian, Tunisian and Libyan revolts.

Bahrain´s Royal family had requested support from their Saudi-Arabian neighbors in the crackdown of the anti-regime demonstrations which are labeled as a „Iranian led“ insurgency. Saudi-Arabia, fearing its own internal turmoil and quickly isolating their own Shiite population from world media attention, finally decided to sent the army to Bahrain.

Yesterday, the King of Bahrain, announced a three-month emergency rule. The Bahrain revolt has now taken a more violent turn, reports of heavy fighting and casualties are coming not only from the capital Manama but also from Sitra, east of the main island.

Seven protesters and at least two or three Bahraini and Saudi-Arabian soldiers and policemen are reported to have been killed in recent days. One of the first casualties of the Bahrain uprising is now becoming a symbol figure similar to Iran´s Neda, Egypt´s Khalid Said or Tunisia´s Mohammed Bouazizi.

Ahmad Farhan, a 24 year-old from Sitra, was shot in the head by security forces on March 15 and died in the hospital, Dr.Ibrahim Youssef of Sitra Health Center said. A video showing the young men with his head shattered by bullets was distributed on the Internet, calling the young Bahraini a „Martyr of the Revolution“.

Bahrain, which the Iranian government sometimes calls its „14th province“ is now becoming a bloody battlefield of the larger war between Sunni and Shia superpowers in the region.

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Das „Grüne Buch“ – Gaddafis Weltbild

by Florian Flade

Was ist Gaddafis „Grünes Buch“? Bei jeder Gelegenheit liest der libysche Despot aus seinem eigenen Werk – so auch bei einer Fernsehansprache am Dienstag. Doch was steckt hinter der mysteriösen Schrift, für die einst sogar eine deutsche Eishockey-Mannschaft warb?

Das „Grüne Buch“ stets zur Hand – Muammar al-Gaddafi in TV-Ansprache am 22.Februar

Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi trotzt dem Volksaufstand in seinem Wüstenreich. Während in den Straßen Libyens Menschen sterben und das Regime stückweise aufzulösen beginnt, droht Gaddafi, er werde notfalls als „Märtyrer“ sterben. Bei einer Fernsehansprache aus seinem einst von den USA bombardierten Anwesen, verhöhnte er die libyschen Demonstranten am vergangenen Dienstag als „Ratten“ und „Drogenabhängige“.

Wie so oft, nahm Gaddafi bei dieser Gelegenheit ein grünes Buch zur Hand, aus dem er wie ein Pastor während der Predigt, vorlas. Die Schrift, vom Despoten selbst verfasst, bietet einen Einblick in die wirre Gedankenwelt des libyschen Herrschers.

Das legendäre „Grüne Buch“ wird als Revolutionsschrift, als eine Art libysche Mao-Bibel, verstanden. Gaddafi veröffentlichte das dreiteilige Werk zwischen 1976-1979 und ernannte es zum Leitfaden seiner panarabischen Politik. Es sollte über Libyen hinaus zu einer globalen Kampfschrift einer abstrusen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Utopie werden, die ähnlich wie das „Kommunistische Manifest“ Völker weltweit inspirieren sollte.

Das „Grüne Buch“ beschreibt Gaddafis Deutung von politischen Systemen, Gesellschaft und Volkswirtschaft. Es enthält seine Theorien zu einem neuen Ordnungssystem. Der Despot nennt das Werk selbst die „Dritte Universaltheorie“, seine Vorstellung von einer Alternative zu Marxismus und Kapitalismus. „Das Grüne Buch präsentiert die ultimative Lösung des Problems des Instruments Regierung“, so erklärt Gaddafi seine angeblich wegweisende Schrift, „es zeigt den Massen den Weg, den sie einschlagen können, von einer Zeit der Diktator zu der einer wahrhaften Demokratie.“

Gaddafi publizierte das „Grüne Buch“ in drei Teilen. Am 02.Februar 1976 erschien der erste Teil mit dem Titel „Die Autorität des Volkes“, und dann im Abstand von jeweils einem Jahr folgten „Die Lösung des ökonomischen Problems: Sozialismus“ und „Die soziale Basis der Dritten Internationalen Theorie“.

An einigen Stellen beschreibt Gaddafi in seinem Buch tatsächlich politische und ökonomische Ansätze. Beispielsweise heißt es, eine parlamentarische Demokratie sei in Wahrheit eine Diktatur, weil ein Kandidat bei einer Wahl bereits mit 51 Prozent der Stimmen über das Schicksal des Volkes bestimmen könne. Als Alternative führt Gaddafi sein Konzept der „Volkskonferenzen“ und „Volkskommittees“ an, eine Form der Massendemokratie, die er formal in Libyen einführte, jedoch nie praktisch umsetzte.

In seiner Beschreibung einer Ideal-Gesellschaft erläutert der Despot unter anderem die Stellung von Frauen, die Rolle von Sport, Erziehung und Musik. „Der Stamm“ wird in diesem dritten Teil des „Grünen Buches“ von Gaddafi als „besser als die Nation“ beschrieben. Nur Familienbände seien noch wichtiger als die Stammeszugehörigkeit.

Teils wirr und widersprüchlich, führt Gaddafi an mehreren Stellen des „Grünen Buches“ offensichtlich überflüssige und kaum näher erläuterte Feststellungen an. Zum Beispiel heißt es über die Geschlechter: „Frauen sind Weibchen und Männer sind Männchen. Laut der Gynäkologen menstruieren Frauen jeden Monat während Männer, die ja männlich sind, nicht menstruieren oder unter der monatlichen Periode leiden.“

In Libyen wurde dem „Grüne Buch“ Verfassungsrang verliehen. Die Schrift ist Pflichtlektüre in Schulen und Universitäten. In der Hauptstadt Tripolis rief Gaddafi gar ein „Internationales Institut zur Erforschung und Verbreitung des Grünen Buches“ ins Leben, das mit Staatsgeldern an der globalen Publikation der „Grünen Buches“ mitarbeitete. Eine deutsche Übersetzung der Schrift erschien bereits 1988 und wurde im Jahr 2000 unverändert neu aufgelegt. Im Internet findet sich das „Grüne Buch“ inzwischen in englischer Übersetzung im Volltext frei verfügbar.

Der deutsche Eishockey-Club ECD Iserlohn warb kurioserweise in der Spielseason 1987 auf seinen Trikots für das „Grünes Buch“. Heinz Weifenbach, der Präsident des Clubs, flog mit einer Gruppe ausgewählter Journalisten nach Libyen, um für den von Steuerschulden angeschlagenen Sportverein, einen neuen Sponsor zu gewinnen. Staatschef Muammar al-Gaddafi versprach den deutschen Sportlern über eine Millionen Mark, sollten diese auf ihren Trikots künftig Werbung für das „Grüne Buch“ machen.

Am 04.Dezember 1987 trugen die Spieler des ECD Iserlohn dann auch tatsächlich bei einem Spiel gegen Rosenheim die Revolutionsschrift des libyschen Diktators zur Schau. Was folgte war harsche Kritik, vor allem von Seiten des damaligen Innenministers Friedrich Zimmermann (CSU), der die Neutralität des Sportes mit diesem politischen Statement gefährdet sah. Daraufhin verzichtete der Eishockey-Club im folgenden Spiel auf die Gaddafi gesponserten Trikots. Nur eine Woche, nach dem geglückten PR-Coup, gab ECD Iserlohn bekannt, finanziell am Ende zu sein und keine Spiele mehr bestreiten zu können.

Dr.Heiner Lohmann, Islamwissenschafter und Soziologe aus Münster, übersetzte das „Grüne Buch“ ins Deutsche und verfasste seine Dissertation über das Werk des libyschen Despoten. Er kennt die utopischen Gedanken Gaddafis und hält das „Grüne Buch“ für ein eindeutiges Zeugnis des vorzeitlichen Weltbildes des libyschen Staatschefs.

Das „Grüne Buch“ sei lange fälschlicherweise für eine politische Kampfschrift gehalten worden, sagte mir Dr.Lohmann. Tatsächlich aber sei das Buch nicht vergleichbar mit den Schriften von Marx, Mao oder Hitler. „Was Gaddafi geschaffen hat, ist ein beduinischer Mythos der Herrschaftsfreiheit und der Subsistenzwirtschaft und der gegenseitigen Hilfe unter Verwandten“, so Dr.Lohmann, „Das „Grüne Buch“ ist etwas regionales, ein narrativer, sehr auf Libyen bezogener Mythos.“

Das Buch beinhalte Widersprüche und sei beinahe unverständlich geschrieben. „Es ist wie ein religiöser Text: undurchsichtig und sehr inspirierend“, erklärt der 59jährige Islamwissenschaftler. „Das “Grüne Buch” ist eine illusionäre Weltdeutung. Die Botschaft ist: die ganze Welt besteht aus Stämmen“, so Dr.Lohmann, „Gaddafi kann überhaupt nicht unterscheiden, zwischen einer beduinischen Stammesgesellschaft und den parlamentarischen Demokratien bei uns. Das versteht Gaddafi überhaupt nicht.“

Das als Revolutionsfibel propgagierte „Grüne Buch“ floss letztendlich auch kaum in die reale politische Entwicklung Libyens unter Gaddafi ein. Eine Volksdemokratie, wie er sie im „Grünen Buch“ preist, schuf Gaddafi nie, regierte stets als alleiniges Oberhaupt des libyschen Staates und verteilte Machtpositionen an Mitglieder seines Familienklans.

„Gaddafi hat immer behauptet: was ich in Libyen mache, ist das was ich im „Grünen Buch“ geschrieben habe“, so Dr.Lohmann,, „Aber er hat es auf keinen Fall umgesetzt. Er hat genau das Gegenteil gemacht (..) Die Realpolitik die er betrieben hat, steht im krassen Widerspruch zu seiner Weltanschauung, die im „Grünen Buch“ hinterlegt ist.“

Der libysche Diktator präsentiere das Buch, wie ein „Evangelium, dem man nicht widersprechen kann“, so der Islamwissenschaftler Dr.Lohmann. Gaddafi sei davon überzeugt, das von ihm beschriebene System sei die Heilslehre für die gesamte Menschheit. „Das ist eine illusionäre Weltdeutung, total naiv, auf dem Niveau eines siebenjährigen Kindes“, meint Dr.Lohmann, „Daher kann er das argumentativ auch nicht begründen.“

Die Stunde der Söldner – Gaddafis letztes Aufgebot

by Florian Flade

Die eigenen Truppen verweigern den Schießbefehl auf das Volk. Daher setzt Libyens Diktator Gaddafi auf Tausende ausländische Söldner. Deren Loyalität kauft sich das Regime. Sie gehen skrupellos und brutal gegen den Volksaufstand vor.

Quelle: Youtube

Afrikanische Söldner in den Straßen von Tripolis

Seit Tagen häufen sich die Berichte, wonach das libysche Regime von Muammar al-Gaddafi, ausländische Söldner in der Niederschlagung des anhaltenden Volksaufstandes einsetzt. Libyens Machthaber, der geschworen hat „bis zum letzten Tropfen Blut“ gegen die Proteste kämpfen zu wollen, ersetzt die immer häufiger zu den Demonstranten überlaufenden Soldaten seiner Streitkräfte, offenbar durch bezahlte Milizionäre aus anderen afrikanischen Staaten.

Die gekauften Sicherheitskräfte sollen angeblich mit Transportflugzeugen nach Libyen eingeflogen worden sein, einige seien auf dem Landweg aus Algerien in das Land gekommen. Da sich die libysche Luftwaffe weigern soll, für das Regime Bombardierungen von Städten und den Transport von Truppen auszuführen, habe Machthaber Gaddafi Piloten aus dem Ausland angeheuert, u.a. aus Osteuropa, um Söldner aus den afrikanischen Anrainerstaaten in die Hauptstadt zu bringen.

Tausende afrikanische Söldner und Milizionäre seien zudem auf dem Weg in Richtung Hauptstadt Tripolis, um Muammar al-Gaddafi zu unterstützen, meldete gestern bereits die New York Times. Augenzeugen berichteten von Fahrzeugkolonnen und Konvois mit Pick-Up Trucks, die uniformierte afrikanische Söldner transportieren und inzwischen auf den Zufahrtsstraßen der Hauptstadt zu sehen sein sollen.

Augenzeugenberichten zufolge gehen die afrikanischen Söldner mit voller Härte gegen den libyschen Volksaufstand vor. Es wird gemeldet, die Söldner würden wahllos in Menschenmengen schießen. Angeblich exekutieren die ausländischen Sicherheitskräfte im Auftrag Gaddafis gezielt Oppositionelle und schießen mit schweren Geschützen und Großkaliber-Munition sowie Panzerfäusten auf unbewaffnete Demonstranten. Gar von Kopfgeldern, die das Regime für die Erschießung von Protestlern ausgesetzt haben soll, ist die Rede.

„Alle Regierungsgebäude in Tripolis sind niedergebrannt“, sagte ein Anwohner der New York Times, „Aber die Söldner, die haben Waffen. Die Libyer haben keine Waffen. Sie werden einen umbringen.“

Die bislang von Demonstranten und mit dem Volk sympathisierenden libyschen Soldaten festgenommene Söldner sollen mehrheitlich aus afrikanischen Staaten der Sahel-Zone und Westafrikas stamme. Fotos und Videoaufnahmen die im Internet kursieren, zeigen festgenommene und sogar vom wütenden Mob getötete Söldner und deren Ausrüstung. Viele von ihnen stammen aus dem Sudan, Nigeria, Ghana, Niger, Äthiopien, Somalia, Guinea, Mali und dem Tschad. Ihre ausländischen Pässe und vom Gaddafi-Regime ausgestellten Papiere werden von den Demonstranten wie Trophäen präsentiert und als Beweis für den verzweifelten Versuch des Diktators gewertet, sich und sein Regime vor dem Untergang zu bewahren.

Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera filmte eine Polizeistation in der eine Gruppe afrikanischer Söldner festgehalten wurde. Stolz präsentierte der lokale Polizeichef die Reisepässe der Festgenommenen. „Sie wurden vom südlicheren Afrika mit Transportflugzeugen hierher gebracht“, so der libysche Polizist, „sie wurden von Offizieren von hier kommandiert.“

Ein Journalist des britischen Guardian berichtete aus der Unruheregion Benghazi, wo die desertierte Armeeführung den Aufstand gegen das Gaddafi-Regime anführen soll. Ein libyscher Luftwaffen-Major habe ihm berichtet, 4,000 afrikanische Söldner seien seit dem 14.Februar in Libyen gelandet. Anschließend wurden dem Reporter zwei Männer aus Ghana präsentiert, die vor neun Tagen nach Libyen gekommen sein um für Gaddafi zu kämpfen.

„Um loyale Truppen zu finden, ist es für Gaddafi am einfachsten sie aus anderen Ländern zu holen“, sagt Yanukba Saidy, Berater der International Crisis Group Senegal, „Denen gibt er Geld, und sie kämpfen für ihn. Auf sein eigenes libysches Volk kann er sich nicht verlassen.“

Die Einbindung ausländischer Kräfte in regimetreue Truppen hat in Libyen eine lange Tradition. Noch bis in die 1990er Jahre unterhielt Muammar al-Gaddafi, der sich gerne als Repräsentant des afrikanischen Kontinent versteht, eine pan-arabische Miliz, in der Kämpfer aus Mali, Niger und dem Tschad dienten.

Mein Text auf Welt Online.