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Dschihadistische Verschlüsselung

von Florian Flade

Seitdem bekannt wurde, dass der US-Geheimdienst NSA weltweit millionenfach E-Mail-Verkehr und Chats mitliest, steigt die Nachfrage nach Verschlüsselungsprogrammen. Islamistische Terroristen haben die Vorteile von Krypto-Software längst als nützliches Werkzeug zur geheimen Kommunikation entdeckt.

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Vor zwei Wochen war plötzlich ein Gespenst wieder in aller Munde, das längst totgeglaubt war – Al-Qaida. Das US-Außenministerium ließ schlagartig mehr als 20 Botschaften und Konsulate weltweit für mehrere Tage schließen. Von Algiers über Kairo, Sanaa und Amman bis Kabul und Malé. Deutsche Behörden folgten der Maßnahme. Die deutsche Botschaft im Jemen machte kurzfristig dicht.

Grund für die Panik war eine Warnung der US-Geheimdienste vor einem möglicherweise kurz bevorstehenden Terroranschlag der Al-Qaida. Der Chef des Terrornetzwerkes, Ayman al-Zawahiri, soll – so berichten US-Medien – in einer Art Online-Konferenzschaltung aus seinem Versteck im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet heraus mit mehreren seiner regionalen Kommandeure im Jemen, Nordafrika und Irak über entsprechende Pläne gesprochen haben.

Angeblich schlug der jemenitische Al-Qaida-Führer Nasir al-Wushayshi seinem Chef in Pakistan vor, „etwas Großes“ zum Ende des Fastenmonats Ramadan durchführen zu wollen. Die US-Behörden waren alarmiert. Plante Al-Qaida womöglich ein spektakuläres Attentat auf eine US-Einrichtung irgendwo in Nahost?

Terrorismus-Experten weltweit äußerten zunächst Zweifel an den Berichten über eine Al-Qaida-Telefonkonferenz. Der meistgesuchte Terrorist der Welt soll sich einfach vor einen Laptop gesetzt haben und anschließend mit Gleichgesinnten rund um den Globus zu chatten und live zu sprechen? Kaum glaubwürdig.

Mittlerweile hat sich herauskristallisiert, dass es sich bei der von den Geheimdiensten abgefangenen Kommunikation offenbar keineswegs um ein normales Telefonat gehandelt hat. Vielmehr sollen die Al-Qaida-Vertreter verschlüsselt in einem abgeschotteten Chatroom miteinander diskutiert haben . Offiziell bestätigt ist das zwar nicht, aber die Geheimdienste diesseits und jenseits des Atlantiks dementieren entsprechende Berichte immerhin nicht.

Der Fall zeigt: islamistische Terrornetzwerke haben nicht erst seit Bekanntwerden des PRISM-Überwachungsprogramms des US-Geheimdienstes NSA die Vorzüge von Verschlüsselungssoftware erkannt. Al-Qaida nutzt unterschiedliche Krypto-Programme seit Jahren und empfiehlt seinen Anhängern nur noch verschlüsselt E-Mails zu verschicken, zu Chatten oder Dateien zu transportieren.

Im Juli 2010 veröffentlichte die jemenitische Al-Qaida-Filiale (AQAP) einen Artikel in ihrem englischsprachigen Online-Magazin „Inspire“ mit dem Titel „Wie man Asar al-Mujahideen benutzt: Senden & Empfangen von verschlüsselten Nachrichten“. Es handelt sich um eine Anleitung zur Nutzung einer angeblich eigens für Dschihadisten entwickelten Krypto-Software namens „Asrar al-Mujahideen 2.0“ („Geheimnis der Gotteskrieger“).

„Also wie verschickt man wichtige Nachrichten ohne dass es der Feind mitbekommt?“, fragen die Autoren des Artikels und geben vermeintlich sichere Antworten für eine E-Mail-Kommunikation, die für Geheimdienste unerreichbar sein soll.

Bei der Software, die Al-Qaida seinen Anhängern weltweit empfiehlt, handelt es sich um eine einfache Form der PGP-Verschlüsselung für E-Mails. Lediglich im Design und der Gestaltung der Nutzungsoberfläche haben offenbar radikale Islamisten dem Programm einen dschihadistischen Anstrich verpasst. Zusätzlich bietet die Software die Möglichkeit, Dateien angeblich rückstandslos zu schreddern und von einem USB-Stick aus heraus gestartet zu werden. In der zweiten Version kann „Asrar“ außerdem Chat- und Foreneinträge verschlüsseln.

Dass die Instruktion der Krypto-Software durchaus ernstgemeint ist, daran lässt die jemenitische Al-Qaida keinen Zweifel. In sämtlichen Ausgaben des „Inspire“-Magazins findet sich eine Art Kontaktformular der Terrorgruppe mit mehreren E-Mail-Adressen. Dazu der Hinweis: „Wir raten euch dringend das „Asrar al-Mujahideen“-Programm zu nutzen, um mit uns in Kontakt zu kommen.“ Es folgt der für die PGP-Verschlüsselung notwendige Public-Key des Terrornetzwerkes.

Seit Februar diesen Jahres existiert mit „Asrar al-Dardashah“ eine zweite dschihadistische Verschlüsselungssoftware, die angeblich ein verschlüsseltes Chatten mit etablierten Diensten wie Yahoo, Google Talk, ICQ und MSN ermöglicht. Die Software wurde von der „Global Islamic Mediafront“ (GIMF) entwickelt und funktioniert als Plug-In.

Dschihadistische Terrorgruppen, so bestätigen westliche Geheimdienstler, setzen schon mindestens seit 2008 auf Software zur Verschlüsselungen von Dateien oder Kommunikation. Insbesondere Al-Qaida ist sich des Verfolgungsdrucks durch die Geheimdienste und der Gefahren offener Internetkommunikation bewusst. So verwundert es nicht, dass in den terroristischen Ausbildungslagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet neue Terrorrekruten auch in der Nutzung entsprechender Programme geschult werden.

So erzählten beispielsweise die beiden Hamburger Terrorverdächtigen Rami M. und Ahmad S. dem Bundeskriminalamt (BKA) im Verhör, dass sie während ihrer Zeit im pakistanischen Stammesgebiet Waziristan von Al-Qaida Trainingskurse im Umgang mit Verschlüsselungssoftware erhalten hätten.

Der ranghohe Al-Qaida-Kommandeur Sheikh Younis al-Mauretani soll den beiden Terrorrekruten geraten haben, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland einen neuen Laptop zu kaufen, der nicht an das Internet angeschlossen werden sollte und nur dazu dienen dürfe, Nachrichten zu ver – und entschlüsseln. Auf diesem Computer sollten zwei Programme installiert werden.

„Das war einerseits das Verschlüsselungsprogramm „Mujahedin-Secret“ (Asrar) , das der Kryptierung von Textnachrichten dient, sowie andererseits das Programm „Camouflage““, heißt es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft gegen das mutmaßliche Al-Qaida-Mitglied Ahmad S.. Zum Erlernen des konspirativen Kommunikationssystems seien Ahmad S. und Rami M. durch Scheich Younis Anfang Juni 2010 eine Woche im Umgang mit den Programmen zur Verschlüsselung „intensiv geschult“, so die Ermittler weiter.

Die Software „Camouflage“ dient laut Bundeskriminalamt dazu, Textnachrichten mit oder ohne Passwort in einer Bild-Datei zu verstecken. Wer das Bild öffnet, erkennt auf den ersten Blick nicht, dass damit eine nicht sichtbare Textdatei verbunden ist.

Eine Art „Tarnkappen“-Technik, die Al-Qaida offenbar besonders begeistert, wie ein Fall aus Berlin vor zwei Jahren zeigt. Am 16.Mai 2011 nahmen Fahnder gegen 9 Uhr morgens den damals 22-jährigen Österreicher Maqsood L. am Zentralen Busbahnhof der Hauptstadt fest. Der Sohn afghanischer Einwanderer hatte im pakistanischen Waziristan eine Terrorausbildung erhalten und kehrte gemeinsam mit dem Berliner Islamisten Yusuf O. im Frühjahr 2011 nach Europa zurück. Yusuf O. sollte in Wien alte Bekannte von Maqsood L. für den Dschihad gewinnen. Maqsood L. wiederum versuchte ähnliches in der Berliner Heimat seines Mitstreiters.

In der Unterhose von Maqsood L. fand die Polizei einen USB-Stick und eine SD-Speicherkarte. Darauf waren zunächst harmlos wirkende Ordner – darunter einer mit der Bezeichnung „Sexy_Tanja“ – voller Kinofilme gespeichert. Die eigentlichen Filmdateien waren mit der Software „Camouflage“ bearbeitet worden und hatten einen weitaus brisanteren Inhalt, als zunächst erkenntbar war. Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) analysierten den Fund und fanden in der Datei „Kick_Ass“ insgesamt 142 Dokumente mit Titeln wie „Report_on_operations“, „Future_Work“ oder „Lessons_learned_from_previous_operations“.

Es handelte sich um geheime Strategiepapiere und Schulungsmaterial der Al-Qaida. Die Schriften, viele davon in englischer Sprache, enthielten Anschlagspläne der Al-Qaida-Führung in Pakistan. Etwa sollten die Dschihadisten in Europa Geiseln nehmen und diese noch während der Geiselnahme, am besten vor einer Kamera, enthaupten. Auch die Sprengung von Staudämmen, Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe im Mittelmeer oder die Erstürmung von Luxushotels wie in Mumbai 2008 wurden empfohlen.

In der Unterhose des österreichischen Al-Qaida-Lehrlings Maqsood L. befand sich eine verschlüsselte Schatztruhe für Terrorermittler. Seltenes und weltweit exklusives Material, das in Deutschland detailliert analysierten wurde und auch die amerikanischen Kollegen faszinierte.

Westliche Geheimdienste wissen durch die Fälle der vergangenen Jahren – hinzu kommt noch die Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle, die wohl ebenfalls über Verschlüsselungssoftware in Internetcafes mit Terroristen in Pakistan kommunizierte – wie begeistert die Terrornetzwerke von den technischen Möglichkeiten der Kryptologie sind. Terror zu planen, ohne dass Geheimdienste mitlesen können, ist ein Traum der seit der Nutzung des Internets an sich, in der islamistische Szene existiert.

Und so rüsten auch die Terrorfahnder auf. Sie analysieren die von radikalen Islamisten genutzten Online-Werkzeuge und entwickeln eigene Gegenmaßnahmen. „Es ist einfacher, wenn man weiß, dass man solche Verschlüsselungen zu erwarten hat“, sagt ein Ermittler, der an einem Verfahren gegen einen mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen beteiligt war. „Trotzdem kann man solche Dateien nicht immer knacken. Aber immer öfter.“

Längst können sich Al-Qaida & Co. nicht mehr auf die Nutzung der Verschlüsselungsprogramme allein verlassen. Die berechtigte Angst ist groß, dass Geheimdienste die Software schon im Vorfeld manipulieren.

„Bei Asrar al Mujahidin gibt es keinerlei Kontrollmöglichkeit für den Nutzer um herauszufinden, was er sich da gerade auf den Rechner zieht“, warnt ein Nutzer eines deutschen Islamisten-Forum.

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Dieser Artikel erschien am 16.August 2013 bei Heise Telepolis

http://www.heise.de/tp/artikel/39/39712/1.html

What Is Osama´s Last Tape About?

by Florian Flade

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They are the first glimpse at what US intelligence officials describe as a „treasure trove“, the largest amount of documents, video and picture material found in a single counter-terrorism raid in years – 2.7 terrabytes of data found inside Osama Bin Laden´s hideout in the Pakistani city of Abbottabad, giving a rare insight look into Al-Qaida´s leadership.

Last week, the Pentagon released five videos which were among those found inside the Bin Laden compound, all showing the late Al-Qaida leader prior to  his death, watching TV or preparing for the recording of a video message. All audio data of the videos was erased by the US authorities, so none of the videos given to the media actually has any sound.

While the media focussed primarly on one video – the unusual footage of the elderly, grey-bearded terrorist leader sitting on the ground, a blanket wrapped around his shoulders, surfing through Arabic TV channels, obviously watching news about himself and his terrorist network – the most interesting of the newly released „Bin Laden Home-Videos“ is not the raw footage but the apparently ready-for-release video speech by the Al-Qaida founder.

It appears to be a message by Bin Laden that has already underwent the final editing process of As-Sahab Media, Al-Qaida´s propaganda wing, bearing the usual intro and the As-Sahab logo in the lower right corner of the screen. Osama Bin Laden is seen sitting on a table, wearing a golden robe and a white turban. His beard was obviously dyed in a darker color. The whole scene is very similar to the last two officially released Bin Laden tapes in 2004 and 2007.

The 2007 video message titled „The Solution“, was released by Al-Qaida´s As-Sahab Media on the anniversary of the September 11th attacks and featured Bin Laden also with a dark-colored beard, sitting at a table with a golden-lavish robe.


In 2004, only a few days prior the US Presidential Elections, Al-Jazeera aired a blurry Bin Laden video message in which the Al-Qaida leader also wore the same robe and a white turban. Back then, his beard was not dyed but greyish, making Bin Laden look quiet older compared to the following and since then only other video message in 2007.

Question is: What do we know about what appears to be the last recorded video message of the most-wanted man alive? The intro of the now Pentagon-owned tape simply reads „From Osama Bin Laden to the American People“ – a title used in earlier messages. Apart from Bin Laden himself talking no other images are seen. In the As-Sahab „closing“ of the tape, a date and a statement is given, saying the tape was made in 1431 a.H. – meaning probably in 2010 according to the Gregorian calender. The Arabic closing statement of the 6 minutes and 40 seconds tape reads: „Either we live under Islam or we die a generous death“.

So what could be the topic Bin Laden talks about in this tape? Why was the video if recorded last year, not released since then? Why is the US government not releasing the content of the Bin Laden speech to the American people?

A) –  the video was made in 2010 but Bin Laden himself or the As-Sahab staff decided not to release it – maybe because they thought it could harm the secret life and hideout of the Al-Qaida leader or because they realized actually footage was not necessary to deliver the message and instead they released an audio tape of the speech

B)  – the message is not a specific one dealing with an current event like a hostage taking in North Africa, the US drone campaign, the parcel bomb plot or other developments that happened last year but a very universal statement – that can be released at any time, for example a speech where Bin Laden talks about his own death.

C) – the Bin Laden speech deals with a very specific event and the Al-Qaida founder talks about for example: the parcel bomb plot by Al-Qaida in the Arabian Peninsula. The attacks failed in October 2010 but maybe Bin Laden recorded the tape in case the bomb successfully exploded in the United States

D) – the video message could be one recorded as a claim of responsibility for an attack that was not yet carried out  for example: the alleged „Euro-Plot“

Until the Pentagon releases a transcript or the audio of the video, Al-Qaida releases the tape or a US official says in a statement what Bin Laden talks about, we will not find out what his final tape was about.

The fact that it seems to be ready for release until the US Special Forces got hold of it, could very well mean the As-Sahab distributors, those releasing the propaganda to the Internet forums, are already in possession of the tape. A Pentagon statement after the Abbottabad raid said, it is likely a new tape of Bin Laden will appear soon as he recorded one shortly before his death. It contains the usual propaganda, the Pentagon said, so it shouldn´t be a surprise for the public.

Al-Qaida itself highlighted in the eulogy statement to its Amir, that a message of Bin Laden, recorded in the week before he was killed, will be released soon, also dealing with the events in North Africa.

A few weeks ago I interviewed Michael Scheuer, the former head of the CIA´s „Alec-Station“ known as the „Bin Laden-Unit“. I asked him why since 2007 there was no new video apprearence of the Al-Qaida leader. Scheuer´s answer was mainly his own opinion but still a very interesting thought:

„The one thing Bin Laden knows that we have long since forgotten: there is power in silence. I suspect we keep getting audios, there won´t be a video till he attacks again in the United States. After that occurs we get a video in which he talks to the American people in sorrow rather than anger, saying: I warned you about this.“

Abbottabad Raid Reveals Secret Stealth-Helicopter

by Florian Flade

 

About 450 miles – that is the distance between the Afghan City of Jalalabad where a team of the top secret US special forces Navy Seals Team Six started their mission last Sunday night, and their target destination, the Pakistani city of Abbottabad.

How could several US helicopters carrying the elite troops which killed Al-Qaida leader Osama Bin Laden, cross the border into Pakistan and then even advance to a city just 30 miles north of the capital Islamabad and which is known as a Pakistani military garrison, without being detected by Pakistani border defense or air defense?

The answer to that question to how the US was able to conduct a secret military operation deep inside Pakistani territory without notifying the Pakistani authorities prior to the raid might lay in the backyard of the Bin Laden mansion. A helicopter that took part in the Navy Seals operations hit a wall and crashed due to technical failure. It was destroyed by the soldiers after the raid and left behind.

Days after the Bin Laden killing images of the helicopter wreckage appeared on the internet. They show parts of a previously unknown helicopter type, a new aircraft some call a „stealth chopper“. The helicopter parts which were picked up by the Pakistani military for further examination indicate the transport helicopter used by the Special Forces was not the usual UH-60 Black Hawk widely for its constant use in conflict zones like Iraq and Afghanistan.

The tail rotor of the American helicopter found in Abbottabad, which seems to be equipped with a cover, bears some hallmarks of a possible secret aircraft not known to the public. Experts agree the helicopter could indeed a modified version of the UH-60 Black Hawk named „Stealth Black Hawk“.

A helicopter that is simply avoiding being detected by radar systems could explain why Operation „Geronimo“ took place without Pakistanis interfering or even detecting the helicopters entering Pakistani airspace.

Even though getting hold of Osama Bin Laden´s corpse was more important to the US commando than retrieving the crashed helicopter, the US government has all reason to worry about the blow to the secret of the existence of the stealth helicopter. Pakistan will investigate what type of aircraft violated its border line and made its way into a military packed city without being noticed. There is the danger the stealth technology might fall into the hands of other countries.