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Ex-Fußballprofi stirbt im syrischen Dschihad

von Florian Flade

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Burak Karan lebte den Traum vieler junger Männer. Der 26-jährige Deutsch-Türke kickte in der Jugend-Nationalmannschaft U17 und U18, an der Seite von bekannten Fußball-Stars wie Kevin-Prince Boateng oder Sami Khedira. Karan spielte für Hertha BSC, Hannover 96, Leverkusen, Alemannia Aachen und den Hamburger SV. Der Wuppertaler war offenbar auf dem besten Weg die Karriereleiter in den Profisport zu erklimmen. Er hätte mit Fußball sein Leben finanzieren können, sagt ein ehemaliger Trainer.

Am 1.Juli 2008 war plötzlich Schluss. Burak Karan legte das Trikot ab. Beendete seine Karriere. „Burak sagte mir, Geld und Karriere seien ihm nicht wichtig“, erinnert sich sein Bruder Mustafa im Gespräch mit der BILD-Zeitung. Der Fußball-Profi habe stattdessen im Internet Videos aus Kriegsgebieten geschaut. „Er war verzweifelt, voller Mitleid für die Opfer“.

Karan kam mit dem radikalen Islam in Kontakt. In der Salafisten-Szene von Wuppertal verkehrten zum damaligen Zeitpunkt mehrere Islamisten, die der Verfassungsschutz im Visier hatte. Unter ihnen auch Emrah Erdogan. Gemeinsam mit ihm beschloss Burak Karan offenbar in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet auszuwandern. Eine Region, in der Terrororganisationen wie Al-Qaida ihre Kämpfer ausbilden.

Die Reise führte die Wuppertaler Islamisten zunächst am 8.April 2010 in die Türkei. Während Emrah Erdogan und ein weiterer Islamist am 11.April 2010 von Istanbul aus nach Teheran weiterreisten, kehrte Burak Karan noch in der Türkei um. Am 23.April 2010 kam er nach Deutschland zurück.

Der Rückkehrer stand anschließend unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes, während es Karans einstigem Weggefährten Emrah Erdogan gelang, sich in das pakistanische Stammesgebiet Waziristan durchzuschlagen. Die Islamisten, so der Verdacht der Ermittler, sollen auch dann weiterhin Kontakt gehabt haben.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe leitete daher ein Ermittlungsverfahren gegen Burak Karan wegen des „Verdachts der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung“ ein. Mehr als ein Anfangsverdacht ergab sich allerdings nicht.

Für den Wuppertaler Ex-Fußballer entwickelte sich der Bürgerkrieg in Syrien offenbar zu einem enormen Radikalisierungsfaktor. Zuerst sammelte Karan noch Spendengelder, schickte Hilfslieferungen in das Kriegsgebiet. Anfang des Jahres dann reiste Karan selbst, samt Ehefrau und den beiden Söhnen Abdullah und Abdul Rahman nach Syrien.

Ende Oktober tauchte im Internet ein Video auf. Der Titel „Der Märtyrer Abu Abdullah at-Turki – Oh Mutter trauere nicht um mich“. Es zeigt Burak Karan aus Wuppertal. Mit Vollbart, mal mit seinen Kindern auf dem Schoss, mal mit Kalaschnikow in der Hand. Elf Tage bevor das Video ins Netz gestellt wurde, am 11.Oktober 2013, kam Karan mit 26 Jahren ums Leben. Er starb bei einem Luftangriff der syrischen Luftwaffe nahe der Stadt Azaz.

„Die Mudschahidin in Azaz berichtet, dass er wie ein Löwe in das Gebiet der Ungläubigen (kurdischen PKK-Miliz) gestürmt ist und Freude daran hatte, sie zu bekämpfen“, heißt es in der Beschreibung zu dem Märtyrervideo. „Nun ist er bei seinem Herrn (…) Möge Allah ihn akzeptieren.“

Mustafa Karan sagte der BILD-Zeitung, er wolle nun nach Syrien reisen, um die Ehefrau und die Kinder seines Bruders zu finden und nach Deutschland zurück zu holen. „Es ist auch für mich die Suche nach der Wahrheit“, so der 29-jährige.

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Islamist aus Hessen in Syrien getötet

von Florian Flade

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Er glaubte offenbar, dass er im Visier der Sicherheitsbehörden stand. Vermutlich deshalb nahm „Abu Handala“ mehrere Audiobotschaften über das Leben des Propheten Mohammed nur mit elektronisch verzerrter Stimme auf, bevor er sie ins Internet stellte. Es handelte sich um deutsche Übersetzungen eines Buches des jemenitischen Al-Qaida-Predigers Anwar al-Awlaki.

Überhaupt war Awlaki wohl ein großes Vorbild für „Abu Handala“ aus Hessen. Denn auch sein Facebook-Profil zierte ein Foto des Al-Qaida-Terroristen. Genau wie Anwar al-Awlaki weilt auch „Abu Handala“ nicht mehr unter den Lebenden. Der Islamist aus Frankfurt am Main, der auf seinem Blog Gedichte über den „Heiligen Krieg“ veröffentlichte, ist tot. Er starb vor kurzem im syrischen Bürgerkrieg.

Nach meinen Informationen gehen deutsche Sicherheitsbehörden davon aus, dass der gebürtige Nordafrikaner mit Kampfnamen „Abu Handala al-Maghribi“ am 15.August in Syrien bei Kämpfen gegen das Assad-Regime ums Leben kam. Ein Eintrag in einem radikalislamischen Internetforum, den mutmaßlich die Witwe des Islamisten verfasste, scheint dies zu bestätigen. „Er war in der vordersten Reihe, wurde getroffen und kehrte mit einem strahlenden Lächeln und voller Licht zu Allah zurück“, heißt es darin.

Der Fall bestätigt den Trend radikaler Islamisten, von Deutschland aus nach Syrien in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Ein Phänomen, das Sicherheitsbehörden große Sorge bereitet. Seit Ende 2012 sollen laut Verfassungsschutz bis 120 Personen aus der islamistischen Szene nach Syrien aufgebrochen sein. Die meisten davon, um an der Seite der Rebellen gegen das Assad-Regime zu kämpfen. Wie viele tatsächlich in Syrien ankamen ist unklar.

Fest steht: es mischen wohl einige Dutzend Dschihadisten aus der Bundesrepublik im syrischen Bürgerkrieg mit. Mehrheitlich schlossen sie sich offenbar den zahlreichen Splittergruppen der Rebellen-Bewegung an. Deutsche Sicherheitsbehörden vermuten allerdings, dass einige Islamisten inzwischen auch in den Reihen der Al-Qaida-nahen Gruppen „Jabhat al-Nusrah“ und „Islamischer Staat im Irak und Scham (Levante)“ (ISIS) kämpfen.

Deutscher Student stirbt als Kämpfer in Aleppo

von Florian Flade

In Syrien tobt der Kampf zwischen dem Assad-Regime und Rebellengruppen. Inzwischen schließen sich immer mehr ausländische Kämpfer der Opposition an. Jetzt soll ein Medizinstudent aus Deutschland im Gefecht getötet worden sein.

Ein Dschihad kommt nicht über Nacht. Ein Dschihad braucht einige Monate, bis er erkennbar wird. So auch aktuell in Syrien. Seit einigen Wochen tauchen sie vermehrt auf: Hinweise auf ausländische Kämpfer in den Reihen der Rebellen, die sich mit Assads Truppen blutige Schlachten liefern. Sie strömen ins Land, schließen sich Kampfgruppen wie den „Al-Sham Falken-Brigade“ oder der „Al-Nusrah Front“ an. In islamistischen Internetforen werden die gefallenen als Märtyrer gefeiert. Es sind Söldner des Dschihad aus Ägypten, Tunesien, den Palästinensergebieten, dem Libanon, Kuwait, Jemen und Deutschland.

Vor wenigen Tagen gab es in einem der prominentesten Dschihad-Foren im Netz eine Meldung, die aufhorchen lässt. Ein Kämpfer aus Deutschland soll im Gefecht mit den Truppen Assads getötet worden sein. Inzwischen liegen Fotos des jungen Mannes vor, der am 31.Juli in Aleppo ums Leben gekommen sein soll. Hussam ad-Din al-A. war nach Angaben von radikalen Islamisten als Medizinstudent an einer deutschen Universität eingeschrieben bevor er sich entschied in Syrien zu kämpfen. Angeblich stammt der junge Rebell ursprünglich aus Aleppo im Norden Syriens. Er beendete seine medizinische Karriere, heißt es in dem Interneteintrag zum Tod von al-A., um sich „in Syrien den Mudschaheddin anzuschließen“. Al-A. wurde Mitglied der „Freien Syrischen Armee“.

Als Beweis für seine Existenz veröffentlichten Gesinnungsgenossen im Internet zwei Fotos. Sie zeigen einen jungen Mann in den Zwanzigern. Einmal fröhlich lächelnd beim Skifahren an einem unbekannten Ort. Einmal in Kampfmontur mit Gebetsmütze und Scharfschützengewehr im Anschlag in einer Ruine irgendwo in Syrien. Aus einem Medizinstudenten wurde ein Guerilla-Kämpfer.

Deutscher Sicherheitsbehörden gehen nach meinen Informationen derzeit davon aus, dass sich eine nicht unerhebliche Zahl gebürtiger Syrer aus der Bundesrepublik in ihr Heimatland abgesetzt haben um dort gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu kämpfen. Hussam al-A. war womöglich einer von ihnen.