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IS veröffentlicht weitere App für Kinder

von Florian Flade

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Die islamistische Indoktrinierung von Kindern beschäftigt die Politik. Noch in dieser Woche will die Große Koalition eine Gesetzesänderung beschlossen werden, wonach den Verfassungsschutzbehörden bundesweit zukünftig gestattet sein, auch die Daten von minderjährigen Extremisten ab dem 14. Lebensjahren zu speichern. Bislang gilt als einheitlicher Standart die Speicherung von Personen ab 16 Jahren. Nur in Ausnahmefällen – etwa terroristischen Bezügen – war dem Bundesamt für Verfassungsschutz erlaubt auch jüngere Extremisten zu erfassen.

Anlass für die geplante Gesetzesänderung sind insbesondere zwei Vorfälle aus diesem Jahr mit islamistischem Bezug. Im Februar attackierte die 15-jährige Schülerin Safia S. im Hauptbahnhof von Hannover einen Bundespolizisten mit einem Küchenmesser und verletzte ihn schwer. Die Ermittlungen dauern an, doch es gibt Hinweise, wonach das Mädchen möglicherweise im Auftrag des „Islamischen Staates“ (IS) gehandelt hat.

Der zweite Vorfall ereignete sich im April in Essen. Zwei jugendliche Salafisten im Alter von 16 Jahren griffen dort einen Tempel der örtlichen Sikh-Gemeinde mit einer selbstgebastelten Bombe an. Drei Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Vor und nach der Tat sollen sich die Teenager mit etwa gleichaltrigen Komplizen in einer islamistischen Whatsapp-Gruppe aktiv gewesen sein.

Radikalisierte Kinder und Jugendliche stellen gleich auf mehreren Ebene eine Herausforderung dar – für die Sicherheitsbehörden aufgrund der hohen Hürden bei Speicherung, Beobachtung und auch Festnahme. Jedoch auch für Präventivstellen, für das familiäre und schulische Umfeld. Dass die salafistische Indoktrinierung von Minderjährigen in den kommenden Jahren weiter gehen wird, davon ist auszugehen.

Doch nicht nur die islamistischen Missionierungsnetzwerke sondern auch Terrororganisation wie der IS haben längst begonnen, gezielt Minderjährige und Heranwachsende anzusprechen. Gerade der ISS verbreitet Ideologie derzeit mit kindergerechter Propaganda. 

Mitte Mai habe ich über die Handy-App „Huruf“ des IS berichtet. Mit ihr sollen Kinder arabische Begriffe lernen. Das Vokabel hat dabei nahezu durchweg dschihadistische Bezüge zu Krieg, Märtyrertum und Hass.

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Jetzt hat die Terrorgruppe eine neue App für Smartphones und Computer veröffentlicht. Sie trägt den Namen „Dua“. Diesmal geht es um das Erlernen von islamischen Bittgebeten. Der Prophet Mohammed soll diese Form der Gottesanrufung als essentiellen Teil des Gottesdienstes bezeichnet haben. „Dua“ zu machen kann dabei bedeuten, Koranverse oder andere religiöse Texte zu zitieren. 

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Die Kinder-App des IS vermittelt dieses spirituelle Weisung auf perfide Weise. Die Bittgebete, die elektronisch abgerufen und nachgesprochen werden können, haben fast ausschließlich Sprüche auf das Wohl der Dschihadisten und die Vernichtung der „Ungläubigen“ zum Inhalt.

Ein iPhone-App gegen Taliban

by Florian Flade

Helm, Weste, Gewehr, iPhone – immer mehr US Soldaten tragen Smartphones im Kampfeinsatz. Einer von ihnen entwickelte jetzt ein Handy-Programm das den Kampf gegen die Taliban erleichtern soll.

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Wer bislang dachte die zahllosen Mini-Programme (Applikationen, kurz „Apps“), die für Smartphones erhältlich sind, wären nur zu gebrauchen um sich die Zeit mit lustigen Spielchen zu vertreiben, das eigene Handy als Wasserwaage zu verwenden oder am Stammtisch Freunde zu belustigen indem man ein virtuelles Bier zu leeren, der irrt.

Der Ernst des Krieges hat längst die Welt der modernen Kommunikationsmittel erreicht und damit auch findige Programmierer auf den Plan gerufen. Da immer mehr U.S. Soldaten im Irak oder Afghanistan-Einsatz ein iPhone, einen Blackberry oder ein Android-Handy besitzen, stellt sich die Frage: Gibt es ein App, das der Truppe nützlich sein könnte?

Der US-Soldat Jonathan J.Springer hat den Krieg in Afghanistan hautnah erlebt – und er besitzt ein iPhone. Der 31jährige aus Fort Wayne, Indiana, ist seit Mai 2010 im gefährlichsten Gebiet Afghanistans stationiert, dem Pech River-Valley in der östlichen Provinz Kunar. In keiner anderen Region des Landes ließen mehr US-Soldaten ihr Leben. Taliban und al-Qaida regieren hier die steilen Berghänge, amerikanische Truppen gerade fast täglich in Feuergefechte oder unter Raketen- und Mörserbeschuss.

Als am 25.Juni 2010 zwei Kameraden – einer von ihnen war erst 19 Jahre alt – in einem Taliban-Hinterhalt starben, keimte in Springer der Wunsch, den Soldaten in Afghanistan ihren gefährlichen Einsatz etwas erleichtern und vielleicht sogar sicherer machen zu können. „Ich hab lange darüber nachgedacht“, sagte mir der US-Soldat, „Aber die eigentliche Idee kam mir erst im Traum – ich weiß das klingt verrückt.“ In einer Nacht Ende Juli 2010 kam Springer plötzlich die vielversprechende Idee.

„Ich habe viele Soldaten mit iPhones und anderen Handys gesehen und habe mir gedacht: Warum macht das Militär daraus nichts?“, so Springer. Die Idee war geboren. Springer wollte eine Software für Handys entwickeln, die ihm und seinen Kameraden im Kampfeinsatz nützliche Dienste erweisen würde. Am nächsten Tag machte er sich daran, seine Idee umzusetzen. „Ich rief meine Frau und meine Eltern in den USA an und erklärte ihnen was ich vor hatte“, berichtet der US-Soldat, „sie haben mich von Anfang an sehr in meiner Idee unterstützt.“

Jonathan Springer kontaktierte einen Software-Entwickler im US-Bundesstaat Arizona und erläuterte ihm seinen Plan: er wollte ein App für Smartphones entwickeln, das wie ein erweitertes GPS-Gerät funktioniert. Soldaten sollten auf virtuellen Karten Wegpunkte speichern und Feindstellungen markieren können. Die genauen Daten der Position des Feindes sollen dann an Luftwaffe oder Artillerie weitergegeben werden, um Bombenangriffe anzufordern. Die gesamte Navigationselektronik, die ein Soldat im Gefecht benötigt, sollte in ein iPhone passen – so Springers Grundidee. „Es ist im Prinzip nur eine Karte, ein Kompass und eine Kamera“, so der App-Erfinder, „und die Karte funktioniert nach einem Referenz-System das auch unsere Luftwaffe benutzt.“

„Im August 2010 habe ich die erste Beta-Version erhalten, um sie draußen im Feld zu testen“, berichtet Springer, „Vor wenigen Tagen habe ich die letzte Version geschickt bekommen.“ Diese übertreffe seine Erwartungen bei weitem, so Jonathan Springer. Die Software sei nun in der Lage mit dem Handy aufgenommene Fotos automatisch mit präzisen GPS-Koordinaten zu versehen. Somit können Bilder von bestimmten Gebieten übermittelt und sofort zugeordnet werden. „Der Kompass zeigt in Metern an, wie weit man sich vom Zielpunkt entfernt befindet“, erklärt der US-Soldat, der derzeit noch in Afghanistan stationiert ist, „Es gibt eine Art Fadenkreuz, das man auf der Karte bewegen kann und mit dem Ziele markiert werden können. So lassen sich auch Wegpunkte festlegen und verbinden.“

Im Osten Afghanistan wurde das App auf die Probe gestellt. Springer testete es auf seinem iPhone und stellte fest, dass die Software mindestens so präzise ist, wie jedes meist sehr kostspielige zivile GPS-Gerät. „Es ist vergleichbar mit den GPS-Geräten die das US-Militär nutzt“, so Springer, „Die Koordinatenangaben sind absolut korrekt. Es funktioniert einwandfrei.“

Zwischen 26.000 und 30.000 US-Dollar seiner eigenen Ersparnisse investierte der 31jährige bislang in das App-Projekt. Genau könne er nicht sagen, wie viel ihn die Software letztendlich kosten wird, da er die endgültige Rechnung noch nicht erhalten habe. Im Februar soll das App namens „TacticalNav“ über den App-Store von Apple erhältlich sein, für den Bruchteil des Preises eines regulären GPS-Gerätes.

Von Seiten des amerikanischen Militärs erhielt Jonathan Springer keine Rückmeldung, wie die Entwicklung seiner Software aufgefasst wird. Längst aber hat man im Pentagon begriffen, dass Smartphones zur Grundausstattung vieler US-Soldaten im Einsatz gehören. Inzwischen werde an militärisch-nutzbaren Apps gearbeitet, vermutet Springer, seine Erfindung aber wurde bislang weder kommentiert noch gefördert. „Smartphones sind schon lange nicht mehr nur Telefone“, meint er, „sie sind kleine, leistungsfähige Computer mit hohem Potential, das genutzt werden muss.“ Sein Programm solle über das Internet nicht nur den US-Truppen zur Verfügung gestellt werden, sondern auch den Soldaten der verbündeten NATO-Staaten.

Original-Artikel auf „Welt Online“

„Soldat entwickelt Anti-Taliban-App für das iPhone“