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Der Beat des Dschihad

von Florian Flade

Rapper Denis C., ehemals „Deso Dogg“, jetzt“Abu Talha“

Erstmals werden in Deutschland islamistische Kampflieder („Nashid“) als jugendgefährdend eingestuft und auf den Index gesetzt. Die Dschihad-Songs radikalisieren junge Muslime, warnt der Verfassungsschutz. 

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Ortswechsel: Islamisten-Duo verlässt Berlin

von Florian Flade

Der islamistische Ex-Rapper Denis C. und der österreichische Prediger Mohammed M. haben Berlin den Rücken gekehrt. Die beiden prominenten Islamisten leben jetzt in Bonn und Solingen. Die Sicherheitsbehörden sind besorgt.

Quelle: Youtube

Mohammed M. und Denis C. bei einem Vortrag

Noch im November traf man Denis C. häufig in Berlin-Kreuzberg udn Neukölln an. Zwischen Hermannplatz und Kottbusser Tor war der Ex-Gangsta-Rapper, der sich einst “Deso Dogg” nannte, oft bis spät in der Nacht unterwegs.

Er, der seit Jahren als islamistischer Rapper und Prediger von sich Reden macht, rief muslimische Jugendliche auf, zum wahren Glauben zu finden. Sie sollten die Finger von Alkohol, Drogen, von Rap-Musik und Partys lassen.

Jetzt scheint Denis C. alias “Abu Talha” die Missionierung seiner Berliner Mitbürger aufgegeben zu haben. Der Islamisten-Rapper hat Berlin nach über 30 Jahren den Rücken gekehrt. Die Hauptstadt, so sagte er alten Schulfreunden, sei “verloren”. Die neue Heimat von Denis C. ist das Rheinland. Nach meinen Informationen lebt der Berliner Islamist seit einigen Wochen in Bonn.

Berliner Staatsanwalt schaft ermittelt gegen Denis C.

Genaue Gründe für den Umzug nach Bonn sind unklar. Möglicherweise war Denis C. der Verfolgungsdruck durch die Behörden und jüngst auch durch die Justiz in der Hauptstadt zu groß. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Denis C. eröffnet hat.

Es bestehe der Verdacht der Volksverhetzung, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Denis C. soll in seinen islamistischen Kampfliedern („Nashid“ genannt) zum Dschihad aufgerufen und Andersgläubige beleidigt haben. Den im Mai 2011 getöteten Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden nannte er in einem Lied „den schönsten Märtyrer dieser Zeit“.

Extremist „Abu Usama al-Gharib“ zieht nach Solingen

Denis C. ist nicht der einzige prominente Islamist, der Berlin seit Jahresbeginn verlassen hat. Der Österreicher Mohammed M. alias „Abu Usama al-Gharib“, der wie Denis C. dem extremistischen Flügel der Islamisten-Szene zugerechnet wird, hat ebenfalls seinen Wohnort gewechselt.

Dabei war der umstrittene Prediger erst Ende 2011 aus Österreich ausgewandert und nach Berlin gezogen. Nun hat er die Hauptstadt wieder verlassen und lebt nun im bergischen Solingen.

Mohammed M. hatte in Österreich eine vierjährige Haftstrafe wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Nötigung der Bundesregierung, versuchter schwerer Nötigung und Gutheißung abgesessen.

Im September 2011 wurde M. aus dem Gefängnis entlassen und wanderte nach Deutschland aus. In Berlin schloss er sich dem Umfeld von Ex-Rapper Denis C. an, mit dem er bereits während der Haft in Kontakt stand.

Pionier des deutschsprachigen Online-Dschihadismus

Terror-Experten wie Dr.Guido Steinberg von der Stiftung Politik und Wissenschaft bezeichnen Mohammed M. als „einen der Pioniere des deutschsprachigen Online-Dschihadismus“. Schon kurz nach seiner Haftentlassung im vergangenen Jahr wurde er wieder im Internet aktiv. Er rief das Internet-Projekt „Millatu Ibrahim“ ins Leben, eine Webseite, die inzwischen als neue Propaganda-Plattform der deutschsprachigen Islamisten-Szene gilt.

Wie eng Mohammed M.s Kontakte auch zu mutmaßlich gewaltbereiten Islamisten in Deutschland sind, zeigt ein Foto, das Ende Oktober 2011 aufgenommen wurde. Es zeigt Mohammed M. zusammen mit Ex-Rapper Denis C., und den beiden Terrorverdächtigen Hani N. und Samir M..

Letztere waren am 8. September 2011 unter dem Verdacht der Anschlagsvorbereitung in Berlin festgenommen worden, mussten aber im Oktober aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Imam in der neu benannten „Millatu-Ibrahim-Moschee“

In seinem neuen Wohnort Solingen hat Mohammed M. mittlerweile eine dominierende Rolle innerhalb einer Moschee-Gemeinde eingenommen, die schon früher aufgrund der islamistischen Tendenzen ins Visier der Sicherheitsbehörden geriet.

Das „Deutsch-Islamische Zentrum Solingen“, ein kleiner Hinterhofbau in der Solinger Nordstadt, wurde kurzerhand umbenannt und heißt jetzt – angelehnt an die Webseite von Mohammed M. – “Millatu-Ibrahim-Moschee”. Der Österreicher hat sich in der Solinger Moschee inzwischen als Imam etabliert und predigt allwöchentlich.

Weshalb Mohammed M. ausgerechnet in diesem Moschee-Verein aktiv wurde, bleibt fraglich. Die Moschee gilt aus Sicht der deutscher Sicherheitsbehörden seit Jahren als Anlaufpunkt radikaler Islamisten. Im Juli 2011 waren zwei deutsche Konvertiten von dort bei der Einreise nach Großbritannien festgenommen worden. Die beiden Männer hatten islamistisches Propagandamaterial, darunter auch Anleitungen zum Bombenbau im Gepäck.

Brisante Entwicklungen in der Islamisten-Szene

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom „Zentrum für Demokratische Kultur (ZDK)“ vermutet, der Verfolgungsdruck auf Denis C. und Mohammd M. sei in Berlin zu groß geworden. Daher der Umzug nach Nordrhein-Westfalen.“Beide galten in Berlin als die gefährlichsten Propagandisten und wurden dementsprechend beobachtet“, erklärt Dantschke.

Darüber hinaus gebe es innerhalb der nordrhein-westfälischen Islamisten-Szene brisante Entwicklungen. Die Berliner Islamisten hätten großes Interesse daran, diese zu beeinflussen.

„Seit mehreren Monaten laufen in NRW Bemühungen, die salafistische Szene, die sich im letzten Jahr sehr zersplittert hat, wieder zusammenzuführen“, so die Islamismus-Expertin, „Die Verlagerung von Millatu Ibrahim nach Solingen und der Umzug von Ex-Rapper Denis C. nach Bonn, schaffen bessere Voraussetzungen für die radikalen Elemente, sich in diese Bemühungen einklinken und deren Ausrichtung mitbestimmen zu können.“

„Ich bin kein Staatsdiener, ich bin Staatsfeind“

Um welche Ausrichtung es Mohammed M. und Denis C. dabei geht, machen beide unverblümt in ihren Videopredigten deutlich. „Wir werden diesen Weg weitergehen, egal wer damit zufrieden ist und wer nicht! Ich schwöre bei Allah: Allahs Sieg ist nahe!“, predigte der Österreicher Mohammed M. jüngst in Solingen.

„Ich bin kein Staatsdiener, ich bin Staatsfeind“, erklärte Ex-Rapper Denis C. bereits Ende 2011 in einem Videobeitrag, „Ich bin ein Muslim, ich bin gegen die Gesetze dieser Regierung, ich bin gegen Demokratie, ich bin gegen Integration, ich bin für die Sharia“.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Dschihad-Rapper

von Florian Flade

Quelle: Youtube

„O b sie wollen oder nicht, Allah vollendet sein Licht…mein Bruder kämpfe und streng dich an!“ – heißt es einem Nashid des Berliner Ex-Rappers Denis Mamadou C. ehemals „Deso Dogg“, ehemals „Abou Maleeq“, aktuell „Abu Talha al-Almani“.

Dieser dschihadistische Acapella-Song ist nur eines von mindestens zehn Liedern mit islamistischem Text, die nun Anlass für die Berliner Staatsanwaltschaft sind, ein Ermittlungsverfahren gegen Denis C. einzuleiten. Wie mir ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Berlin bestätigte, wird aktuell gegen den Islamisten-Rapper wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

Seit Januar 2010 veröffentlichte Denis C., der inzwischen festetablierter Teil der deutschen Islamisten-Szene ist, im Internet eine Reihe islamistischer Kampflieder in denen der Dschihad und der Märtyrertod verherrlicht werden. Einige dieser „Anashid“, die sich dutzendfach bei Youtube finden, wurden von Denis C. öffentlicht – teils bei Islam-Seminaren – gesungen.

„Wandert aus, wandert aus! Usbekistan, Afghanistan, wir kämpfen in Khorasan!“, sang Denis C. noch in seinem ersten Nashid, das während eines Islam-Seminar im rheinland-pfälzischen Mayen zum Jahreswechsel 2010/2011 erstmals vorgetragen wurde. „So Allah will, wir kämpfen, fallen als Märtyrer, den Feind im Auge, im Namen Allahs“, heißt es weiter.

In einem anderen Lied singt Denis C.: „Ja wir kämpfen, wir erobern, es gibt keinen Gott außer Allah!“

Der im Mai 2011 in Pakistan getötete Al-Qaida Führer Osama Bin Laden wird in einem Lied von Denis C. als Märtyrer verherrlicht. „Sheikh Osama, der schönste Märtyrer dieser Zeit…du warst ein Löwe im Land der Mudschaheddin, auf dem Boden der Märtyrer“, so der Text des Liedes.

Nun scheint die Justiz genügend Material zusammen getragen zu haben, um eine Anklage gegen den Dschihad-Rapper aus Berlin vorbereiten zu können. Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ prüft die Texte von Denis C. inzwischen auf „jugendgefährdenden Inhalt“.

Sicherheitsbehörden warnen indes vor den musikalischen Aufrufen zum Kampf gegen die Ungläubigen und der Aufforderung von Denis C. an deutsche Muslime in die Terrorcamps nach Pakistan auszuwandern. Gerade auf jugendliche Muslime können die Songs des Islamisten eine gefährliche Wirkung haben, so die Einschätzung der Ermittler.

Denis C. gibt sich derweil unbeirrt von den juristischen Ermittlungen gegen seine Person. Vor wenigen Wochen soll er anlässlich eines Islam-Seminars in Köln einen Mitarbeiter der ARD angegriffen haben. Dabei wurde eine Kamera zerstört.

Auf Facebook kündigte der Berliner Ex-Rapper bereits seinen nächsten Auftritt an und warnte die Medien. „Demnächst in Düsseldorf Seminar. Und für die Presseratten: Besser ihr kommt nicht, sind auch Brüder extra für euch da.“