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Der Tag, an dem Bünyamin starb

von Florian Flade

Ein US-Drohnenangriff in Pakistan tötet einen deutschen Staatsbürger. Er sei ein islamistischer Terrorist und damit ein legitimes Ziel gewesen, behauptet die Bundesanwaltschaft und lehnt Ermittlungen wegen Mordes ab. Das Opfer sei unschuldig hingerichtet worden, sagt der Bruder. Er hat die Tötung miterlebt.

Mir_maps.google.de 2013-7-24 9 45 9Mir Ali, Nord-Waziristan – Google Maps

Der Tod kommt oft langsam und mit Vorwarnung. Manchmal aber auch ganz plötzlich, beim Abendessen. Manchmal fällt er vom Himmel. In Form einer Rakete. So auch am 4.Oktober 2010. Ein Gehöft in Mir Ali, einer Ortschaft im pakistanischen Stammesgebiet Waziristan, unweit der Grenze zu Afghanistan. Acht Männer kamen hier an jenem Abend zum Essen zusammen. Eingeladen hatte sie der Hausherr, ein Deutsch-Kurde aus Wuppertal. Emrah Erdogan war in die Bergwelt Nordwest-Pakistans gekommen, um gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn ein islamisches Leben zu führen, sagt er. Um ein islamistischer Gotteskrieger zu werden, behauptet die Staatsanwaltschaft.

Emrah Erdogan muss sich derzeit vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verantworten. Der Wuppertaler soll ein Terrorist sein, ein Al-Qaida-Mitglied. Im Herbst 2010 versetzte er mit seinen Anrufen aus den Bergen Pakistans die deutschen Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft. Emrah erzählte von angeblich geplanten Anschlägen in Deutschland.

Bevor er Richter aus seinem Leben, von seiner verkorksten Jugend, den Drogen, der Zeit im Knast, seiner Radikalisierung und seiner Dschihad-Karriere erzählte, betonte Emrah jedoch: „Ich bin hier nicht, um irgendwelche Namen zu verraten, damit jemand hingerichtet wird.“

Er weiß, wovon er spricht, denn er hat hautnah miterlebt, wie Menschen getötet wurden. Ohne Gerichtsprozess, ohne Anhörung, ohne Beweise. Einer von ihnen war sein kleiner Bruder Bünyamin.

An jenem Abend des 4.Oktober 2010 aßen Emrah, Bünyamin und die anderen im fernen Waziristan gemeinsam zu Abend. Der damals 20-jährige Bünyamin war erst wenige Wochen zuvor seinem älteren Bruder nach Waziristan gefolgt. In ihrer Heimat Wuppertal hatten „Bünno“ und „Emo“, wie Freunde sie nannten, zum fundamentalistischen Islam gefunden. Nun waren sei ausgewandert. In eine Region der Welt in der statt Demokratie die Scharia herrscht, in der Taliban-Clans und Al-Qaida regieren, der pakistanische Staat schwach ist. Und in der die USA mit Drohnen Jagd auf Terroristen machen.

So auch an jenem Abend. Während sein kleiner Bruder anschließend den Tisch abräumte, verließ Emrah die Runde und ging über den Innenhof in einen anderen Teil des Gehöfts. In diesem Moment gab es eine gewaltige Explosion.

Die Druckwelle habe ihm die Klamotten vom Leib gerissen und ihn durch die Luft geschleudert, erzählt Emrah heute. In Panik sei er zurückgelaufen, in den Innenhof, dort wo die Raketen eingeschlagen waren. Die Lehmwände seien zerstört gewesen. Überall lag Schutt. In den Trümmern habe er mit bloßen Händen gewühlt und nach Überlebenden gesucht.

Zunächst fand Emrah den Deutsch-Iraner Shahab Dashti, der im März 2009 mit einer größeren Islamisten-Gruppe aus Hamburg nach Pakistan gekommen war. Die Beine von Dashti seien abgerissen worden, berichtet Emrah später. Der Hamburger verblutete noch vor Ort.

Als Emrah weiter grub, stieß er auf einen Leichnam. Ein Raketensplitter steckte im Kopf des Mannes – es war sein kleiner Bruder Bünyamin. „Der hat nicht geantwortet“, erzählte Emrah später der Familie in Wuppertal per Telefon. „Sein hinterer Kopf alles zerfetzt, sein ganzes Gehirn war draußen.“ Sein Bruder sei ein Märtyrer geworden.

Bünyamin Erdogan, Shahab Dashti und die anderen fünf Männer, die an diesem Abend durch die amerikanischen Raketen in Mir Ali ums Leben kamen, wurden Opfer im Kampf gegen den Terror. Es war ein amerikanischer Drohnenangriff, wie sie in dieser Gegend Pakistans beinahe wöchentlich stattfinden. Doch etwas war dieses Mal anders: Bünyamin Erdogan besaß einen deutschen Pass.

Er ist der erste deutsche Staatsbürger, der bei einem CIA-Drohnenangriff getötet wurde. Ein Präzedenzfall. Und ein Fall für die deutsche Justiz. In jenem kurzen Moment, in dem die Raketen im Haus von Emrah Erdogan einschlugen, wurden die Ereignisse zu seiner juristischen Herausforderung.

Ist Amerikas Drohnenkrieg in Pakistan legal? Dürfen die USA einen Menschen ohne Beweise, ohne Anklage und Gerichtsprozess hinrichten? Sind Islamisten Freiwild, noch bevor sie einen Anschlag verübt haben? Ist die Tötung von Bünyamin Erdogan als Mord zu bewerten?

All diese Fragen spielten wohl nie eine Rolle, als die US-Drohnen in den Terrorcamps von Waziristan Saudi-Araber, Jordanier, Ägypter, Marokkaner oder Jemeniten trafen. Jetzt aber wurde ein Deutscher, ein EU-Bürger, getötet.

In Karlsruhe setzte man einen Prüfvorgang im Fall Bünyamin Erdogan in Gang. Es galt zu klären, ob die Situation in Waziristan als internationaler, bewaffneter Konflikt zu werten ist. Und welche Rolle die Islamisten in der Region spielen. Sind sie pauschal legitime Ziele im Kampf gegen Al-Qaida & Co.? Oder muss in jedem Fall nachgewiesen werden, dass die Person eine Gefahr darstellt?

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat ihr Prüfverfahren inzwischen beendet. „Keine Anklage wegen eines Drohnenangriffs in Mir Ali / Pakistan am 4.Oktober 2010“ heißt es in der Überschrift der Erklärung, die Anfang Juli veröffentlicht wurde.

„Nach dem Ergebnis der zeitaufwändigen und umfangreichen Überprüfungen handelte es sich bei dem getöteten deutschen Staatsangehörigen nicht um einen vom humanitären Völkerrecht geschützten Zivilisten, sondern um einen Angehörigen einer organisierten bewaffneten Gruppe“, stellt die Bundesanwaltschaft fest. „Gezielte Angriffe gegen solche Personen in einem bewaffneten Konflikt sind kein Kriegsverbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch.“

Gutachten seien herangezogen worden, um zu klären, ob in der Region um Mir Ali ein bewaffneter Konflikt herrscht. Dies habe sich bestätigt, so die Karlsruher Juristen. Zwei Konfliktsituationen gebe es rund um Mir Ali.

„Dies waren der aus Afghanistan herüberreichende Konflikt zwischen Aufständischen, die hauptsächlich vom pakistanischen Grenzgebiet aus agieren, und der von der ISAF unterstützten afghanischen Regierung sowie ein innerpakistanischer Konflikt, bei dem sich eine Allianz aus pakistanischen Taliban sowie afghanischen Aufständischen und die pakistanische Regierung gegenüberstanden, die faktisch von den USA unterstützt wurde. Der Drohneneinsatz, der zum Tode des deutschen Staatsangehörigen Bünyamin Erdogan führte, war Teil dieser Auseinandersetzungen.“

Nach dem Ergebnis der Untersuchungen stehe fest, dass Bünyamin Erdogan nach Pakistan gereist sei, um sich im Sinne des gewaltsamen Dschihad an den dortigen militärischen Auseinandersetzungen zu beteiligen, erklärt die Bundesanwaltschaft weiter. „Er ließ sich zum Einsatz im bewaffneten Kampf ausbilden, wurde mit einer Waffe ausgestattet und war mit seinem Einverständnis für einen Selbstmordanschlag vorgesehen. Seine gesamten Aktivitäten in Pakistan waren darauf ausgerichtet, an feindseligen Handlungen teilzunehmen.“

Zum Zeitpunkt des Drohneneinsatzes am 4. Oktober 2010 habe Bünyamin Erdogan an einem Treffen von acht männlichen Personen teilgenommen, darunter seien auch Mitglieder von Al-Qaida und den Taliban gewesen.

„Dabei sollten die Planungen für ein Selbstmordattentat unter seiner Beteiligung auf Angehörige der pakistanischen Armee oder der ISAF-Streitkräfte vorangetrieben werden“, heißt es in der Begründung der Bundesanwaltschaft weiter. „(…) Deshalb war seine Tötung am 4. Oktober 2010 nach den Regeln des Konfliktvölkerrechts gerechtfertigt und stellt kein Kriegsverbrechen dar.“

War der Wuppertaler also das Ziel des amerikanischen Drohnenangriffs, weil er einen Terroranschlag verüben wollte? Oder kam Bünyamin Erdogan zufällig ums Leben, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Glaubt man dem Bruder des Toten, dann wurde Bünyamin grundlos das Opfer der amerikanischen Tötungs-Aktionen.

Um einschätzen zu können, weshalb die Raketen am 4.Oktober 2010 das Haus von Emrah Erdogan trafen, muss man wissen, wer sich an diesem Abend im Gehöft in Mir Ali aufhielt. Es handelte sich nämlich keineswegs um irgendwelche Gäste aus der Nachbarschaft. Sondern um Terror-Prominenz, die schon länger im Visier der USA stand.

Bünyamin habe in Waziristan einige Leute kennen gelernt, die ihn beeinflusst hätten. So berichtet Emrah vor Gericht. In dieser Zeit habe sich sein kleiner Bruder stark verändert. „Er hat den Kampf anders gesehen als ich“, so Emrah. Bünyamin sei radikaler geworden. Öfter habe er bei anderen Personen geschlafen und jemanden getroffen, der offenbar einen starken Einfluss auf ihn ausübte.

Wer dieser jemand gewesen sei, fragte der Richter im Frankfurter Gerichtssaal. „Mussa al-Brittani“, antwortete Emrah. Der britische Islamist habe seinen jüngeren Bruder für ein Selbstmordattentat anwerben wollen und deshalb auf Bünyamin eingeredet, erinnert sich Emrah. Quasi Gehirnwäsche betrieben.

Al-Brittani gehörte laut Emrahs Aussagen nicht zur Al-Qaida. „Er hat unabhängig Dinge gemacht“, beschreibt er die Funktion des mysteriösen Dschihadisten. Westliche Nachrichtendienste kannten Mussa al-Brittani. Er soll ein „Ustadhi al-Fidayin“ der pakistanischen Taliban gewesen sein. Ein Anwerber und Ausbilder für Selbstmordattentäter.

In Waziristan habe sich Mussa al-Brittani aufgeführt wie der Anführer, erzählt Emrah vor Gericht. Einmal habe er Emrah und die anderen aufgefordert einen Konvoi der pakistanischen Armee anzugreifen. Als diese verweigerten, um nicht unnötig eine Militäraktion zu provozieren, habe al-Brittani herumerzählt, die Deutschen seien Angsthasen. „Denkst du, du bist der Emir?“, habe ihn Emrah daraufhin gefragt. „Ja“, antwortete der britische Dschihadist.

Emrah behauptet, er habe die Pläne seines Bruders, ein Attentat zu verüben, nicht unterstützt. Im Gegenteil. Er wollte ihn angeblich davon abhalten, ein Selbstmordattentäter zu werden. Telefonate, die Emrah mit den Verwandten im heimischen Wuppertal führte, zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Am 7.September 2010 beispielsweise hört das Bundeskriminalamt (BKA) ein Gespräch zwischen Emrah und seinem Bruder Yusuf ab. Es ging offenbar darum, dass für Bünyamin eine Braut gesucht und dann nach Pakistan geschickt werden solle. „Wir werden sie Bünyamin nicht mehr geben“, sagte Emrah plötzlich. Verwundert fragte der Bruder nach. „Ich werde dir jetzt etwas sagen, aber du sollst es niemand weitersagen“, so Emrah. „Auch Bünyamin nicht, okay?“

Der kleine Bruder sei für eine Operation ausgewählt worden. Bünyamin werde ins Paradies kommen. „Erzähl es niemand!“, schärft Emrah seinem Bruder in Deutschland ein. „Sag es nicht Mutter!“

Klingt so jemand, der seinen Bruder angeblich von seinem Attentat abhalten will?

Das BKA hatte offenbar nach dem abgehörten Telefonat keinen Zweifel mehr, was mit Bünyamin geschehen sollte. Es handele sich um einen „tatsächlichen Tatplan“ schrieb eine Woche später eine BKA-Sachbearbeiterin laut „Stern“ handschriftlich neben das abgetippte Gesprächs-Protokoll. Bünyamin Erdogan solle sich an einem Selbstmordattentat beteiligen, so das Fazit der Terrorbekämpfer.

Ging es am 4.Oktober 2010 im Haus von Emrah gar um konkrete Planungen eines Terroranschlages? Die Liste der Gäste könnte dies vermuten lassen. Gekommen waren Bünyamin, Mussa al-Brittani und ein pakistanischer Taliban-Kommandeur namens Qari Hussain Mehsud.

Hussain Mehsud war zum damaligen Zeitpunkt einer der meistgesuchten Terroristen Pakistans. Er war der Leiter der „Märtyrerbrigaden“ der pakistanischen „Tehrik e-Taliban“ (TTP). Auf ihn war ein Kopfgeld von rund 300.000 Euro ausgesetzt. Die pakistanische Presse nannte ihn „Vater der Selbstmordattentäter“, weil er mehrere Schulen für zukünftige Märtyrer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet unterhielt. Hussain Meshud soll öfter geprahlt haben, er brauche nur eine halbe Stunde Gespräch, um aus einem jungen Mann einen todeswilligen Selbstmordattentäter machen.

War also der Top-Terrorist Qari Hussain Mehsud das eigentliche Ziel des US-Drohnenangriffs vom 4.Oktober 2010? Sowohl Hussain Mehsud als auch al-Brittani galten in Kreisen westlicher Nachrichtendienste als gefährliche Strategen und Anschlagsplaner. Terroristen, denen zugetraut wurde auch international Attentate umzusetzen.

Der Drohnenangriff, der auch Bünyamin Erdogan das Leben kostete, tötete nach Angaben von Geheimdienstlern auch Mussa al-Brittani und Qari Hussain Mehsud. Emrah hingegen gibt an, al-Brittani habe den Raketeneinschlag überlebt. Er soll ihm sogar ein neues Haus vermittelt haben.

Vieles deutet darauf hin, dass Bünyamin Erdogan dem amerikanischen Drohnenkrieg zum Opfer fiel, weil er mit Terroristen verkehrte, die lange schon im Visier amerikanischer und pakistanischer Geheimdienste standen. Weil er sich womöglich einließ, auf den bewaffneten Kampf und weil sein großer Bruder Emrah die Dschihad-Prominenz in seinem Haus empfing, die im Visier der Amerikaner standen.

Geklärt ist damit noch lange nicht, die Rechtmäßigkeit der CIA-Drohnenpolitik. Nicht wenige Völkerrechtler diesseits und jenseits des Atlantiks bezweifeln, dass es sich bei den Einsätzen um legale Kriegshandlungen handelt. Für die deutsche Justiz ist der Fall Bünyamin Erdogan offenbar abgeschlossen.

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Der Artikel erschien am 23.Juli 2013 auf Heise Telepolis

http://www.heise.de/tp/artikel/39/39570/1.html

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German Judge Presses Charges After Drone Killing

by Florian Flade

A German judge is pressing charges against the head of Germany´s FBI for allegedly assisting murder in the case of Bünyamin E., a suspected Jihadi militant and German citizen killed by a US drone in October 2010 – a case that could cause further political consequences in Berlin and Washington.

Bünyamin E.  – Death by Drone on October 4th 2010

Jörg Ziercke´s job is anything but an easy one. He is the head of the „Bundeskriminalamt“ (BKA), the German equivalent to the American FBI. The BKA with its approximately 5,200 personel, is responsible for the coordination of law enforcement in cooperation with criminal investigation bureaux of the individual states of Germany called „Landeskriminalamt“ (LKA). Part of Mr.Ziercke´s job is counter-terrorism. While the German „Verfassungsschutz“ (BfV) gathers information about groups, parties and individuals involved in extremism and terrorism and the „Bundesnachrichtendienst“ (BND) is only operating outside of the country, the BKA is actively fighting terrorism within Germany.

Since 2004 Ziercke is the chief commissioner of the BKA and has earned praise as well as harsh critizism even from within his own party. Especially his dedication to further expand online searches of private computers to fight terrorism as well as child pornography and illegal file-sharing has led to resistance on a political level.
When it comes to Jihadi terrorism, Jörg Ziercke has always kept quite calm and acted carefully when giving interviews to avoid causing hysteria and panic. Yet, in the background, the head of BKA might have played a more active role in going after Islamic fanatics.

How far the BKA´s involvement in fighting terrorism went is only one question a German judge wants to be answered very soon – possibly in front of a court. Thomas Schulte-Kellinghaus, judge at the highest state court in Karlsruhe, pressed charges against BKA head Ziercke in December. Schulte-Kellinghaus wants to know wether or not the German police was involved in the killing of a German citizen who died in October 2010 in Pakistan. Suspicion is strong BKA and possibly other German government agencies provided the US with information about the alleged German Jihadi´s whereabouts.

The case of Bünyamin E., a 20 year-old German of Turkish origin, prompted Mr.Schulte-Kellinghaus to take the very unusual step to file a complaint against the BKA chief commissioner. Bünyamin E. was killed on October 4th 2010 when a missiles fired from a US drone hit a building near Mir Ali, North-Waziristan. E., Hamburg resident Shahab D. and several Central Asian Jihadi militants died in that attack. Eventhough early reports out of Pakistan indicated German nationals were in fact killed by the US drone strike, German officials would neither confirm nor deny the death of a German citizen. For weeks the German government kept quiet about the case of Bünyamin E.. Even when pictures of the dead body and the burial of the German national were released by a Jihadi group on the internet a few weeks after the deadly missile strike, Germany´s Ministry of Foreign Affairs would not comment on the event.

Two German political parties, „Die Linke“ and „Die Grünen“, send a formal request to the German government, demanding more information about the attack and details of a possible involvement of German officials in locating the German residents Shabab D. and Bünyamin E.. Both answers sent from government officials to the parties which I obtained, show unwillingness of German officials to confirm the death of a German citizen caused by a US drone. The documents read there has been a cooperation started with US authorities to determent if indeed a German citizen died on October 4th 2010 in North-Waziristan. Investigation is still going on and – one month after the attack – has not resulted in any new information.

Meanwhile there is no doubt that Bünyamin E. and Shahab D. were killed in the described drone strike near Mir Ali. E.´s brother who is still residing in Pakistan called the parents in Germany and told them of the death of the younger sibling. Shahab D.´s parents received a similar phone call.
Bünyamin E. who was born and raised in Western Germany, worked during summer vacation on a farm near his home town, helped to slaughter sheep and lambs. The farmer couple knew the friendly boy since he was a teenager. As soon as they got the news of Bünyamin´s death from the family, the former employer published a obituary in the local newspaper reading „Bünyamin was bombed out of his life by a US drone“. A German TV team presented the farmer couple a picture Bünyamin E.´s dead body. Husband and wife confirmed the picture shows their former labourer.

All this evidence of E.´s killing did not lead to any further comment by German politicians on the case. Left-wing activists, former judges and human rights experts demand answers and protest the alleged illegal killing of a German citizen. No evidence has been brought forward to proof Bünyamin E. was in fact involved in terrorist activities or actively fighting NATO forces in Afghanistan when he was killed – that´s the claim of those requesting government´s action to investigate the case of Bünyamin E.

Judge Schulte-Kellinghaus filed the complaint against BKA president Ziercke in early December to find out wether or not he is partially to blame for the death of a German citizen. Upon my request neither the BKA nor Jörg Ziercke himself has not presented any statement on the accusation yet.

Iran macht Jagd auf irakische Piloten

Im Irak machen iranische Agenten und verbündete Milizen Jagd auf irakische Piloten die in den 1980er Jahren am Iran-Irak-Krieg beteiligt waren. Die Wikileaks-Diplomatendepeschen zeigen das Ausmaß dieser Tötungskampagne.

by Florian Flade


Sie führten die menschenverachtenden Befehle Saddam Husseins aus, bombardierten in den 1980er Jahren kurdische Zivilisten und iranische Soldaten mit Giftgas, töteten hunderte, vermutlich tausende Soldaten und Zivilisten im Auftrag des Regimes von Bagdad. Heute müssen die Veteranen der irakischen Luftwaffe selbst um ihr Leben fürchten. Lange nach ihren tödlichen Einsätzen an der Front des Iran-Irakkrieges (1980-1988) und in den Kurdengebieten, üben iranische Todesschwadronen späte Rache an den ehemaligen Kampfpiloten.

Im Irak ist die tödliche Jagd iranischer Agenten und verbündeter Milizen auf irakische Ex-Piloten in vollem Gange. Jene Kampfpiloten, die in den 1980er Jahren Angriffe gegen den Iran flogen, sollen in einem verspäteten Vergeltungsfeldzug zur Strecke gebracht werden. In den jüngst von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten amerikanischen Diplomatendepeschen findet sich ein erschreckender Hinweis auf den kaum beachteten geheimen Krieg des Iran gegen Iraks Luftwaffenveteranen.

Am 14.Dezember 2009 verfasste die US-Botschaft Bagdad einen Bericht für das Außenministerium in Washington. Darin enthalten ist das Protokoll eines Treffens mit einem irakischen Militärgeheimdienstler, der von geheimen iranischen Kommandoaktionen im Irak berichtet. „“Viele ehemalige irakische Kampfflugzeug-Piloten, die Angriffe gegen den Iran flogen im Zuge des Iran-Irak-Krieges, seien nun auf Irans Abschussliste“, heißt es in der Botschaftsdepesche. Weiter notierte der Verfasser: „Nach Angaben von ____ hat der Iran bereits 180 irakische Piloten gezielt ermordet.“

Seit Jahren ist bekannt, dass Iraks Luftwaffenveteranen des Iran-Irak-Krieges im Fadenkreuz geheimer Todesschwadronen stehen. Dutzende Ex-Piloten fielen den Killern zum Opfer, wer überlebte versuchte das Land zu verlassen. Statistiken des irakischen Verteidigungsministeriums zeigen, dass seit dem Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2003 bis zu 800 irakische Luftwaffenoffiziere teilweise mit ihren Familien den Irak aus Angst vor der iranischen Rache verließen.

Im Oktober 2005 tauchten erste Berichte von gezielten Mordaktionen an gezielt jenen irakischen Piloten auf, die am Iran-Irak Krieg beteiligt waren. Innerhalb weniger Wochen wurden damals 36 ehemaligen Kampfpiloten im Bagdader Stadtviertel Karradah ermordet. Anwohner fanden im Laufe des Fastenmonats Ramadan die von Kugeln durchsiebten Leichen der Männer und sprachen daraufhin vom „Schwarzen Ramadan von Karradah“.

Der Nachrichtenagentur AFP berichtete zur selben Zeit ein Ex-Offizier der irakischen Luftwaffe mindestens 23 ehemalige Kampfpiloten seien bislang getötet worden. „Ich gehe nicht mehr aus dem Haus, aus Angst getötet zu werden“, so Ex-Pilot Rabih Ahmad al-Tai aus Tikrit. „Einer meiner Freunde, Major Shamal Ghafuri, wurde bei helllichtem Tag in Bakuba erschossen als er einkaufen war“, erzählte al-Tai, „Ein Freund der bei ihm war – Colonel Jassim Hassan – wurde schwer verletzt.“

Wer hinter den Morden steckt, stand für den ehemaligen Kampfpiloten al-Tai zweifelsfrei fest. Von Iran gesteuerte Gruppen seien für die Piloten-Morde verantwortlich. Iran übe so Vergeltung für die irakischen Luftangriffe der 1980er Jahre. Al-Tai selbst diente als Pilot eines Kampfjets im Iran-Irak-Krieg.

Die irakische Tageszeitung „Azzaman“ meldete im Juni 2006, Irans Geheimdienst „Ministry of Intelligence and Security“ (MOIS) habe die irakischen Sicherheitskräfte infiltriert und nutze Polizei- und Armeeeinheiten um die irakischen Piloten-Veteranen aufzuspüren und zu ermorden. Zudem zahle MOIS alliierten schiitischen Milizen 50,000 US-Dollar für die Ermordung eines irakischen Ex-Piloten der in den 1980er Jahren an der Bombardierung des Iran beteiligt war.

Doch nicht nur Iran und die vom Teheraner Regime unterstützten irakischen Schiiten-Milizen sollen einen Rachefeldzug gegen Luftwaffen-Angehörige eingeleitet haben. Auch die kurdischen Peshmerga-Milizen des Nord-Irak verhafteten und folterten angeblich ehemalige Kampfpiloten, hieß es in irakischen Medien. Mehrere Ex-Piloten starben in Haft, nachdem sie von kurdischen Sicherheitskräften verschleppt worden waren. In einigen Fällen sollen die entführten Männer sogar gegen hohe Geldsummen an iranische Geheimdienstler verkauft worden sein.

Noch vor fünf Jahren, im Oktober 2005, bat eine Delegation von 1000 irakischen Luftwaffenoffizieren, den kurdischen Staatspräsidenten Jalal Talabani um Asyl im Nord-Irak, wo man sich vor den schiitischen Todesschwadronen sicher fühlte. Die politische Führung der irakischen Kurden hatte Saddams Kampfpiloten eine Art Amnestie zugesichert. „Die Piloten haben keine Schuld an den Verbrechen die das frühere Regime verübt hat, sie haben lediglich kriminelle Befehle ausgeführt“, erklärte Talabani damals, „Hätte sie sich dem widersetzt, wäre sie auf der Stelle exekutiert worden.“ In den kurdischen Gebieten des Irak seien die Kampfpiloten in „Sicherheit, unabhängig von ihrer politischen Einstellung.“

Iraks Regierung scheint dem Treiben der iranischen Killerkommandos machtlos gegenüber zu stehen oder diese zu ignorieren. Die arabische Zeitung „Asharq Alawsat“ sprach bereits vor fünf Jahren den damaligem Innenminister der irakischen Übergangsregierung, Bayan Jabr, auf die Mordserie an. „Wie erklären Sie sich die Ermordungen von Piloten und ehemaligen Offizieren die am Irak-Iran-Krieg beteiligt sind?“, fragte die Zeitung den schiitischen Politiker. „Mir sind solche Informationen über die Tötung von Offizieren bekannt“, so die Antwort des Innenministers. Jabr fügte aber gleich hinzufügte: „Wissenschaftler, Physiker und Lehrer werden auch ermordet. Es wird dabei nicht auf ein spezielle Gesellschaftsgruppe abgezielt: alle Teile des irakischen Volkes werden angegriffen.“