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Who is Abu Zarr al-Burmi?

by Florian Flade

Abu Zarr al-Burmi has been around for a while now even though there has not been an official introduction to the audience – the spiritual leader of the Waziristan-bases terrorist group „Islamic Movement of Uzbekistan“ (IMU).

The middle-aged cleric wearing glasses and spotting shoulder-long hair, is featured in several IMU video and audio tapes including the last two video releases in Urdu and Burmese language a short while ago.

In Pakistan the voice of Abu Zarr al-Burmi is a known one to those familiar with a Urdu-language recording featuring a debate by the Jihadi cleric and a Pakistani military official. The IMU mufti declares himself to be part of the Tehrik e-Taliban (TTP) and a representative of the Uzbek and Tajik Muhajiroun (foreign militants) stationed in the tribal areas of Waziristan.

Though unconfirmed Abu Zarr al-Burmi claims to have worked as a teacher at the „Al-Farooq Islamic University“ in Karachi. One of his students was Qari Hussain, the infamous Pakistani Taliban trainer of teenage suicide bombers. „Qari Hussain Ahmad Mahmoud was one of my students“, al-Burmi says. When the Pakistani military started to raid and bomb places in Waziristan in 2004 both Qari Hussain and Abu Zarr left Karachi to join the Mujahidin in the tribal region.“He gave up learning and I gave up teaching“, al-Burmi remembers that time.

Apparently both men joined the Tehrik e-Taliban in the first place. Al-Burmi, a Pakistani national of Burmese ancestry, later became the chief Shariah judge and Mufti of the „Islamic Movement of Uzbekistan“ (IMU).

Today the Jihadi cleric seems to be actively preaching in the Waziristan mosques, calling locals to join the Mujahidin in their fight against the Pakistani government. Jihad against the Pakistani states, its military and politicians is a „individual duty“, Abu Zarr says in his sermons, also calling Pakistan´s founder Muhammad Ali Jinnah a „kafir“.

According to his own video messages Abu Zarr al-Burmi is keen on establishing a Shariah state not only in Pakistan but worldwide. In a German-language video release by IMU for example he talks about the historic region of Al-Hind. „At the time of the Prophet Muhammad, nine countries were part of Al-Hind“, al-Burmi says, „Sri Lanka, Maledives, Pakistan, Nepal, Kashmir, Bhutan, Baharat, Burma and Bangladesh.“ From Al-Burmi´s understanding these countries must be islamized again and must join to form a Islamic caliphate ruled by the Shariah.

In the person of Abu Zarrr al-Burmi (also known as Abu Zarr Azzam) the IMU has found a impressive example of Jihadi globalization: a Pakistani-educated cleric of Burmese origin is preaching the idea of International Jihad to foreign fighters in Pakistan´s tribal areas in fluent Arabic and Urdu.

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Deutsche Dschihadisten warten im Iran auf Rückreise

von Florian Flade

Die deutschen Dschihadisten Fatih T. und Naamen M. zogen vor Jahren in die Terrorcamps nach Pakistan. Nun sollen die gesuchten Islamisten im Iran untergetaucht sein und auf eine Rückkehr nach Deutschland hoffen.

Untergetaucht im Iran – Islamist Fatih T. aus Berlin

Fatih T. und Naamen M. galten schon als Märtyrer, getötet von Drohnen der CIA im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Jetzt gibt es Lebenszeichen der beiden Islamisten aus Deutschland. Die mutmaßlichen Dschihad-Kämpfer aus Berlin und Hamburg sind quicklebendig, haben Pakistan inzwischen verlassen und sind im Iran untergetaucht. Ihr sehnlichster Wunsch: die Rückkehr nach Deutschland.

Wie die „New York Times“ berichtet, hat sich der Berliner Islamist Fatih T. vor einiger Zeit in den Iran abgesetzt und erhofft sich von dort aus eine Rückkehr nach Deutschland. Der aus Berlin-Steglitz stammende Dschihadist hatte Deutschland im Frühjahr 2009 verlassen und war in terroristischen Ausbildungslagern in der pakistanischen Region Waziristan ausgebildet worden.

Nach dem Tod mehrerer deutscher Islamisten stieg Fatih T. zum Anführer der Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mudschaheddin“ (DTM) auf. In Waziristan nannte sich der 27jähriger Berliner „Abdul Fatteh“ und trat in mehreren Propagandavideos auf, in denen er mit Angriffen auf die NATO in Afghanistan prahlte.

Im Oktober 2011 meldete eine islamistische Internetseite der Anführer der Deutschen Taliban in Waziristan sei von einer US-Drohne getötet worden. Eine endgültige Bestätigung für Fatih T.s Tod folgte jedoch nicht. Deutsche Sicherheitsbehörden hegten in den folgenden Wochen starke Zweifel an der Meldung der Islamisten. „Wir gehen davon aus, dass er lebt“, erklärte mir ein ranghoher Geheimdienstler vor wenigen Wochen. Telefonate, die Fatih T. mit Freunden und Familie in Deutschland führte, lieferten den endgültigen Beweis.

Nun scheint klar, dass sich Fatih T., der ehemalige Student aus Berlin, nicht mehr in Pakistan befindet. Er lebt offenbar im Iran. In einem Telefon-Interview mit der „New York Times“ erklärte Fatih T. jüngst, alles was er nun wolle, sei ein „normales Leben in Deutschland mit meiner Frau und meinem Sohn“. Der Berliner Islamist behauptet gegenüber der Zeitung zudem, er sei ursprünglich nicht nach Pakistan gereist um eine Terrorausbildung zu erhalten. „Ich wollte in einem islamischen Land unter Scharia-Gesetzen leben“, so Fatih T.

Ein weiterer totgesagter Dschihadist aus Deutschland soll wie Fatih T. derzeit im Iran auf eine Möglichkeit warten, nach Europa zurück zu kehren – Naamen M. aus Hamburg. Der Franzose algerischer Abstammung hatte Hamburgim Frühjahr 2009 zusammen mit mindestens elf weiteren Islamisten aus Hamburg verlassen. Die Gruppe, darunter auch zwei Frauen, hatte sich in Pakistan der „Islamischen Bewegung Usbekistans“(IBU) angeschlossen.

Naamen M. hatte sich laut Aussagen später festgenommener Islamisten in Waziristan schnell von der Hamburger Gruppe getrennt. Unter dem Kampfnamen „Abu Baraa“ schloss sich der 41jährige angeblich den arabischen Kämpfern der Al-Qaida an.

Im Oktober 2010 meldete der „SPIEGEL“, ein US-Drohnenangriff habe drei deutsche Islamisten in Waziristan getötet, darunter auch Naamen M.. Die Meldung erwies sich als falsch. Wie ich auf „Welt Online“ berichtete meldete sich Naamen M. im September 2011 bei seiner in Hamburg lebenden Ehefrau und sagte er wolle Pakistan verlassen und den Dschihad hinter sich lassen.

Wie die „New York Times“ nun berichtet sollen Naamen M. und Fatih T. aus dem iranischen Exil heraus in Kontakt mit Familienangehörigen und ihren Anwälten stehen. Europäische Sicherheitsbehörden sind von der Leuterung der beiden Dschihadisten nicht überzeugt. Sie sehen in den Islamisten weiterhin ein Sicherheitsrisiko.

Aus Kreisen des Verfassungsschutzes heißt es, man sehe die Desillusionierung, die in den terroristischen Ausbildungslagern Pakistans stattfindet mit einiger Skepsis. Die Situation in den Camps sei derart katastrophal, dass einige Dschihadisten diese Leben vor Ort ganz klar ablehnen. Dies bedeute jedoch keinesfalls eine komplette Abkehr von der dschihadistischen Ideologie. Rückkehrer aus den Terrorcamps seien zunächst einmal als „gefährlich“ einzustufen, der Wille zu Anschlägen „hierzulande, ist womöglich noch vorhanden“.

Das Herz der Hydra

by Florian Flade

Überall lesen wir es dieser Tage: al-Qaida ist schon lange keine feste Organisation mehr, ein loses Geflecht einzelner Ableger, kaum verknüpfter Terrorzellen, ideologisierter Einzeltäter. Das von Bin Laden zurückgelassene Terrornetzwerk könne nicht mehr geografisch festgelegt werden. Im Jemen, in Somalia, Nordafrika, ja sogar in Nigeria und Thailand seien heute al-Qaida Metastasen zu finden. All das stimmt. Doch das Herz der Terror-Hydra existiert, es lebt und schlägt in den Bergen Nord-Waziristans. Es ist Ballungszentrum der Bin Laden Jünger, Hort der Terrorplanung und Kaderschmiede. Ein Blick in die Zentral einer Organisation, die längst ein Großkonzern des Terror geworden ist.

Das Terrornetzwerk al-Qaida bestätigte gestern erstmals den Tod seines Gründer und „Emirs“ Osama Bin Laden. Mit der Tötung des saudi-arabischen Top-Terroristen durch US-Elitesoldaten in der Nacht des 02.Mai verliert al-Qaida seine wohl charismatischste Führungsperson – das terroristische Netzwerk jedoch ist längst nicht am Ende. Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11.September 2001 hat eine neue Generation islamistischer Terroristen die Führung a-Qaidas übernommen. Die Lehrlinge Bin Ladens arbeiten von Pakistan aus fieberhaft an Anschlägen in den USA und Europa.

Geheimdienste und Terrorismus-Experten sehen al-Qaida im Jahr 2011 stark geschwächt jedoch nicht besiegt. Der ehemalige CIA-Analyst Bruce Riedel warnt, den Tod Bin Ladens mit dem Tod al-Qaidas gleichzusetzen. „Osama Bin Ladens Tod ist ein schwerer Schlag für al-Qaida – aber nicht ihr Ende“, so Riedel, „Wir sollten damit rechnen, dass die Bedrohung durch mehr Al-Qaida Anschläge real bleibt.“

Große Anschlagsszenarien, wie das von 9-11, umzusetzen, dürfte al-Qaida allerdings derzeit kaum gelingen, meinen Experten. „Ihre Fähigkeit großangelegte Anschlage auszuüben ist erodiert“, erklärt der Terrorismus-Experte und Autor Peter Bergen. CNN-Korrespondent Nic Robertson verwies zudem auf den Effekt der Tötung Bin Laden. Die werde „enorme psychologische Auswirkungen auf die Mitglieder der Organisation haben“, so Robertson.

Trotz des zunehmend lose agierenden Terrornetzwerkes, hat sich in den pakistanischen Stammesgebieten seit dem Fall Afghanistans als Terrorbasis eine neue Al-Qaida-Infrastruktur etabliert, die auch nach Osama Bin Ladens Tod weiterhin schlagkräftig bleibt und bereits in der Vergangenheit den Verlust von Führungspersonal kompensieren konnte. „Al-Qaida Zentral“ nennen Terrorismus-Experten diesen Kern des von Bin Laden gegründeten Franchise-Netz, das inzwischen weltweit – in Nordafrika, dem Irak, Jemen, Somalia – durch eigenständig agierende Ableger vertreten ist.

Al-Qaidas Kernland aber bleibt das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. In den entlegenen Bergdörfern der pakistanischen Provinz Nord-Waziristan wartet eine junge Generation von Al-Qaida-Führern darauf, das Ruder der teils losen, teils durchstrukturierten Organisation in die Hand zu nehmen. Hier, zwischen den Ortschaften Mir Ali, Datta Khel und Miranshah, wird nun die „Masjlis Al-Shura“, das Führungsgremium der Al-Qaida, tagen und Nachfolger Bin Ladens, einen neuen „Emir“, ernennen. Aussichtsreichster Kandidat ist der ägyptische Arzt Dr.Ayman al-Zawahiri, langjähriger Weggefährte Osama Bin Ladens und operatives „Gehirn“ der Organisation. Fachleute halten Zawahiri jedoch für wenig charismatisch und kaum geeignet um Bin Ladens Stellung als spiritueller Führer einer globalen Dschihad-Bewegung zu ersetzen.

Sollte Zawahiri (59) neue Emir der al-Qaida werden, übernimmt er ein Terrornetzwerk, das durch die US-Drohnenangriffe in den vergangenen Jahren zahlreiche Kommandeure, Chef-Planer und Ausbilder verloren hat. Al-Qaida ist seit dem 11.September geschrumpft, besteht heute im Kern vermutlich aus weniger als 200 Kämpfern. Die Infrastruktur beschränkt sich heute auf wenige Ausbildungslager in Waziristan, die zunehmend Mühe haben einheimische und ausländische Islamisten aufzunehmen und effektiv in Bombenbau und an Waffen zu trainieren.

Al-Qaidas Führungsebenen scheinen dem Druck der Geheimdienste weiterhin zu trotzen. Fast alle Anschlagsplanungen, die in den vergangenen Jahren in Nordamerika und Europa aufgedeckt wurden oder scheiterten – wie etwa der Autobombenanschlag am New Yorker Times Square, der Plan britischer Islamisten über dem Atlantik Passagiermaschinen zu sprengen oder die jüngst aufgeflogene Düsseldorfer Terrorzelle – haben ihren Ursprung in Nord-Waziristan. Von dort aus operieren die Chef-Planer Al-Qaidas und rekrutieren immer häufiger auch westliche Islamisten für Attentate.

Verantwortlich für die Auslands-Operationen der Al-Qaida ist ein Planungsstab, dessen Mitglieder gefährliche Extremisten sind, die den Westen teilweise aus eigener Erfahrung kennen. Adnan Gulshair al-Shukrijumah soll einer von ihnen sein. Der 1975 in Saudi-Arabien geborene Islamist wuchs in den USA auf, wurde Computer-Fachmann und ist nun wohl Al-Qaidas Mann für Anschläge im Westen. Er ist heute einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, auf den die USA ein Kopfgeld von 5 Millionen US-Dollar ausgesetzt haben.

Auch den ehemaligen ägyptischen Oberst Saif al-Adl, den in Großbritannien geborenen Rashid Rauf und den Nordafrikaner Sheikh Mohammed Yunis al-Mauritani vermuten Geheimdienste im engsten Al-Qaida Kreis. Letzterer gilt als zunehmend relevante Person für europäische Sicherheitsbehörde. Al-Mauritani traf im Sommer 2009 deutsche Islamisten in Waziristan und ordnete Attentate in Europa, auch in Deutschland, an. Besonderes Interesse hatte der Al-Qaida Planer dabei wohl an Attentaten auf wirtschaftliche Ziele.

Als lokale Kommandeure für den Bereich Pakistan und Afghanistan füllen mittlerweile immer mehr einheimische Extremisten die Reihen der al-Qaida Hierarchie. Der Pakistaner Ilyas Kashmiri, der verantwortlich sein soll für die Attentate von Mumbai 2008, koordiniert wohl die terroristischen Aktivitäten al-Qaidas in der Region. Er soll für die Bin Laden-Nachfolger Kontakte halten zu pakistanischen Terrorgruppen und den Taliban. Im Afghanistan-Battalion der al-Qaida hat offenbar der Libyer Attiyatullah al-Libi das Sagen, ein als „hochintelligent“ beschriebener Islamist, der persönlichen Kontakt zu Bin Laden gehalten haben soll.

Auf ideologischer Führungs-Ebene hat al-Qaida schon seit längerer Zeit einen weiteren Libyer positioniert, der ebenfalls in den pakistanischen Stammesgebieten vermutet wird – Abu Yahya al-Libi. Der von Terrorexperten als „nächster Bin Laden“ bezeichnete Extremist erschien in einer Vielzahl von Propagandavideos als charismatische Prediger-Figur. Seine theologische Ausbildung lässt vermuten, dass Abu Yahya al-Libi dem Sharia-Rat Al-Qaidas, dem religiös-ideologischen Gremium, vorsteht. Darin vertreten sein könnte auch der ehemalige kuwaitische Religions-Lehrer Sheikh Khalid al-Hussainan, der immer häufiger in Al-Qaida-Videos auftritt.

Die Medienabteilung des Terrornetzwerkes, „As-Sahab Media“ („Die Wolken“), wird sich wohl schon bald mit einer neuen Propagandabotschaft zum Tod Osama Bin Ladens zu Wort melden. Ihr Vorsitzender bleibt wohl auch nach der Tötung des Al-Qaida Gründer, der amerikanischer Konvertit Adam Gadahn alias „Azzam al-Amrikki“. Der 1978 in Kalifornien geborene Amerikaner ist al-Qaidas englisches Propaganda-Sprachrohr und wurde mehrfach im Stammesgebiet Waziristan gesehen.

Insgesamt wirkt Al-Qaidas Zentralführung nach der Tötung Bin Ladens zusätzlich geschwächt, keinesfalls aber besiegt. Personell rücken junge, charismatische Dschihadisten in die neuen Führungspositionen. Wie schlagkräftig al-Qaidas Terror-Struktur im Jahr 2011 tatsächlich ist, bleibt jedoch fraglich. Zusätzlich zu den US-Drohnenangriffen könnten auf Bin Ladens Tod Machtkämpfe mit anderen Terrorgruppen der Region folgen. Und auch ob sich al-Qaida ohne die charismatische Führer-Figur behaupten kann oder zwangsläufig Allianzen für das eigene Überleben eingehen muss, ist noch längst nicht entschieden.

Dass die Erben Bin Ladens dem Terror nicht abschwören werden, ließ al-Qaida die Welt gestern in einer Internet-Botschaft zum Tod ihres Anführers unmissverständlich wissen. „Wir werden den Weg des Dschihad fortsetzen, den Sheikh Osama Bin Laden anführte, und werden uns nicht davon abbringen lassen“, hieß es in dem Schreiben. Auf Bin Ladens Tötung werde Rache folgen, schwor das Terrornetzwerk. Zugleich hieß al-Qaida neue Terror-Rekruten willkommen: „Die Universität des Glaubens, des Koran und des Dschihad, die Sheikh Osama gründete, wird ihre Tore nicht schließen.“