„Wir haben geschlachtet“

von Florian Flade

Deutsche Dschihadisten prahlen mit einem Massaker an über 200 Menschen in Syrien. Deutsche Sicherheitsbehörden prüfen ob noch weitere Islamisten an Kriegsverbrechen beteiligt sind.

pic210714„Abu Talha al-Almani“ und „Abu Luqman al-Almani“ in Syrien

„Wir haben gekämpft“, sagt der Mann in fehlerfreiem Deutsch. „Und Allah hat uns den Sieg gewährt.“ Zu seinen Füßen liegen Dutzende blutverschmierte Leichen. Einige tragen Uniform, andere normale Alltagskleidung. Sichtlich stolz berichtet der Mann, der über den Toten in der syrischen Wüste kniet, von dem Massaker, das kurz zuvor stattgefunden hat. „Es waren nicht unsere Waffen, es war nicht unser Talent, unsere Anzahl. Und wie ihr sehen könnt, haben wir diese Tiere geschlachtet.“

Die Szene stammt aus einem rund anderthalb Minuten langen Youtube-Video, das am Freitag im Internet auftauchte. Es zeigt das grausame Resulat eines Terrorangriffs auf das Öl-Feld Al-Shaar in der Provinz Homs in Nord-Syrien. Dschihadisten der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) hatten die Öl-Förderanlagen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag überfallen. Nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben dabei 270 Menschen, darunter Sicherheitskräfte und Arbeiter.

Mehrere Videos, die am Wochenende auf einschlägigen Internetseiten und über Twitter verbreitet wurden, geben Hinweise darauf, dass bei dem Angriff des IS möglicherweise auch deutsche Dschihadisten beteiligt waren. Nach Informationen der „Welt“ gehen das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der Bundesnachrichtendienst (BND) derzeit gemeinsam mit den Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) bislang davon aus, dass mindestens zwei Islamisten aus Deutschland in Verbindung mit dem Massaker von Al-Shaar stehen.

Bei dem Mann, der sich in dem Youtube-Video über die Ermordung der „Ungläubigen“ freut, soll es sich nach Informationen der „Welt“ um Farid S., einen 25-jähriger Deutsch-Algerier aus Bonn handeln, der den Kampfnamen „Abu Luqman al-Almani“ trägt. In einem anderen Video ist der Berliner Ex-Rapper Denis C. alias „Abu Talha al-Almani“ zu sehen, der mit einem Gegenstand auf die Leiche eines in Al-Shaar getöteten Mannes einprügelt.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) geht aktuell davon aus, dass mehr als 300 Islamisten aus Deutschland seit Ausbruch des Bürgerkrieges nach Syrien gereist sind. Die Mehrzahl der Extremisten stammt aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Hessen. Wie viele Personen sich in Syrien letztendlich auch an Kampfhandlungen beteiligt haben, ist unklar. „Wenn die Islamisten erstmal in Syrien sind, sind sie für uns oft in einem schwarzen Loch“, erklärte ein ranghoher Vertreter der Sicherheitsbehörden vor einigen Wochen.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen warnte in der Vergangenheit immer wieder vor radikalisierten Dschihadisten, die aus Syrien nach Deutschland zurückkehren und hierzulande eine „erhebliche Gefahr darstellen“. Vor Ort in Syrien lernten die Extremisten den Umgang mit Waffen und seien teilweise an Tötungen beteiligt.

Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, soll sich inzwischen auch eine kleine Zahl von deutschen Dschihadisten am Feldzug der ISIS im Irak beteiligen. Am Samstag vermeldeten die Terroristen, dass ein Kämpfer aus Deutschland in Bagdad einen Selbstmordanschlag verübt habe.

„Heute haben die Soldaten des Kalifats Abu Qaqa al-Almani und Abu Abdurrahman ash-Shami zwei Märtyreroperationen gegen die Militen der Rafida (Schiiten) mitten in Bagdad durchgeführt“, heißt es in einer Erklärung von ISIS.

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