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Spionage am Himmel

Ein Ballon sorgt für weitere politische Spannungen zwischen den USA und der Volksrepublik China. Das Pentagon geht davon aus, dass es sich um einen Spionage-Ballon gehandelt hat, mit dem amerikanische Militäranlagen ausgekundschaftet werden sollten. Es war wohl nicht der erste Vorfall dieser Art. Über die Geschichte von Ballons für geheimdienstliche und militärische Zwecke.

Von Florian Flade

In dem Vorgang steckte wohl einige Symbolik. Zwei F-22 „Raptor“ Kampfjets stiegen am Samstag von der Langley Air Force Base im US-Bundesstaat Virginia auf, um den chinesischen Spionage-Ballon vom Himmel zu holen, der seit Tagen über das Territorium der USA geflogen war und die Nachrichtenlage bestimmte. Die Militärflugzeuge trugen die Rufzeichen „Frank01“ und „Frank02“ – möglicherweise eine Hommage an Frank Luke Junior, Spitzname „Ballonknacker“ oder „Arizona Balloon Buster“, einen der erfolgreichsten amerikanischen Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, der über Frankreich zahlreiche Aufklärungsballons des Deutschen Kaiserreiches abgeschossen hatte.

Mehrere Tage hatte das US-Militär, genau wie Medien weltweit und zahlreiche Schaulustige, verfolgt wie ein chinesischer Spionage-Ballon über die USA geflogen war. Zum ersten Mal war das Flugobjekt am 28. Januar vom North American Aerospace Defense Command (NORAD) bemerkt worden, dann flog der Ballon über Alaska und Kanada, und drang schließlich wieder in den Luftraum der USA ein.

Im Pentagon geht man davon aus, dass der Ballon mit Aufklärungstechnik ausgestattet war, um strategisch bedeutende Militäranlagen in den USA auszukundschaften. Wie etwa die Malmstrom Air Force Base in Montana, auf der nukleare Langstreckenraketen stationiert sind. Ein Abschuss des Ballons soll zwar schon früh von US-Präsident Joe Biden angeordnet worden sein, allerdings gab es bei den Militärs offenbar Bedenken. Die Gefahr der herunterfallenden Trümmer für die Bevölkerung wurde wohl als zu groß eingeschätzt. Stattdessen entschied man sich, zunächst die Flugbahn des Spionage-Ballons, der in einer Höhe von rund 18 Kilometern unterwegs war, genauestens zu verfolgen. Über dem Atlantik sollte der Ballon dann abgeschossen werden.

Am Samstag war es dann so weit. Die beiden F-22 Kampfjets umkreisten den Ballon, als er gerade die Küste des US-Bundesstaates South Carolina verlassen hatte und über das offene Meer flog. Dann feuerte eines der Flugzeuge eine Rakete ab und zerstörte damit den mit Helium gefüllten Ballon. Die am Ballon befestigte Technik stürzte rund elf Kilometer vor der amerikanischen Küste in den Atlantik, über mehrere Kilometern sollen die Trümmer verteilt sein. Die US-Marine war zeitnah mit Schiffen unterwegs, Militärtaucher sollen die Überreste des Ballons nun bergen und die US-Bundespolizei FBI soll die Technik untersuchen.

„Der Ballon, der von der Volksrepublik China bei dem Versuch eingesetzt wurde, strategische Standorte in den kontinentalen Vereinigten Staaten zu überwachen, wurde über den Hoheitsgewässern der USA zum Absturz gebracht“, teilte das Pentagon mit.

Aus China wiederum gab es harsche Kritik. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sprach von einer „offensichtliche Überreaktion“ der USA gegen ein „ziviles, unbemanntes Luftschiff“, das nur zufällig in amerikanischen Luftraum eingedrungen sei. China behalte sich das Recht auf „notwendige Reaktionen“ vor. Vor einigen Tagen noch hatte China behauptet, der Ballon sei keineswegs zu Spionagezwecken unterwegs, sondern es handele sich vielmehr um einen Wetterballon, der meteorologischer und anderer Forschung diene.

Auch wenn bislang die genauen Details zur Technologie des Ballons vor allem Spekulation sind, so stellt die Tatsache, dass ein chinesisches Flugobjekt unerlaubt in den amerikanischen Luftraum eingedrungen ist und auch sensible militärische Einrichtungen überflogen hat, eine erhebliche Provokation dar. Das amerikanisch-chinesische Verhältnis, das sich zuletzt ohnehin weiter verschärft hat, unter anderem durch den sogenannten „Chip-Krieg“, droht sich nun noch weiter zu verschlechtern.

US-Außenminister Blinken hatte eine für diese Woche geplante Reise nach China kurzfristig abgesagt. Zwar hieß es, man sei weiterhin an Gesprächen mit Peking interessiert und wolle nicht, dass der Ballon das alles beherrschende Thema sei. Tatsächlich aber dürfte ist fraglich, ob einer diplomatische Besuch, wie ursprünglich vorgesehen, in absehbarer Zeit überhaupt noch stattfinden kann. Man habe China auf unterschiedlichen Kanälen kommuniziert, dass man ein solches Verhalte nicht dulde, hatte die US-Regierung verlauten lassen.

Der Einsatz von Ballons zu Spionagezwecken ist tatsächlich keine neue Entwicklung. Schon zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges, später im Ersten und auch Zweiten Weltkrieg wurden Heißluftballons und Zeppeline unterschiedlicher Größen und Bauarten eingesetzt, um gegnerische Truppenbewegungen, Militäranlagen oder Verteidigungslinien aus der Luft auszukundschaften. Die bemannten Ballons waren so etwas wie die historischen Vorläufer zu den späteren Überwachungsflugzeugen, Spionagesatelliten und Drohnen.

Und auch als Kriegswaffen kamen Ballons bereits zum Einsatz. Ab November 1944 schickte die Kaiserliche Armee Japans mehr als 9000 Ballons, die mit Sprengsätzen ausgestattet waren, über den Pazifik in Richtung USA. Offenbar war das Ziel mit den fliegenden Bomben, genannt „Fu-Go“, großflächige Waldbrände an der amerikanischen Westküste zu verursachen oder auch Städte zu treffen. Letztendlich aber tauchten nur einige Hundert dieser Ballon-Bomben in den USA und Kanada auf, militärisch erwiesen sie sich als unbedeutend.

Jedoch kam es auch zu einem tödlichen Vorfall. Am 05. Mai 1945 fuhr eine Pastoren-Familie mit einigen Kindern aus der Kirchen-Gemeinde zum Picknick in die Gearhart Mountain im US-Bundesstaat Oregon. Ethel Joah Patzke, ein 13 Jahre altes Mädchen, stieß beim Spielen im Wald auf die Überreste eines japanischen Ballons. Als sie das abgestürzte Flugobjekt anhob, explodierte die Bombe. Fünf Kinder sowie die schwangere Pastoren-Ehefrau starben.

Zahlreiche Staaten haben auch in den vergangenen Jahrzehnten trotz inzwischen verfügbarer Satellitentechnologie auch immer wieder Aufklärungsballons eingesetzt, darunter auch die USA und Großbritannien. Während der Frühphase des Kalten Krieg, in den 1950er und 1960er Jahren sollen beispielsweise mehrere Hundert Ballons vom US-Militär und den Geheimdiensten über der Sowjetunion eingesetzt worden sein, um Funksignale aufzufangen und Radaranlagen zu identifizieren.

Im Irak und Afghanistan setzte das US-Militär mit Kameras oder anderer Sensorik ausgestattete Ballons oder Zeppeline ein, um bestimmte Gebiete über längere Zeiträume überwachen zu können. Die unbemannten Ballons bieten dabei entscheidende Vorteile gegenüber Flugzeugen oder auch Drohnen. Sie sind kostengünstiger und können in der Regel länger in der Luft verbleiben. Durch Solartechnologie ist zudem ein energieschonenden Antrieb möglich.

Das Pentagon hat bereits viele Millionen in entsprechende Programme investiert, die wohl auch darauf ausgerichtet sind, Überwachungssysteme in extremen Höhen zu platzieren, um beispielsweise Hyperschall-Waffen, wie sie etwa Russland oder auch China entwickelt hat, aufzuspüren und zu verfolgen.

Auch innerhalb der USA wurden solche Ballon-Systeme bereits getestet. Beim Projekt „Covert Long-Dwell Stratospheric Architecture“ (COLD STAR)“, ging es allerdings darum, Drogenschmugglern aufzuspüren. Mehrere Fahrzeuge und Boote wurden dabei gleichzeitig verfolgt und überwacht.

China hat nach Angaben der US-Regierung ebenfalls ein umfangreiches Spionage-Ballon-Programm ins Leben gerufen. So wurde zeitgleich mit jenem Ballon über den USA auch noch ein weiterer Spionageballon entdeckt, der über Süd- und Mittelamerika flog. Der Überflug über die USA soll zudem nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen sein. Bereits unter der Trump-Administration wurden demnach mindestens drei chinesische Ballons über dem US-Festland festgestellt. Vor wenigen Monaten erst soll zudem ein solcher Ballon in der Nähe von Hawaii in den Pazifik gestürzt sein.

Das FBI ist nun beauftragt worden, den Spionage-Ballon, der am vergangenen Wochenende abgeschossen wurde, zu untersuchen. Fotos des Ballons legen nahe, dass er neben Solarpanels möglicherweise auch über Steuerungssysteme verfügte und durch gelenkt worden sein könnte. Auch jegliche Form von Überwachungstechnologie ist für die US-Ermittler nun von Interesse.

Vor mehr als zwanzig Jahren war es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Damals fiel amerikanische Spionagetechnik in die Hände der Chinesen. Am 01. April 2001 kollidierte über dem Südchinesischen Meer ein Spionageflugzeug der US-Navy, eine für technische Überwachungen des US-Abhördienstes NSA eingesetzte Maschine vom Typ EP-3, mit einem chinesischen Kampfjet und wurde zur Landung auf der chinesischen Insel Hainan gezwungen. An Bord befanden sich 24 Crew-Mitglieder, die in Gefangenschaft des chinesischen Militärs gerieten und verhört wurden. Das Spionageflugzeug und die darin befindliche Hardware und Software wurde umfangreich von chinesische Seite untersucht.

Nach elf Tagen und zähe diplomatische Bemühungen entließ Peking die Amerikaner in Freiheit, die Flugzeugcrew wurden auf den US-Militärstützpunkt Guam ausgeflogen. Die Spionagemaschine EP-3 kehrte erst wenige Monate später, im Juli in die USA zurück, allerdings in Einzelteilen. Denn das Flugzeug musste auf Geheiß der Chinesen auseinander gebaut werden.

Die NSA kam später in einem streng geheimen Abschlussbericht zu dem Vorfall zu dem Schluss, dass China bei der Auswertung der Technik, Notizbücher und anderer Unterlagen wohl durchaus brisante Erkenntnisse über die amerikanischen SIGINT-Operationen im Pazifik erlangt hatte. Zu den anvisierten Zielen der USA, aber auch Hinweise auf gemeinsame technische Überwachungsaktionen mit Japan und Taiwan.

| Icon, verwendet in Illustration (Quelle)

Die „Schwarze Kasse“ der DGSE 

Französische Geheimdienstler sollen einen Geschäftsmann erpresst haben. Der Vorfall beschäftigt nun die Justiz und wirft ein Schlaglicht auf ein bislang gut gehütetes Geheimnis. Was hat es mit der „Schwarzen Kasse“ des französischen Auslandsnachrichtendienstes auf sich?

Von Florian Flade

Frankreichs Spione sollen eine neue Zentrale bekommen. Das hat Präsident Emmanuel Macron bereits versprochen. Noch befindet sich Hauptquartier der Direction Générale de la Sécurité Extérieure (DGSE), des französischen Auslandsnachrichtendienstes, am Pariser Boulevard Mortier. Auf Google Maps ist das Gelände verpixelt, geschützt vor neugierigen Blicken. Unter Europas Diensten gilt „das Büro“ oder „die Box“, wie die DGSE oft genannt wird, als besonders verschwiegen. Im Jahr 2028 soll der Dienst umziehen, in das weitläufiges Kasernengelände Fort Neuf de Vincennes am östlichen Rand der französischen Hauptstadt.

Wie teuer der Umzug wird, und ob auch Umbaumaßnahmen notwendig werden, ist noch unklar. Doch es dürfte den französischen Steuerzahler einiges kosten. Der Etat von Frankreichs Auslandsdienst mit seinen rund 7000 Mitarbeitenden ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Auf mittlerweile mehr als 800 Millionen Euro, Tendenz steigend.

Ein skurriler Justizfall sorgt nun dafür, dass die Finanzen der französischen Spionen genauer unter die Lupe genommen werden. Und nun zumindest teilweise an Öffentlichkeit kommt, was fast ein Jahrhundert im Verborgenen lag – die „Schwarze Kasse“ des französischen Auslandsnachrichtendienstes.

Im März 2016 kam es an einem Flughafen Paris zu einer ungewöhnlichen Passagierkontrolle. Der französisch-schweizerische Geschäftsmann Alain Duménil wurde damals von französischen Grenzpolizisten in einem Raum geführt, wo zwei DGSE-Mitarbeiter auf ihn warteten. Die Geheimdienstler sollen den Unternehmen ziemlich forsch behandelt und mit körperlicher Gewalt bedroht haben.

Die Spione sollen Duménil zudem Fotos seiner Familie vorgelegt haben, aufgenommen offenbar in Frankreich, in Schweiz und anderenorts. Sie sollen erklärt haben, er schulde dem französischen Staat viel Geld, insgesamt rund 15 Millionen Euro. Die Summe solle er schnellstmöglich auftreiben, sollen die DGSE-Männer gefordert haben, ansonsten könnten schlimme Dinge passieren. Er könnte beispielsweise im Rollstuhl landen.

Der Vorfall am Pariser Flughafen, inzwischen aber interessiert sich eine französische Staatsanwaltschaft für die harschen Verhörmethoden und mutmaßlichen Erpressungsversuche der DGSE – und für die Geschichte hinter der Geschichte.

Im Oktober vergangenen Jahres hat ein französischer Richter in Bobigny den ehemaligen Direktor des französischen Geheimdienstes und einstigen Top-Diplomaten Bernard Bajolet angeklagt, wie die französische Zeitung Le Monde recherchiert hat. Es geht um den Vorwürfe der Mittäterschaft bei einer Erpressung und Freiheitsberaubung („willkürliche Verletzung der persönlichen Freiheit“).

Tatsächlich könnte das Verfahren zu einem Politikum werden, denn es geht um nichts geringeres als um die „Schwarze Kasse“ der Pariser Spione. Um die Frage, wie viel Geld der Frankreichs Geheimdienst beiseite geschafft oder durch undurchsichtige Finanzgeschäfte erwirtschaftet hat, wer dabei half das Geld zu verstecken, und was mit diesem Millionenvermögen geschehen ist.

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Neuseeland und die Spionage

Neuseeland ist das kleinste Mitglied der mächtigen Geheimdienst-Allianz „Five Eyes“. Seine Geheimdienste finden kaum Beachtung, dabei mischten sie bei spektakulären Spionage-Operationen mit. Inzwischen aber blicken westliche Partner auch durchaus kritisch auf Neuseeland. Und das hat mit China zu tun.

Von Florian Flade

Das Waihopai-Tal ist Weinland. Es liegt im Norden der neuseeländischen Südinsel, im Distrikt Marlborough. Felder und bewaldete Hügel prägen die Landschaft, rings herum erheben sich schneebedeckte Berge. Viel Sonne gibt es hier, wenig Regen, kaum Frost. Ein ideales Weinanbaugebiet, vor allem Neuseelands Sauvignon Blanc kommt aus dieser Region. Und ein Weingut aus dieser Gegend wurde schon mehrfach zu den besten des Landes gekürt – Spy Valley Wine.

Der Name lässt erahnen: Im Waihopai-Tal gehen geheimnisvolle Dinge vor sich. Drei Jahrzehnte standen direkt neben dem Weingut zwei große weiße Kugeln in der saftgrünen Landschaft. Daneben ein paar Flachbauten, ein Parkplatz, drum herum ein Zaun mit Stacheldraht. Die weißen Kugeln, die wie riesige Golfbälle wirkten, waren Radome, in ihnen befand sich je eine Radarschüssel von 18 Metern Durchmesser. Sie dienten dazu weltweite Satellitenkommunikation zu überwachen.

Mitten im Herzland von Neuseelands Weinindustrie war in den 1980er Jahren eine Spionagestation errichtet worden. Aus dem Waihopai-Tal heraus wurden Telefonate, Faxe und später Internetkommunikation überwacht, manche sprachen gar von einer „Mini-NSA“.

Die Bodenstation gehört zum Government Communications Security Bureau (GCSB), dem neuseeländischen Abhördienst.1989 nahmen die SIGINT-Spezialisten die erste Satellitenschüssel in Betrieb, zehn Jahre später die zweite. Im April vergangenen Jahres dann war Schluss. Kräne und andere Spezialfahrzeuge rückten an, die weißen Radome wurden Stück für Stück abgebaut. Sie wurden kaum noch gebraucht, zuletzt sollen die Schüsseln nur noch rund 0,5 Prozent der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse des GSCSB geliefert haben.

Die Spionagestation von Waihopai aber soll es auch ohne die Radome weiter geben, wie die neuseeländische Regierung mitteilte. Sie solle künftig mit moderner Technologie arbeiten und ihren Beitrag für die nationale Sicherheit des Landes leisten.

Neuseeland ist mit 5,1 Millionen Einwohnern ein vergleichsweise kleines Land. Dennoch verfügt die Pazifik-Nation über mehrere Nachrichtendienste, die in den vergangenen Jahrzehnten an teils spektakulären Spionageoperationen beteiligt waren. Neuseeland ist Teil der mächtigen Geheimdienst-Allianz der „Five Eyes“ – war dort bereits einmal in Ungnade gefallen, und gilt heute wieder als Sorgenkind.

Denn das Land steht im Visier fremder Staaten. Sie versuchen Einfluss auf demokratische Prozesse zu nehmen und Wellingtons Politik, insbesondere im pazifischen Raum, auszuspähen. Neuseeland wird innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft an Bedeutung gewinnen, denn der Pazifik wird zunehmend zu einer geopolitisch umkämpften Region. Westliche Partner blicken daher wachsam auf die kleine Insel-Nation, und das hat auch mit der China-Politik der aktuellen Regierung zu tun.

So weigerte sich die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern in den vergangenen Jahren mehrfach eine kritische Haltung gegenüber Peking einzunehmen. Im Januar 2021 verurteilten westliche Regierungen die Verhaftungen von Demonstranten in Hong Kong, die „Five Eyes“ gaben eine gemeinsame Stellungnahme heraus. Nur Neuseeland gehörte nicht zu den Unterzeichnern.

Im März 2021 dann veröffentlichten 14 Staaten eine Erklärung, in der eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ursprung des Sars-CoV-2-Virus kritisiert wurde. Darin hieß es unter anderem, die Wissenschaftler hätten nur unzureichenden Zugang zu Daten aus China bekommen. Die „Five Eye“-Mitgliedstaaten unterstützten das Schreiben, wieder aber fehlte Neuseeland.

Im April 2021 weigerte sich Wellington zudem die Verfolgung und Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China durch als „Genozid“ zu bezeichnen – anders als etwa die USA, Großbritannien oder Kanada.

Neuseeland befindet sich in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit zu China, daran gibt es kaum Zweifel. Rund 30 Prozent der Exporte des Landes gehen in die Volksrepublik. Australien hatte in den vergangenen Jahren erlebt, welche Konsequenzen eine harte Linie gegen Peking haben kann. Nach kritischen Bemerkungen aus Canberra brachen die australische Exporte nach China drastisch ein, insbesondere Wein, Getreide und Fleisch waren davon betroffen. In Neuseeland befürchtet man offenbar ähnliches.

Neuseelands Außenministerin Nanaia Mahuta erklärte auf einer Pressekonferenz im Frühjahr 2021: „Bei der Five-Eyes-Vereinbarung geht es um einen Sicherheits- und Geheimdienstrahmen. Es ist nicht notwendig, Five Eyes ständig zu jedem Thema als ihre erste Anlaufstelle anzurufen, um eine Koalition zur Unterstützung bestimmter Themen im Bereich der Menschenrechte zu schaffen.“

Damit sorgte sie für Irritationen bei Partnern. In Kommentaren hieß es, Neuseeland sei aufgrund seiner China-freundlichen Außen- und Wirtschaftspolitik augenscheinlich das „schwache Glied“ in der Kette des westlichen Geheimdienstbündnisses. Premierministerin Ardern hingegen versicherte, dass ihr Land weiterhin an der „Five Eye“-Allianz festhalte. „In Sachen Five Eyes bleiben wir engagiertes Mitglied. Das steht außer Frage“, so die Politikerin.

Welche Dienste gibt es im „Land der langen weißen Wolke“, wie die Maori Neuseeland nennen? Und welche Rolle spielen sie bei den „Five Eyes“?

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