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Öl, Geiseln und Antiquitäten

von Florian Flade

BBC_IS

Acht Millionen Menschen in Syrien und dem Irak leben unter der Herrschaft der Terroristen des “Islamischen Staates” (IS). Innerhalb einer Jahres haben die Dschihadisten ihr Einflussgebiet massiv ausgeweitet und dabei Großstädte, Militärbasen, Banken und Öl-Felder erobert. Entstanden ist ein bislang beispielloser Terror-Staat.

Peter Taylor, Terrorismus-Experte der BBC, geht in der neuen, sehenswerten Dokumentation “The World´s Richest Terror Army” der Frage nach, wie sich der IS finanziert und weshalb es den Islamisten gelang ein derart großes Territorium an sich zu reißen.

Der Film, in dem sowohl britische, amerikanische und irakische Geheimdienstler, Militärs und Terrorismus-Experten als auch IS-Anhänger zu Wort kommen, beleuchtet ein vielschichtiges Finanzsystem, gespeist durch Steuerabgaben, Öl-Schmuggel, Geiselnahmen, dem Handel mit antiker Kunst und staatlichen Gehältern, die lange Zeit im IS-Gebiet immer noch an irakische Beamte ausgezahlt wurden.

Sehen Sie die Dokumenation von Peter Taylor hier:

http://www.bbc.co.uk/iplayer/episode/b05s4ytp/this-world-worlds-richest-terror-army

 

Al-Qaida und die Paris-Attentate

von Florian Flade

Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat die Verantwortung für die Terroranschläge auf Charlie Hebdo in Paris übernommen. Wie glaubhaft ist die Selbstbezichtigung?

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Es war zu erwarten, dass es ein paar Tage dauern würde, bis sich ein Terrornetzwerk offiziell zu den schrecklichen Anschlägen von Paris äußern würde. Während auf Twitter bereits zahlreiche echte und Möchtegern-Dschihadisten die Bluttaten bejubelten, hielten sich die Terrorgruppen “Islamischer Staat” (IS) und die diversen Ableger des Al-Qaida-Netzwerkes offiziell noch zurück.

Der Attentäter Cherif Kouachi hatte in einem Telefonat mit einem Journalisten des französischen Fernsehsenders BFMTV kurz vor seinem Tod erklärt, er handle im Namen der jemenitischen Al-Qaida. Der Geiselnehmer im jüdischen Supermarkt Hyper Marche, Amedy Coulibaly, hingegen hatte ebenfalls gegenüber einem TV-Journalisten erklärt, er sei ein Mitglied des “Islamischen Staates”. „Ich will, dass sich die Armee aus dem Islamischen Staat zurückzieht, aus allen Gebieten, wo sie den Islam bekämpft”, sagte der 32-jährige. In einem späteren Bekennervideo schwor er schließlich auch dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi den Treueeid.

In wessen Auftrag also mordeten die Kouachis und Coulibaly in Paris?

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Am Mittwoch tauchte ein Video der jemenitischen Al-Qaida (AQAP) auf. Darin behauptet der Dschihadist Nasser Ibn Ali al-Ansi der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo sei das Werk von AQAP gewesen. “Wir von der Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel übernehmen die Verantwortung für diese Operation as eine Rache für den Gesandten Allahs”, sagt al-Ansi. “Wir machen der Ummah klar, dass derjenige, der das Ziel ausgewählt hat, den Plan gemacht und die Operation finanziert hat, die Führung unserer Organisation ist.”

Die Anschläge hätten nach einem Befehl von Al-Qaida-Führer Ayman az-Zawahiri und nach dem Willen von Osama Bin Laden stattgefunden. “Die Abmachung mit dem Anführer der Operation wurden von Sheikh Anwar al-Awlaki gemacht, der den Westen sowohl im Leben und als auch nach seinem Märtyrertod bedroht”, erklärt Al-Ansi weiter. “Diese gesegnete Schlacht wurde ausgeführt von zwei Helden des Islam, den Kouachi Brüdern Cherif und Said. Es war ein göttlicher Segen von Allah, dass diese Operation zufällig mit der Operation des Mudschahid-Bruders Ahmed Koulibali zusammenfiel.”

Al-Qaida habe die Mohammed-Karikaturisten weltweit vor den Konsequenzen gewarnt. Im “Inspire”-Magazin der jemenitischen Al-Qaida sei zudem eine Todesliste veröffentlicht worden, auf der sich auf der Charlie-Hebdo-Chefredakteur Charbonnier befand.

“Wir haben euch vorher vor den Konsequenzen dieser Taten gewarnt, dass eure Regierungen erlauben unter dem Kontext von Pressefreiheit und Meinungsfreiheit”, erklärt AQAP-Terrorist Al-Ansi außerdem.

Bislang unbestätigten Berichten zufolge soll es tatsächlich Verbindungen zwischen den Paris-Attentätern und der jemenitischen Al-Qaida gegeben haben. US-Geheimdienste übermittelten ihren europäischen Partnern wohl die Information, dass die Kouachi-Brüder im Jahr 2011 zunächst in den Oman und von dort aus weiter in den Jemen gereist sei. Am 25. Juli 2011 sollen die Islamisten demnach in den Jemen geschleust worden sein, wo sie anschließend in einem Ausbildungslager der Al-Qaida in der Region Marib an Waffen geschult worden sein sollen. Bis zu zwei Wochen sollen sich die Kouachis im Jemen aufgehalten haben, bevor sie am 15. August 2011 wieder über den Oman nach Frankreich zurückreisten.

Rund einen Monat später, am 30. September 2011 tötete eine US-Drohne den US-jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaki. Der englisch- und arabischsprachige Extremist hatte Kontakte zu zahlreichen Islamisten in Europa und Nordamerika und rief sie zu Anschlägen in ihren Heimatländern auf.

Es wäre durchaus denkbar, dass Awlaki die Kouachi-Brüder zu ihrem späteren Attentat inspiriert hat. Ähnlich wie bereits zuvor im Fall des Ford-Hood-Attentäters Nidal Hassan oder des Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab, der im Dezember 2009 versuchte eine amerikanische Passagiermaschine mit einer Bombe in seiner Unterwäsche in die Luft zu sprengen.

Cherif Kouachi erklärte im TV-Interview am vergangenen Donnerstag, dass er von der Al-Qaida im Jemen beauftragt und von Anwar al-Awlaki finanziert worden sei. Dies öffentlich zu äußern, schien ihm sehr wichtig zu sein.

Das nun aufgetauchte Video von AQAP ist tatsächlich ein weiteres Indiz, dass es eine starke Jemen-Verbindung der Kouachi-Brüder geben könnte. Und die Organisation womöglich tatsächlich seit einigen Jahren über terroristische “Schläfer” in Frankreich verfügte.

Wurde Foley im Video ermordet?

von Florian Flade

Bildschirmfoto 2014-08-30 um 15.44.08Die Szene, in der Foley angeblich ermordet wurde. Doch der Henker hält das Messer falsch herum.

Die Propagandaabteilung “Al-Hayat” der Terrorgruppe “Islamischer Staat” hat heute eine neue Ausgabe ihres Online-Magazins Dabiq veröffentlicht. Darin enthalten ist u.a. die angeblich kompletten letzten Worte des US-Journalisten James Foley vor seiner Ermordung.

In dem Text heißt es, dass mehrere europäische Geiseln, die gemeinsam mit Foley von IS gefangen gehalten wurden, offenbar von ihren jeweiligen Regierungen freigekauft worden seien. Dies entspricht meinen Recherchen zur Geschichte eines Deutschen, der von den IS-Terroristen ein Jahr lang als Geisel gehalten wurde. Nachzulesen in der “Welt am Sonntag”.

Ein Screenshot aus dem Hinrichtungsvideos Foleys ist der angeblichen Rede beigefügt. Dabei fällt etwas auf. Der Henker hielt offenbar das Messer, mit dem der US-Journalist geköpft worden sein soll, falsch herum. Die Klinge zeigt deutlich nach außen.

Schon kurz nach dem Auftauchen des grausamen Videos vor rund zwei Wochen kamen Zweifel daran auf, ob Foley tatsächlich während der Aufnahme getötet wurde oder doch zu einem anderen Zeitpunkt. Grund für die Skepsis ist insbesondere der Schnitt des Videos. Kurz nachdem der englischsprachige Terrorist das Messer an Foleys Kehle ansetzt, gibt es einen Schnitt. In der nächsten Szene ist der abgetrennte Kopf von Foley auf dem Körper liegend zu sehen.

Die eigentliche Ermordung aber wird nicht gezeigt. Dies könnte unterschiedliche Gründe haben. Denkbar ist, dass die Terroristen die grausamsten Teile des Videos nicht zeigen wollten. Was allerdings kaum schlüssig ist, angesichts vergangener Geiselvideos, in denen die Ermordung der Geiseln detailliert und in voller Länge gezeigt wurde.

Wahrscheinlicher dürfte tatsächlich sein, dass James Foley nicht direkt vor laufender Kamera getötet wurde. Sondern zu einem späteren Zeitpunkt.